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Unrecht benennen

Donnerstag, 08. Mai 2008, 15:00 Uhr
Der 8. Mai 2008 in Nordhausen. Mit zahlreichen Veranstaltungen ist heute in der Rolandstadt an die Befreiung Deutschlands von der Nazibarbarei erinnert worden. Besonders emotional war es vor dem Rathaus. Die nnz mit einem Überblick.

Aktionstag (Foto: psv) Aktionstag (Foto: psv)

Bei der Kranzniederlegung anlässlich des 63. Jahrestages des Endes des 2. Weltkrieges und der Befreiung vom Nationalsozialismus hat Nordhausens Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) bedauert, dass es einen Rückgang der Tradition des Gedenkens an das Kriegsende gebe. „In vielen Städten findet es gar nicht mehr statt – dies ist außerordentlich bedauerlich, insbesondere angesichts der unzähligen Tragödien, die dieser Krieg für Millionen von Menschen mit sich gebracht hat“, sagte Frau Rinke heute Mittag an der Gedenkstele für die Opfer des Krieges auf dem Nordhäuser Ehrenfriedhof vor rund dreißig Nordhäuserinnen und Nordhäuser – unter ihnen Landrat Joachim Claus (CDU) und Vertreter von Parteien.

Am Mittag versammelten sich Schülerinnen und Schüler aus Nordhäuser Schulen in der Blasii-Kirche zu einem Friedengebet. „all we are saying ist give peace an chance“ – diese Zeilen aus dem legendären Song von John Lennon wabten wie ein unsichtbares, aber spürbares Transparent über die jungen Leute. Erst von Band, dann in Variationen auf der Orgel gespielt. Die sollten hören lassen, wie menschlich Frieden ist, wie zerbrechlich er aber auch sein kann.

Aktionstag (Foto: nnz) Aktionstag (Foto: nnz)

Dieser Aktionstag der evangelischen Kirchen, so Superintendent Michael Bornschein, soll ein Zeichen setzen, soll aber auch zugleich als klare Absage an Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus verstanden werden. Bornschein war es auch, der dann auf dem Rathausplatz die Bücherverbrennung durch die Faschisten am 10. Mai 1933 als den Anfang vom Ende bezeichnete. Oberbürgermeisterin Rinke erinnerte in ihrer Rede daran, daß es auch und vor allem Studenten und Professoren vor 65 Jahren waren, die diese Verbrennung geistig initiiert und dann realisiert hatten. In Nordhausen habe es zwar keine Bücherverbrennung gegeben, jedoch habe die Stadt zwölf Jahre später einen hohen Preis zahlen müssen.

Auch heute, vor allem heute – angesichts der immer noch braunen Gefahr – müssen Lehren gezogen werden, müsse erinnert und gemahnt werden. Vor allem aber: Das Unrecht müsse benannt werden. Rinke forderte die jungen, aber auch alle Menschen auf, nicht nur zusammen zu stehen, sondern auch sich dem Gegner zu stellen. Auf die Konfrontation müsse man vorbereitet sein.

Künstlerisch wurde die Veranstaltung von Auszubildenden der Pro-Vita-Akademie bereichert. Sie interpretierten den Pink-Floyd-Song „Hey You“. Künstler des Nordhäuser Theaters lasen aus Werken von Dichtern und Schriftstellern vor, deren Bücher vor 65 Jahren auf den Scheiterhaufen geworfen wurden. In Deutschland.
Autor: nnz

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