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"Das Leben ist (D)eine Party!"

Dienstag, 28. Mai 2002, 10:15 Uhr
Nordhausen (nnz). Mit diesem Slogan will die PDS im anstehenden Bundestagswahlkampf vor allem junge Menschen gewinnen. Mit jungen Leuten aus Nordhausen diskutierte die Bundesvorsitzende Gabi Zimmer gestern in der Rolandstadt.


In der Diskussion: Zimmer Zweimal hatte die PDS-Bundesvorsitzende Gabi Zimmer gestern einen Auftritt in Nordhausen. Am Nachmittag schwor sie die PDS-Basis auf den bevorstehenden Wahlkampf ein. Dabei machte sie ­- wie am Sonntag in Halle -­ deutlich, dass es keine Selbstverständlichkeit sei, die Fünf-Prozent-Hürde am 22. September zu überspringen. Die Lehren aus der Landtagswahl im benachbarten Sachsen-Anhalt müssen gezogen werden. Vor allem die Wähler, die sich von den großen Parteien abgewendet hätten, die müsste die PDS ansprechen.

Auch die Jugend ist in den Blickpunkt der PDS gerückt. Seit längerer Zeit macht man sich nicht nur in der Berliner Zentrale Gedanken, sondern auch an der Nordhäuser Basis. Strukturen sind fast nicht vorhanden, sollen nun aber zaghaft aufgebaut werden. Diese Nöte, die nicht nur auf den Kreisverband Nordhausen definiert werden, kennt auch die PDS-Chefin und deshalb richten die Sozialisten in den Landesverbänden eine Jugendwahlkampfzentrale ein.

Für die Ausrichtung auf die Jugend wurde denn gestern auch die Marschrichtung im „Rosengarten“ ausgegeben: „Politik soll Spaß machen!“ Diesen Spaß gibt es seit diesem Jahr übrigens auch bei der FDP. Vielleicht ist es der Erfolg der Liberalen, der die PDS jetzt ermuntert? Die Kernfrage allerdings, die eine junge Frau stellte: Warum sollen Jugendliche PDS wählen, die wurde nur vage beantwortet. Hier einige Auszüge:

Die PDS denkt über Visionen nach; wir sind gegen Abschiebung; wir stellen uns den Nazi-Demos entgegen; wir bieten Sachen an, wo die Action ist; nie wieder Versammlungssozialismus; nicht nur auf Deutschland gucken; Bereitschaft zur Veränderung.

Klar ist, Jugendliche wollen Spaß, sie sind der wichtigste Part der gegenwärtigen Spaßgesellschaft. Da dürfen sich also auch die Parteien nicht ausschließen. Was passiert aber mit den Jugendlichen, die dann in der PDS mitarbeiten und ihren Spaß haben? Irgendwann mal müssen sie doch diszipliniert werden, denn die ehrenamtliche Arbeit in einem Gemeinderat oder im Kreistag besteht nicht nur aus dem Spaßfaktor. Vielleicht ist der in den Landtagen oder im Bundestag ausgeprägter? Wie die PDS diese Kurve mit ihrem politischen Nachwuchs kriegen will, diese Frage wurde gestern nicht beantwortet. Schließlich ist selbst die PDS kein lockerer Verein, sondern eine Partei. Und: Das Leben ist nicht nur Party, nicht mal für ein PDS-Mitglied!

Die Resonanz auf das abendliche Gesprächsangebot war eher bescheiden. Da waren 17- oder 18jährige in den „Rosengarten“ gekommen, an einem anderen Tisch saßen 50- oder 60jährige. Selbst dieser kleine Ausschnitt aus der Altersstruktur kann jedoch als repräsentativ gelten. Der PDS fehlt die Mitte und die sollte nicht vergessen und aufgegeben werden, auch nicht im Wahlkampf für den Bundestag.
Autor: nnz

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