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Aprilveranstaltung in Limlingerode

Samstag, 19. April 2008, 13:56 Uhr
„Und die Vögel rufen Menschennamen über die Felder.“ – Sarah Kirsch und ihre literarische Vogelschar


Das April-Programm in der „Dichterstätte“ widmet sich seit 2003 dem Werk der Dichterin Sarah Kirsch, denn es ist ihr Geburtstagsmonat. Für Samstag, 26. 4. 2008, wurden Lyrik und Prosa dahingehend durchforscht, ob Vögel die Szene bevölkern.

Seit Menschengedenken gilt der Wunsch: „Wie ein Vogel zu fliegen!“ Diese Lebewesen, denen wir aus eigener Kraft nicht folgen können in ihr Luftelement, treten seit alters her in der Poesie als wichtige Metapher auf.

Sie können sich scheinbar schwerelos ins Lichte erheben, senden ihre Stimmen, ihre Melodien meist betörend über die Erde. Geheimnisvolles tönt trotz aller Erforschung ihrer Spezies zu den Menschen. Mit ihnen bekommt der Frühling, der Sommer eine Stimme.

Sarah Kirsch, die seit Kindertagen besonders von ihrer Mutter, dann durch das Lesen angeregt wurde, durch die Natur mit offenen Sinnen zu gehen, verwendet in der von ihr geschaffenen Literatur den Vogel oft als Träger von Botschaften, als Symbol. Man kann sagen, ohne Vögel geht es bei ihr nicht – ganz im umfassenden Sinne gemeint.

Deshalb war es für die Mitglieder des Fördervereins an der Zeit, einen besonders intensiven Blick auf Sarah Kirschs literarische Vogelschar zu richten. Zahllose Vögel treten auf und übernehmen die verschiedensten Aufgaben. Mit ihnen kann die Dichterin trefflich Gemütszustände bezeichnen, denn in der Kulturgeschichte der Menschen bekamen die Vogelarten bestimmte Eigenschaften zugeschrieben.

Sie deuten auf Freude, auf Trauer hin, auf Fröhliches, Beschwingtes, Übermütiges, Melancholisches, sie sind weise, lächerlich, mystisch, träumerisch, erhaben, bedrohlich. Wer wüsste nicht, was Adler, Falke, Eule, Lerche, Nachtigall, Schwan, Rabe, Kuckuck symbolisch verkörpern! Auf diese Kenntnis kann die Dichterin vertrauen, aber, sie kann sich bewusst auch anders entscheiden, wie es dann der Kontext offenbart. Ein Aha-Erlebnis für den Leser.

In Sarah Kirschs Werk gehen Sichtbares und Unsichtbares Hand in Hand, Unwahrscheinliches mischt sich mit der Wirklichkeit, verträgt sich oder widerspricht. Aus einer scheinbar simplen Beobachtung erwächst eine phantastische Erscheinung. Irdisches und Himmlisches sind oft verwoben. „Etwas auf Flügeln ist unterwegs, dauert an.“

So ist es nicht verwunderlich, dass Vögel für die Poetin Sarah Kirsch ein unverzichtbares Element ihrer Dichtkunst sind.

Ab 14.30 Uhr kann man am 26. April dieser zur Dichtung gewordenen Vogelschar in der Langen Reihe 11 in Limlingerode begegnen, und zu sehen gibt es auch so mancherlei, was auf Vögel verweist.
In der XXIV. HausART treten die großformatigen Aquarelle Jutta Scharrs, „Kompositionen in Farben“, zu den Klängen der Sprache in Korrespondenz. Den Farben hat Sarah Kirsch in ihrem Leben und Werk stets reichhaltig Raum gegeben.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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