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Vortrag von Barbara Vogt begeisterte

Donnerstag, 23. Mai 2002, 18:12 Uhr
Nordhausen (nnz). Auf der Mai-Veranstaltung des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins stand der Vortrag „Der Park Hohenrode und seine Geschichte“ von Barbara Vogt aus Hannover im Vereinshaus „Thomas Mann“ auf dem Programm. nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg war dabei. Hier sein Bericht.

Die unerwartet große Resonanz - über 100 Gäste saßen dichtgedrängt im Saal - zeugte vom starken Interesse an dieser Thematik. „Als im 17. Jahrhundert die großen Schlossanlagen entstanden, wurde die Gartenkunst schon in die Gesamtkonzeption einbezogen. Nicht selten wurde dabei die Natur in geometrische Formen gepresst, wie das beim Französischen Garten der Fall ist, während der Englische Landschaftsgarten den Anschein freier Natur zu erwecken sucht, in idealer Verbindung von Seen, Inseln, künstlich geschaffenen Anhöhen, weiten Wiesen und Wasserläufen, Baumgruppen und dichtem Buschwerk, durchsetzt mit Denkmälern, mit Obelisken, Pyramiden, gotischen Ruinen und Tempeln. Beim Gestalten der Anlagen flossen die Erfahrungen der englischen Gartenarchitekten, die sie in Italien sammelten, mit ein. Deutschlands Gartenkünstler holten sich ihre Ideen wiederum in England. Beispielgebend dafür sind die faszinierenden Gärten in Wörlitz und Weimar, in München und Muskau“, führte Barbara Vogt zu Beginn ihres Vortrages aus.

Die Referentin ging in ihren Ausführungen anschließend auf das Schaffen von Heinrich Siesmayer ein, der mit der Gestaltung des Kurparks in Bad Nauheim und des Palmengartens in Frankfurt am Main Berühmtheit erlangte, ehe er von Carl Kneiff nach Nordhausen geholt wurde. „Da Siesmayer mit Lenné, Pückler und Meyer zu den großen Gartenkünstlern des 19. Jahrhunderts zählt, liegt der Wert Hohenrodes auf der Hand“, so Vogt. Sie würdigte auch die Leistungen des Architekten Ludwig Bohnstedt und des Tabak-Fabrikanten Carl Kneiff, der 1874 sowohl den Bau der Villa als auch die Gestaltung des Parks Hohenrode in Auftrag gab.

Dessen Sohn Fritz erweiterte zusammen mit Philipp Siesmayer nach 1904 die Parkanlage. Die noch vorhandene Brücke verband den alten mit dem neuen Teil des Parks. Er kaufte das Gelände auf der die bekannte, durch einen Brand zerstörte Gaststätte Wilhelmshöhe stand und ließ darauf ein Alpinum anlegen. Die besondere Liebe der beiden Nordhäuser Unternehmer galt aber dem Sammeln seltener Bäumen. Die verschiedensten in- und ausländischen Eichen, Ahorn, Birken, Eschen sowie weitere seltene Gehölze zierten den Park Hohenrode.

Carl Kneiff war Mitbegründer und Fritz Kneiff lebenslanges Mitglied der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, die sich mit Gehölzeinführung, -züchtung und -sichtung befasste und ohne die der Pflanzenreichtum in den Gärten des 19. Und des frühen 20. Jahrhunderts nicht denkbar gewesen wäre. Fritz Kneiff verfasste zahlreichen Zeitungsbeiträge mit vielen Fotos über den Park und dessen Gehölz- und Pflanzenreichtum.
Die faszinierenden Aufnahmen vom Park Hohenrode ließen die einstige Schönheit der Gesamtanlage, zu der ab 1907 auch ein Teich und eine Grotte gehörte, erahnen. „Obwohl der Park stark verwildert ist, sind die Grundstrukturen noch heute erkennbar“, so Vogt. Zum Abschluss des Vortrages, der vom Geschichtsverein und dem Wissenschaftlichen Verein Nordhausen organisiert wurde, hatte sie vielen Fragen der begeisterten Zuhörer zu beantworten.

Im Rahmen der Abendwanderungen des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein findet am 3. Juni 2002 eine Führung durch den Park Hohenrode statt. Barbara Vogt wird die Teilnehmer auf dendrologischen Besonderheiten hinweisen und die Grundkonzeption erläutern. Treffpunkt ist 18 Uhr am Park-Eingang am Beethovenring.
Autor: rh

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