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Südharz Werke in den Startlöchern

Mittwoch, 16. April 2008, 13:57 Uhr
Nach der gestrigen Kreistagssitzung mit dem Votum der Abgeordneten zur Konzipierung einer neu geordneten Abfallentsorgung für den Landkreis luden die Stadtwerke heute morgen die Presse zu weiteren Erläuterungen ein.

Quartett: Forberger, Krauth, Hartung, Höche (Foto: SWN) Quartett: Forberger, Krauth, Hartung, Höche (Foto: SWN)

Der Beigeordneten Jutta Krauth )SPD) war es vorbehalten, die Pressekonferenz in den Räumen der Stadtwerke zu eröffnen. Sie sehe im gestrigen Beschluss einen wesentlichen Schritt hin zu einer gemeinsamen Firma zwischen Landkreis und Stadt Nordhausen, die Impulse für den Arbeitsmarkt geben könne, vor allem aber die Möglichkeit wahre, die Gestaltung der Gebühren zukünftig in eigener Regie und damit im Sinne der Bürger zu behalten. Mit der neuen Firma (Arbeitstitel „Südharz Werke“) verschaffe sich die Region einen Standortvorteil und nehme eine Vorreiterrolle in Nordthüringen ein.

Am 3. Juni tagt der Kreistag wieder und am 4. Juni der Stadtrat. Zu diesen Terminen sollen die Verträge den Abgeordneten zustimmungsreif vorliegen. Im Oktober könnte dann die Gesellschaft gegründet werden, die ihre Arbeit gestaffelt aufnehmen soll, nämlich jeweils die auslaufenden Verträge mit den bisherigen Dienstleistern übernehmend. Als erster Schritt werden die Aufgaben der TVN (Biomüll, Sickerwasser etc.) übernommen, das Müllsammeln kommt abschließend ab dem 1.7. 2010 dazu.

Die Neue (Foto: SWN) Die Neue (Foto: SWN) Der Geschäftsführer der Stadtwerke Nordhausen Holding, Mathias Hartung, verwies darauf, dass es darauf ankäme, dauerhafte Bedingungen zu schaffen und dass die Entscheidung der Gesellschafter gegen einen Anbieter aus der freien Wirtschaft zu stabilen Preisen und einer Sicherung und späteren Neuschaffung der Arbeitsplätze in der Region führen solle.

Der Hohensteiner Bürgermeister Martin Höche als einer der Autoren des neuen Gesellschaftsvertrags und Landkreisvertreter meinte, die Zeit sei reif gewesen für eine solche Lösung. Die Problemfelder Wasser, Abwasser und Müll seien wichtige Bereiche des öffentlichen Lebens und letztendlich müssten die Bürgermeister und die Verwaltungen dafür den Kopf hinhalten. Deshalb sei es auch recht und billig, dass sie die Prozesse steuern und kontrollieren können. Und mit den Stadtwerken Nordhausen habe man einen guten und verlässlichen Partner gefunden, mit dem die Zusammenarbeit bisher sehr gut klappt, betonte er.

Stadtwirtschafts-Geschäftsführer Arndt Forberger hob die Erhaltung und Neuschaffung von Arbeitsplätzen für Beschäftigte im Landkreis hervor, die anständig bezahlt würden und so auch den Konsum in der Region stärken könnten. Auf 60 – 70 Mitarbeiter bezifferte er die Anzahl der Menschen, die später für die Süd Harz Werke arbeiten werden.

Angst vor Beschwerden wegen der Inhouse-Lösung sieht Forberger nicht, denn die neue Gesellschaft wird sich auf ganz konkrete Aufgaben konzentrieren und ansonsten keine Konkurrenz zu anderen Müllentsorgern sein. Auch Höche will notfalls um die Inhouse-Variante kämpfen: „ Es kann eventuell Probleme geben, aber das lassen wir uns nicht aus der Hand nehmen.“

Erster Schritt zur neuen Gesellschaft ist die Einführung der blauen Tonne, die von den Stadtwerken schon in den nächsten Wochen bereitgestellt wird. Obwohl die Tonne in Nordhausen grau aussehen wird und lediglich einen blauen Deckel trägt.

Etwa 1.000 t hochwertiges Altpapier sind den lokalen Entsorgern im letzten Jahr verlustig gegangen. Das macht bei den inzwischen auf 1.000 Euro/t hochgeschnellten Weltmarktpreisen schon eine empfindliche Größenordnung aus.

„Die Konkurrenz steht in den Starlöchern“, sagt Arndt Forberger. „Und wir werden mit unserer Tonne vollendete Tatsachen schaffen.“ Über die Ersetzung der blauen Papieriglus an den Sammelstellen wird intensiv nachgedacht. Hierbei kommt noch zunehmend Brandstiftung hinzu, die Extrakosten und vor allem Ärger verursacht.

„Der Spruch ‚Papier ist geduldig’ bekommt jetzt irgendwie eine ganz andere Dimension“, scherzte Martin Höche und alle konnten darüber lachen. Offensichtlich entsteht durch den gemeinsam konzipierten neuen Entsorgungsbetrieb gerade eine neue Qualität der Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Stadt Nordhausen. Es sollte doch möglich sein, diesen Geist auch auf andere Gebiete zu übertragen, oder?
Autor: osch

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