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Alarmsignale statt Trendwende

Freitag, 17. Mai 2002, 15:34 Uhr
Nordhausen (nnz/ihk). Der von der Bundesregierung prognostizierte Aufschwung widerspiegelt sich nicht in den Ergebnissen der aktuellen IHK-Konjunkturanalyse. Mehr zur Analyse der Erfurter IHK in Ihrer nnz.


So ist der Konjunkturklimaindex, welcher sowohl die aktuelle Geschäftslage der Betriebe als auch ihre Erwartungen und Pläne berücksichtigt, seit der letzten Befragung um weitere 14 Punkte abgestürzt. Mit 103 Punkten erreicht die Stimmungslage einen historischen Tiefstand. Lediglich 18 Prozent der Unternehmer beurteilen ihre derzeitige wirtschaftliche Situation mit gut. Dagegen müssen 42 Prozent ihre Stellenpläne weiter nach unten korrigieren und jeder 2. Firmenchef will Investitionen zurückstellen.
Dies sind die ernüchternden Daten der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Erfurt unter 1.064 Thüringer Betrieben. „Die regionale Wirtschaft hat von den verbesserten außenwirtschaftlichen Bedingungen bisher nicht wie erhofft profitiert“, wertet IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser die Ergebnisse. Zwar hätten die Auslandsumsätze der Thüringer Industrie im 1. Quartal diesen Jahres um 3,5 Prozent über dem Vorjahreswert gelegen, jedoch ohne den Rückgang im Inlandsumsatz hinreichend kompensieren zu können.

Fast die Hälfte der befragten Industrieunternehmer würde von einer merklichen Umsatzflaute und einem zu dünnen Auftragspolster berichten. Die daraus resultierende rückläufige Kapazitätsauslastung wirke sich negativ auf die Ertragslage der Betriebe aus. So arbeite jede 3. Firma mit Verlust. „Das derzeitige Konjunkturtief trifft den Thüringer Einzelhandel besonders hart“, betont Grusser. So habe sich die starke Kaufzurückhaltung im 1. Quartal 2002 katastrophal auf die Umsatzentwicklung ausgewirkt und zu einem Minus gegenüber dem Vorjahr von ca. 5 Prozent geführt. Der Branchenindex sei innerhalb der letzten vier Monate im Sturzflug um 43 Punkte auf einen absoluten Tiefpunkt gesunken. Auch in den Zukunftsprognosen wäre der Einzelhandel angesichts hoher Arbeitslosigkeit und verunsicherter Verbraucher überwiegend pessimistisch.

Die Hiobsbotschaften aus dem Baugewerbe nehmen kein Ende. Nur 12 Prozent der befragten Firmen arbeiteten mit Gewinn; 69 Prozent müssten Personal abbauen. Auch die Ergebnisse im Gastgewerbe und im Verkehr würden das Konjunkturbild weiter verfinstern. Fast jede zweite Firma schreibe „rote Zahlen“, klage über Umsatzeinbußen und blicke dementsprechend skeptisch in die Zukunft. Die aktuellen Forderungen der Wirtschaft an die Regierung sind die alten: weniger Steuern und Sozialabgaben sowie mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt.
Autor: nnz

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