Paukenschlag im Südharz
Dienstag, 01. April 2008, 17:15 Uhr
Anfang Juni soll es einen sozialdemokratischen Parteitag in diesem Freistaat geben. Die Genossen, sonst eher traditionsbewußt, haben sich das moderne Kongresszentrum der Erfurter Messe dazu auserkoren. Der Landesvorstand soll gewählt werden. Kandidaten werden selbst im Südharz in Stellung gebracht...
Neubauten haben immer wieder den Charme des Neuen, zugleich auch des Kalten. Und genau so will es SPD-Vorsteher Christoph Matschie denn auch verstanden wissen. Es geht nach vorn, es geht zu neuen Ufern. Matschie bestimmt – mit dem Mitgliedervotum im Rücken – wo das Ufer ist. Vor allem wird er der freistaatlichen Sozialdemokratie sagen, wo vorn ist: Wo ich stehe!
Das, was selbst die Rolandstädter Basis im Vorfeld des fahrenden Matschie-Dewes-Zirkusses schon ahnten, wird eintreten: Das Hauen und Stechen der Verlierer und Gewinner geht weiter. Aufräumen ist angesagt, immer begleitet mit einem süffisanten Lächeln des Vorstehers Matschie. Wie ausgeprägt dessen Geltungsbedürfnis ist, macht ein Blick auf die Internetseite der Thüringer SPD deutlich: Matschie mit Luftballons beim Volksbegehren, Matschies Kolumne, Matschie kommt zur Sache! Die letzten fünf Nachrichten im Archiv haben Christoph Matschie in der Schlagzeile.
Was also wäre eine Thüringer SPD ohne den gelernten Pfarrer? Nichts! Andere zählen kaum, außer: Sie werden gebraucht. Für die Macht des Christoph Matschie. Und da wird auch die Rolandstadt gebraucht.
So zusagen über die Umgehung Sondershausen kam denn auch der Wunsch des Vorsitzenden nach Nordhausen, man möge die ungeliebte Rebellin Dagmar Becker vernichtend schlagen. Und da wird das prominenteste SPD-Mitglied südlich des Poppenbergturms aufgeboten: Oberbürgermeisterin Barbara Rinke.
Rinke, der Parteipolitik seit Jahren scheinbar überdrüssig, will sich jetzt dem Geschicke des Landes Thüringen widmen. Mehr als bisher. In der vergangenen Woche dann der Paukenschlag per Beschluß des Ortsvereins Nordhausen. Dessen Vorstand hatte in nichtöffentlicher Sitzung Barbara Rinke für eine Kandidatur in den Landesvorstand nominiert. Nicht einstimmig, aber mehrheitlich, wie der Nordhäuser SPD-Chef Andreas Wieninger der nnz auf Nachfrage bestätigte. Wieninger weiß um die politische Tragweite, weiß auch um die Wirkung auf den ländlichen Rest seiner Partei. Deshalb schiebt er sofort hinterher: Von dieser Entscheidung des Ortsvorstandes unberührt bleibt die Nominierung von Dagmar Becker für den Landesvorstand. Wer will, der kann als Delegierter natürlich seine Kreuze hinter den Namen der beiden Damen machen.
Barbara Rinke hat am Vormittag noch geschwiegen. Nur soviel war der einstigen stellvertretenden Landesvorsitzenden zu entlocken: Ich werde mich diesem Auftrag nicht entziehen, das bin ich der SPD schuldig. Ich will mich noch mal einbringen. Ganz klar will ich sagen, daß es nicht gegen Dagmar Becker geht!
Was Rinke nicht sagt, ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Soll nämlich der partei-allgegenwärtige und vom normalen Wahlvolk nicht allzu sehr registrierte Christoph Matschie das Saubermachen der Landes-SPD mit hochnotpeinlicher Gründlichkeit betreiben und seinen Widersachern per Parteitagsbeschluß Lebewohl sagen, dann wäre wenigstens mit Barbara Rinke ein Vertreter der Nordhäuser Region im Landesvorstand dieser Volkspartei vertreten.
Jetzt soll eiligst eine Mitgliedervollversammlung im Landkreis Nordhausen vorbereitet werden. Das sei Beschlußlage des Kreisvorstandes, konstatiert Andreas Wieninger. Glaubt man der Gerüchteküche der Nordhäuser Sozialdemokratie, so könnte gerade der Parteisoldat Wieninger erneut Opfer weiblicher Strategien sein. Bei der Aufstellung für den Landtagskandidaten 2004 scheiterte Wieninger am Kandidaten Breitrück, der von Dagmar Becker ins Feld geführt worden war. Jetzt bringt er vermutlich das Opfer für Barbara Rinke. Irgendwann einmal, so ticken die Uhren der Parteiaktivisten, wird dieses Opfertum aber auch mal belohnt. Fragt sich nur, ob im nächsten Jahr oder drei Jahre später?
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzNeubauten haben immer wieder den Charme des Neuen, zugleich auch des Kalten. Und genau so will es SPD-Vorsteher Christoph Matschie denn auch verstanden wissen. Es geht nach vorn, es geht zu neuen Ufern. Matschie bestimmt – mit dem Mitgliedervotum im Rücken – wo das Ufer ist. Vor allem wird er der freistaatlichen Sozialdemokratie sagen, wo vorn ist: Wo ich stehe!
Das, was selbst die Rolandstädter Basis im Vorfeld des fahrenden Matschie-Dewes-Zirkusses schon ahnten, wird eintreten: Das Hauen und Stechen der Verlierer und Gewinner geht weiter. Aufräumen ist angesagt, immer begleitet mit einem süffisanten Lächeln des Vorstehers Matschie. Wie ausgeprägt dessen Geltungsbedürfnis ist, macht ein Blick auf die Internetseite der Thüringer SPD deutlich: Matschie mit Luftballons beim Volksbegehren, Matschies Kolumne, Matschie kommt zur Sache! Die letzten fünf Nachrichten im Archiv haben Christoph Matschie in der Schlagzeile.
Was also wäre eine Thüringer SPD ohne den gelernten Pfarrer? Nichts! Andere zählen kaum, außer: Sie werden gebraucht. Für die Macht des Christoph Matschie. Und da wird auch die Rolandstadt gebraucht.
So zusagen über die Umgehung Sondershausen kam denn auch der Wunsch des Vorsitzenden nach Nordhausen, man möge die ungeliebte Rebellin Dagmar Becker vernichtend schlagen. Und da wird das prominenteste SPD-Mitglied südlich des Poppenbergturms aufgeboten: Oberbürgermeisterin Barbara Rinke.
Rinke, der Parteipolitik seit Jahren scheinbar überdrüssig, will sich jetzt dem Geschicke des Landes Thüringen widmen. Mehr als bisher. In der vergangenen Woche dann der Paukenschlag per Beschluß des Ortsvereins Nordhausen. Dessen Vorstand hatte in nichtöffentlicher Sitzung Barbara Rinke für eine Kandidatur in den Landesvorstand nominiert. Nicht einstimmig, aber mehrheitlich, wie der Nordhäuser SPD-Chef Andreas Wieninger der nnz auf Nachfrage bestätigte. Wieninger weiß um die politische Tragweite, weiß auch um die Wirkung auf den ländlichen Rest seiner Partei. Deshalb schiebt er sofort hinterher: Von dieser Entscheidung des Ortsvorstandes unberührt bleibt die Nominierung von Dagmar Becker für den Landesvorstand. Wer will, der kann als Delegierter natürlich seine Kreuze hinter den Namen der beiden Damen machen.
Barbara Rinke hat am Vormittag noch geschwiegen. Nur soviel war der einstigen stellvertretenden Landesvorsitzenden zu entlocken: Ich werde mich diesem Auftrag nicht entziehen, das bin ich der SPD schuldig. Ich will mich noch mal einbringen. Ganz klar will ich sagen, daß es nicht gegen Dagmar Becker geht!
Was Rinke nicht sagt, ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Soll nämlich der partei-allgegenwärtige und vom normalen Wahlvolk nicht allzu sehr registrierte Christoph Matschie das Saubermachen der Landes-SPD mit hochnotpeinlicher Gründlichkeit betreiben und seinen Widersachern per Parteitagsbeschluß Lebewohl sagen, dann wäre wenigstens mit Barbara Rinke ein Vertreter der Nordhäuser Region im Landesvorstand dieser Volkspartei vertreten.
Jetzt soll eiligst eine Mitgliedervollversammlung im Landkreis Nordhausen vorbereitet werden. Das sei Beschlußlage des Kreisvorstandes, konstatiert Andreas Wieninger. Glaubt man der Gerüchteküche der Nordhäuser Sozialdemokratie, so könnte gerade der Parteisoldat Wieninger erneut Opfer weiblicher Strategien sein. Bei der Aufstellung für den Landtagskandidaten 2004 scheiterte Wieninger am Kandidaten Breitrück, der von Dagmar Becker ins Feld geführt worden war. Jetzt bringt er vermutlich das Opfer für Barbara Rinke. Irgendwann einmal, so ticken die Uhren der Parteiaktivisten, wird dieses Opfertum aber auch mal belohnt. Fragt sich nur, ob im nächsten Jahr oder drei Jahre später?
Peter-Stefan Greiner
