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Mit dem Computer auf den Brocken

Donnerstag, 16. Mai 2002, 14:23 Uhr
Nordhausen (nnz). "Fahren Sie einen Sonderzug mit Fahrgästen zur Walpurgisfeier auf den Brocken". Oder: "Fahren Sie bei Sonnenaufgang in Wernigerode ab, um ihren Personenzug bis nach Nordhausen zu bringen." So lauten seit Anfang Mai Befehle auf Computern vieler Eisenbahnfans...


Möglich macht dies ein Zusatzprogramm (Add-on) zum Eisenbahn Simulationsprogramm "Train Simulator". In dem Add-on sind diese und andere der Realität entsprechende Aufgaben und Missionen zu lösen. Die authentische, der jeweiligen Fahrtstrecke angepasste Geräuschkulisse ruft nicht nur bei Eisenbahnfans Vergnügen hervor. Allerdings sind in dem Grundprogramm nur einige Bahnstrecken enthalten, die schnell bewältigt sind. Deshalb kam vergangenes Jahr ein Österreicher mit seinen Freunden auf die Idee, eine zusätzliche Simulation mit der Harzquerbahn zu erstellen. Nun fragt man sich natürlich, warum ein Österreicher eine deutsche Mittelgebirgsstrecke bauen wollte.

Die Frage ist schnell beantwortet: Der Österreicher Nick Aust (E-Mail: n.aust@aon.at) ist gebürtiger Hannoveraner und hat viele Jahre in Clausthal-Zellerfeld gelebt und studiert. "Ich kannte die Harzquer- und Brockenbahn vor der Grenzöffnung leider nur aus Büchern", sagte Nick Aust, der nach 1989 zahllose Foto-Touren in den östlichen Teil des Harzes unternahm und die Selketal- und eben auch die Harzquer- und Brockenbahn auf unzähligen Fotos verewigte. Im Sommer 2001 hat er das Programm "Train Simulator" kennen gelernt und war von der Simulation, besonders wegen der Möglichkeit auch Landschaften einigermaßen ansprechend gestalten zu können, begeistert. "Die dem Train Simulator mitgelieferten Strecken waren bald abgefahren und ich begann selbst eine Strecke zu bauen. Und welche lag da näher als die Harzquer- und Brockenbahn, von der ich zahlreiche Gleispläne besitze.", fügte Nick Aust hinzu. Die Erstellung der Simulation hat etwa ein halbes Jahr gedauert.

Die Simulation setzt aber auch in anderer Hinsicht Zeichen: Neben der Harzquer-, Brocken und Teilen der Selketalbahn sind auch weite Teile der historischen Strecken der Südharzeisenbahn (Braunlage-Tanne, Stand 1925) und der Halberstädter-Blankenburger-Eisenbahn (Tanne/Drei Annen Hohne - Elbingerode West, Stand 1915) enthalten, die heute nicht mehr existieren.

Während sich viele Programmier für zusätzliche Simulationserstellungen bezahlen lassen, stellt Nick Aust sein Zusatzprogramm kostenlos zur Verfügung. Das zusätzliche Programm steht im Internet zum Herunterladen bereit. Weitere Informationen und Bilder gibt es hier.

Für die Zukunft ist auch eine Erweiterung der Strecke geplant: Die Südharzeisenbahn soll bis Walkenried vervollständigt werden, außerdem soll sich die Selketalbahn, die jetzt nur bis Friedrichshöhe reicht, bis Gernrode bzw. Harzgerode anschließen. Im Zuge dieser Erweiterung der Strecke wird Nick Aust auch Details an der bestehenden Strecke, insbesondere im Raum Nordhausen vornehmen.

Der Sprecher der Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz", Burkhard Breme, der das Zusatzprogramm schon getestet hat, meint dazu begeistert: "Es gibt kaum bessere Projekte, die zum einen die historischen Eisenbahnstrecken so eindrucksvoll aufzeigen und gleichzeitig solch ein positives Image für die gesamte Harzregion vermitteln." Nach Meinung von Burkhard Breme, verdiene Herrn Aust von allen Harzern die volle Unterstützung für die Fortführung des Projektes.
Autor: nnz

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