nnz-Betrachtung: Alles nur Theater?
Dienstag, 14. Mai 2002, 13:07 Uhr
Nordhausen (nnz). Das Nordhäuser Theater macht mobil. Schreckliche Szenarien werden projiziert, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit werden sie an den Mann oder an die Frau gebracht. Dazu eine nnz-Betrachtung.
Ich kenne viele Unternehmen im Landkreis Nordhausen, denen es nicht gut geht, wirtschaftlich gesehen. Die Arbeitnehmer warten teilweise monatelang auf Gehälter und Löhne. Viele von ihnen haben Familien zu Hause, die ernährt werden müssen. Und trotzdem: Sie verzichten auch auf ihnen zustehende Leistungen, in der Hoffnung, mit Verzicht ihren Arbeitsplatz erhalten zu können. Das, liebe Mitarbeiter des Nordhäuser Theaters, erst einmal als Vorrede.
Dem Theater geht es schlecht? Standen etwa in den zurückliegenden Monaten Gehaltszahlungen aus? Mußte etwa auf ein 13. Monatsgehalt verzichtet werden? Da wachen Verbände und Gewerkschaften, das dies nicht passiert. Vielleicht sollten die Theaterleute aus ihrer Welt ausbrechen? Vielleicht sollten sie es auch nur mal versuchen, statt jede Möglichkeit zur Selbstdarstellung zu nutzen. Immer und immer wieder wird in Richtung der Gesellschafter geschossen, mal verdeckt, mal offen. Die aber geben und geben und geben, für den Theaterbetrieb anscheinend zu wenig. Zu wenig sind die über zwei Millionen Euro aus dem Nordhäuser Stadtsäckel. In Richtung Landeshauptstadt hörte man bislang in den Verlautbarungen nichts. Nicht nur die vier kommunalen Gesellschafter sind in der Pflicht, auch die Landesregierung gehörte und gehört ins Boot der Finanzierung.
Wo, verdammt noch mal, soll eine Stadt wie Nordhausen mehr Geld für das Theater herholen? Wünschenswert wären vielleicht einige Vorschläge aus dem Kunsthaus. Soll Geld bei den Kindertagesstätten eingespart werden? Sollen die Zuschüsse für die Schulspeisung reduziert werden? Sollen die Fahrpreise bei der Straßenbahn erhöht werden? Sollen die Gehälter in den Verwaltungen oder städtischen Betrieben gekürzt werden? Warum haben Geschäftsleitung oder Betriebsrat des Theaters noch keine Vorschläge unterbreitet? Sie befinden sich doch mittendrin in diesem kommunalen Gefüge. Oder doch in einer eigenen Welt?
Die Geschichte des Theaters und des Geldes ist fast unendlich. Immer wieder wurde eine Lösung gefunden. Möglich wurde die aber nur durch vertrauensvolle Gespräche zwischen Gesellschaftern, Aufsichtsrat und den Verantwortlichen an der Nordhäuser Promenade. Gerade aber dieses Vertrauensverhältnis ist in diesen Tagen gestört. Zwischen den Zeilen in den offiziellen Verlautbarungen ist dies zu lesen. In den inoffiziellen Gesprächen werden schärfere Töne angeschlagen. Die Theatermacher und leiter sollten wissen, dass ihr Haus in den Kreistagen oder Stadträten nicht nur Sympathisanten hat. Auch die Nicht-Befürworter des Musentempels haben eine Lobby, durch Auftritte wie gestern (1075-Jahr-Feier) oder vor der Evita-Premiere wird dieses Lager nicht kleiner. Anfang der 90er Jahre wurde die Diskussion um die Theaterfinanzierung in der damaligen Stadtverordnetenversammlung mal auf den Punkt gebracht: Theater oder Straßenbahn - Was wollen die Nordhäuser? Diese Schärfe ist (noch) nicht erreicht.
Ich kaufe es dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Klaus Wahlbuhl, ab, wenn er für das Haus mit einer Mikado-Taktik kämpfen will. Doch hinter sich muß er eine Einheit wissen, keine zerstreuten, von egoistischen Zielen durchsetzte Häuflein, die ihre eigenen Fronten aufmachen wollen und darin noch bestärkt werden. Auch das sollten die Theaterleute in dieser und vielleicht auch in jeder anderen Stadt wissen: Ein Musentempel ist nicht der Mittelpunkt der kommunalen Welt, ist nicht der Dreh- und Angelpunkt für die mehr als 45.000 Nordhäuser. Er ist für Nordhausen zwar immens wichtig, die Stadt lebt jedoch auch ohne ihn oder vielleicht nur mit Teilen von ihm weiter. Schade wäre es allerdings, wenn es soweit kommen würde.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzIch kenne viele Unternehmen im Landkreis Nordhausen, denen es nicht gut geht, wirtschaftlich gesehen. Die Arbeitnehmer warten teilweise monatelang auf Gehälter und Löhne. Viele von ihnen haben Familien zu Hause, die ernährt werden müssen. Und trotzdem: Sie verzichten auch auf ihnen zustehende Leistungen, in der Hoffnung, mit Verzicht ihren Arbeitsplatz erhalten zu können. Das, liebe Mitarbeiter des Nordhäuser Theaters, erst einmal als Vorrede.
Dem Theater geht es schlecht? Standen etwa in den zurückliegenden Monaten Gehaltszahlungen aus? Mußte etwa auf ein 13. Monatsgehalt verzichtet werden? Da wachen Verbände und Gewerkschaften, das dies nicht passiert. Vielleicht sollten die Theaterleute aus ihrer Welt ausbrechen? Vielleicht sollten sie es auch nur mal versuchen, statt jede Möglichkeit zur Selbstdarstellung zu nutzen. Immer und immer wieder wird in Richtung der Gesellschafter geschossen, mal verdeckt, mal offen. Die aber geben und geben und geben, für den Theaterbetrieb anscheinend zu wenig. Zu wenig sind die über zwei Millionen Euro aus dem Nordhäuser Stadtsäckel. In Richtung Landeshauptstadt hörte man bislang in den Verlautbarungen nichts. Nicht nur die vier kommunalen Gesellschafter sind in der Pflicht, auch die Landesregierung gehörte und gehört ins Boot der Finanzierung.
Wo, verdammt noch mal, soll eine Stadt wie Nordhausen mehr Geld für das Theater herholen? Wünschenswert wären vielleicht einige Vorschläge aus dem Kunsthaus. Soll Geld bei den Kindertagesstätten eingespart werden? Sollen die Zuschüsse für die Schulspeisung reduziert werden? Sollen die Fahrpreise bei der Straßenbahn erhöht werden? Sollen die Gehälter in den Verwaltungen oder städtischen Betrieben gekürzt werden? Warum haben Geschäftsleitung oder Betriebsrat des Theaters noch keine Vorschläge unterbreitet? Sie befinden sich doch mittendrin in diesem kommunalen Gefüge. Oder doch in einer eigenen Welt?
Die Geschichte des Theaters und des Geldes ist fast unendlich. Immer wieder wurde eine Lösung gefunden. Möglich wurde die aber nur durch vertrauensvolle Gespräche zwischen Gesellschaftern, Aufsichtsrat und den Verantwortlichen an der Nordhäuser Promenade. Gerade aber dieses Vertrauensverhältnis ist in diesen Tagen gestört. Zwischen den Zeilen in den offiziellen Verlautbarungen ist dies zu lesen. In den inoffiziellen Gesprächen werden schärfere Töne angeschlagen. Die Theatermacher und leiter sollten wissen, dass ihr Haus in den Kreistagen oder Stadträten nicht nur Sympathisanten hat. Auch die Nicht-Befürworter des Musentempels haben eine Lobby, durch Auftritte wie gestern (1075-Jahr-Feier) oder vor der Evita-Premiere wird dieses Lager nicht kleiner. Anfang der 90er Jahre wurde die Diskussion um die Theaterfinanzierung in der damaligen Stadtverordnetenversammlung mal auf den Punkt gebracht: Theater oder Straßenbahn - Was wollen die Nordhäuser? Diese Schärfe ist (noch) nicht erreicht.
Ich kaufe es dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Klaus Wahlbuhl, ab, wenn er für das Haus mit einer Mikado-Taktik kämpfen will. Doch hinter sich muß er eine Einheit wissen, keine zerstreuten, von egoistischen Zielen durchsetzte Häuflein, die ihre eigenen Fronten aufmachen wollen und darin noch bestärkt werden. Auch das sollten die Theaterleute in dieser und vielleicht auch in jeder anderen Stadt wissen: Ein Musentempel ist nicht der Mittelpunkt der kommunalen Welt, ist nicht der Dreh- und Angelpunkt für die mehr als 45.000 Nordhäuser. Er ist für Nordhausen zwar immens wichtig, die Stadt lebt jedoch auch ohne ihn oder vielleicht nur mit Teilen von ihm weiter. Schade wäre es allerdings, wenn es soweit kommen würde.
Peter-Stefan Greiner
