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Neue Informationssysteme für Dora

Mittwoch, 12. März 2008, 17:00 Uhr
Nordhausen (nnz). Erst seit gut einer Woche weisen neue Hinweisschilder den Besuchern der KZ-Gedenkstätte den Weg und machen interessante Informationen zugänglich. Damit ist die Erschließung des Geländes aber noch nicht vorbei.

65.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr in die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Es waren rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Die neue Ausstellung stößt auf reges Interesse. Auch die Sonderschauen tragen dazu bei. In anderen Gedenkstätten geht die Zahl der Gäste eher zurück. „Die große Zeit der Erinnerung an die NS-Zeit ist vorbei. Sie lag Ende der 1990er Jahre.“ Berichtete Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner. Ihn freut, daß zahlreiche Besuchergruppen in die Gedenkstätte kommen. Schüler beteiligen sich rege an Projekttagen oder –wochen. Die meisten Besucher werden von den Berichten der Zeitzeugen beeindruckt. Deswegen wird diesen auch viel Raum auf den neuen mannshohen Informationstafeln eingeräumt.

Ein Multimediaguide in deutscher und englischer Sprache vermittelt zusätzliches Wissen. Es können auf den handlichen Geräten historische Fotos angesehen werden. Informationen zur Gedenkstätte sind akustisch abzurufen, ebenso Häftlingsberichte, die aber von einem Schauspieler vorgelesen werden. Die 30 Geräte werden sehr gut angenommen, da sie die Materialien auf den Aufstellern vertiefen. Nur in den Stollen kommt man allein mit dem Gerät nicht hinein. Wer ihn von innen sehen möchte, muß sich einer Führung mit einem Gedenkstättenmitarbeiter anschließen.

Erfolgreich lief der Onlinekatalog mit Fundstücken an. Nicht nur deswegen klicken täglich etwa 400 Personen auf die Homepage der Gedenkstätte. Ein weiteres, vorerst auf ein Jahr angelegtes Projekt ist die Erstellung einer Online-Fotodatenbank. Jens-Christian Wagner profitiert von den guten Erfahrungen, welche die Gedenkstätte Buchenwald damit gemacht hat. Die Fotos sind jedoch nicht zur freien Verwendung bestimmt. Anders verhält es sich bei den historischen Filmaufnahmen der Amerikaner. Diese sind frei zugänglich. Wer sich dafür interessiert, kann bei der Gedenkstätte anfragen und eine Kopie erwerben.

Neben dem Buch „Zwangsarbeit im Nationalsozialismus und die Rolle der Justiz“, welches in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule entstanden ist, ist auch ein Begleitbuch zur Ausstellung neu im Schriftensortiment der Gedenkstätte. Es ist mehr als ein Katalog. Zu finden sind zusätzlich Informationen zur Geschichte der Gedenkstätte selbst, zudem zahlreiche Biographien von Tätern und Opfern, darunter auch Albert Kuntz.

Die jährliche Gedenkfeier findet diesmal schon am 10. April statt. Um 11 Uhr wird ein aus Kroatien stammender Überlebender berichten. Am nachmittag findet um 15 Uhr eine Veranstaltung im Außenlager Ellrich Juliushütte statt. Der Gedenkstättenleiter ist begeistert von der guten Zusammenarbeit Ellrichs mit der Gedenkstätte. Unterstützt wird sie finanziell vor allem von französischen Häftlingen, die 30.000 Euro gesammelt haben.

Gegenüber den ehemaligen Häftlingen haben sich die Nordhäuser stets großzügig gezeigt. Mittels Spenden konnte den Männern ein mehrtägiger Aufenthalt finanziert werden. Ärzte untersuchten die Überlebenden kostenlos. Zudem werden Brillen und Medikamente gespendet. Da die Gedenkstätte selber kein Geld hat die Häftlinge einzuladen, bittet Jens-Christian Wagner wieder um Spenden.

Im Sommer ist wieder ein Workcamp geplant, was gemeinsam mit „Jugend für Dora“ durchgeführt wird. Bis dahin kann man sich in einer Sonderschau vom 10. April bis 30.August „Bilder der Befreiung“ ansehen. Am 07. Mai wird Toralf Staud aus seinem Buch über moderne Nazis lesen. Vom 29. bis 31. Mai findet ein bundesweites Gedenkstättenseminar statt, bei dem rund 100 Teilnehmer erwartet werden.
Autor: wf

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