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nnz-Forum: Was Nordhausen braucht

Dienstag, 11. März 2008, 13:41 Uhr
In die Diskussion um den Nordhäuser Einzelhandel und die verkaufsoffenen Sonntage bringt sich ein Leser der nnz ein, der seine eigenen Erfahrungen mit der Einzelhandelspolitik in der Rolandstadt gemacht hat.


Es ist schon recht lustig, als Außenstehender Kritik an den Nordhäuser Einzelhändlern aus dem Rathaus zu vernehmen. Besonders schätze ich Ratschläge von Leuten in gut dotierten und gesicherten Positionen, die nie im Leben auch nur einen Pfennig für eine eigene, selbständige Existenz aufbringen mussten.

Da hat ja Frau Klaan nun wenigstens an einem Sonntag bemerkt, dass im ehemals traditionellen Stadtzentrum um das Rathaus und in der Altstadt „tote Hose“ herrscht. Vielleicht wäre sie mit einem Besuch des von ihrem Amtsvorgänger protegierten neuen Zentrums rund um die Südharz-Galerie besser beraten gewesen. Dass dieses neue Zentrum dem Rest der Stadt in Bezug auf die Einzelhandelsstruktur das Leben aushaucht, ergab schon Anfang der 90er Jahre eine Einzelhandelsstudie der BBE-Unternehmensberatung Köln die damals dem Stadtrat vorgetragen wurde.

Das prophezeite Ergebnis dieser, vom damaligen Baudezernenten Beyse vollständig unbeachteten Studie, ist die sich heute darstellende Einzel-handelssituation, die die verbliebenen Geschäftsleute ausbaden müssen.

Vielleicht haben diese, oftmals ohne Mitarbeiter tätigen Geschäftsinhaber einfach mal das Bedürfnis, die tägliche Selbstausbeutung zur Bedienung von Krediten und Zahlung von überhöhten Gewerberaummieten zu unterbrechen. Man ist, glaube ich auch froh, wenn man an einem Tag der Woche mal keine Schnäppchenjäger erleben muss. Und während man auf der faulen Haut liegt, kann man sich wenigstens ungestört darüber Gedanken machen, wovon man die fälligen Rechnungen bezahlt.

Das alles kann ja Frau Klaan nicht wissen. Verzeihen wir es ihr, denn sie macht ihre Arbeit bestimmt so gut wie sie kann. Drücken wir ihr die Daumen, dass sie die gewaltige Aufgabe des Jahrzehnte-Bauwerks am Nordhäuser Pferdemarkt meistert. Dann hat nämlich Nordhausen endlich sein „bipolares Zentrum“ und dann ist rund um das Rathaus richtig was los.

Liebe Frau Klaan, Nordhausen braucht weder verlängerte Öffnungszeiten oder gar verkaufsoffene Sonntage und schon gar nicht noch mehr Verkaufsflächen, sondern Menschen mit einem vernünftigen Einkommen, die dann auch einkaufen können. Daran sollten Sie als Wirtschaftsdezernentin zuerst denken.
Frank Müller, Sasbach, ehem. Lederwaren-Müller
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Autor: nnz

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