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nnz-Forum: Kritik an der Kritik

Dienstag, 11. März 2008, 07:19 Uhr
Inge Klaan (CDU), ihres Zeichens Nordhäuser Bau- und Wirtschaftsdezernentin, hatte Kritik am Verhalten einzelner Einzelhändler zum verkaufsoffenen Sonntag geäußert. Hier das Statement eines nnz-Lesers...


Das waren ungewöhnlich deutliche Worte, die die Nordhäuser Einzelhändler, welche zum verkaufsoffenen Sonntag ihre Läden geschlossen hielten, von der Wirtschaftsdezernentin Frau Klaan (CDU) in der nnz vernahmen: „Erhöht sich ... die Bereitschaft der Händler künftig nicht, Nordhausen geschlossen als `Einkaufsstadt´ an solchen Sonntagen zu präsentieren, werden wir als Stadtverwaltung uns vor allem finanziell nicht mehr in jenem Maße engagieren können wie es bisher der Fall war“. Bei aller gebotenen Freundlichkeit, sehr geehrte Frau Klaan, was soll denn das? Zwangskollektivierung, Kollektivhaftung? Wollen wir es nicht den Händlern überlassen, ob sie sich für eine Teilnahme am verkaufsoffenen Sonntag engagieren oder nicht?

Mir ist nicht bekannt, dass es sich hierbei um eine gesetzliche Pflichtveranstaltung handelt. Der Unternehmer weiß wohl am besten, was für ihn wirtschaftlich sinnvoll ist und was nicht. Das können, in aller Bescheidenheit, weder das Rathaus noch die Weisheit der Frau Klaan entscheiden. Die Händler, vor allem die kleinen Familienunternehmen, leisten mit ihrer Arbeit viel für die Attraktivität unserer Innenstadt.

Ich weiß nicht, ob es für Frau Klaan, die die soziale Absicherung einer Wahlbeamtin genießt, vielleicht schwer vorstellbar ist, dass für einen hart arbeitenden Händler und seine Beschäftigten der Sonntag mit der Familie als einzig freier Tag der Woche mehr wert sein könnte als ein abzusehendes Verlustgeschäft. Ich würde diese Entscheidung jedem selbst überlassen. Den Gewerbetreibenden jetzt zu drohen, entweder sie machten kollektiv mit oder aber sie würden ebenso kollektiv bestraft, das klingt mir doch sehr nach einem Denken aus längst vergangenen Zeiten.

Die Resonanz des verkaufsoffenen Sonntags war für die städtische Wirtschaftsdezernentin unbefriedigend. Das ist die Quintessenz aus der Mitteilung der nnz. Aber die Verantwortung für den scheinbaren Misserfolg den Händlern und Unternehmern in die Schuhe zu schieben, damit macht es sich Frau Klaan zu einfach. Es bleibt der fade Beigeschmack einer unschönen Überheblichkeit: selbst habe man in der Verwaltung alles getan, den Sonntag zum Erfolg zu verhelfen, aber die Gewerbetreibenden spielen nicht mit und liegen lieber auf ihrer faulen Haut.

Frau Klaan verkennt hier meines Erachtens ihre Aufgabe. Ihr Amt ist es, für die positive Gestaltung der Rahmenbedingungen einer florierenden Wirtschaft der Stadt zu sorgen und nicht für die Erziehung der Händler, was diese zu tun oder zu lassen haben. Dafür haben wir Gesetze und Verordnungen genug. Vielleicht sollte Frau Klaan zuvorderst mit ihrem Stab in Klausur gehen, erst einmal die eigenen vorhandenen Leistungen, Stärken und Schwächen analysieren, um danach mit vernünftigen Vorschlägen die Öffentlichkeit und den Dialog suchen. Das kommt garantiert besser bei den Betroffenen an als markigen Worte, die schon gefährlich nach einer Drohung klingen.
Klaus-Uwe Koch, Mitglied der FDP, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
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Autor: nnz

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