Thermisch, biologisch oder logistisch?
Dienstag, 30. April 2002, 11:44 Uhr
Mühlhausen/Nordhausen (nnz). Im Herbst dieses Jahres soll die Leistungsvergabe für die Behandlung des Nordthüringer Restabfalls in Sack und Tüten sein. Da liegt vor dem Zweckverband Abfallwirtschaft Nordthüringen (ZAN) noch viel Arbeit...
Gestern saßen die Verbandsräte wieder einmal in Mühlhausen zusammen und ließen sich über den Fortgang des Ausschreibungsverfahrens informieren. Das muß - so schreiben es die entsprechenden Vergabeordnungen vor - hinter verschlossenen Türen geschehen. Letztlich geht es hierbei um Investitionen in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe. Noch interessanter ist für die bietenden Unternehmen allerdings die zeitliche Sicherheit. Wer den Zuschlag erhält, der kann sich über 15 Jahre seiner Arbeit sicher sein - Müll fällt schließlich immer an. Wie lukrativ das Geschäft mit dem Nordthüringer Abfall ist, das sollen folgende Zahlen belegen. Nach nnz-Informationen wird von einem Dienstleistungsvolumen in Höhe von 150 Millionen Euro ausgegangen, 25 Millionen Euro würde eine mechanisch-biologische Anlage kosten, die thermische Verwertung des Restmülls liegt noch darüber.
Der ZAN soll mittlerweile zehn Bieter aufgefordert haben, ihre konkreten Angebote zum machen, nicht alle sollen auf die ZAN-Offerte reagiert haben. Nach deren Vorlage wird ausgewertet, zwischendurch gibt es sogenannte Aufklärungsgespräche. Bereits in dieser Phase der Verhandlungen könnte es schon zu einer Einengung der Bieterzahl kommen, muß aber nicht zwingend sein.
Neben den beiden technischen Variante der Abfallbehandlung (mechanisch-biologisch und thermisch) ist den Ausschreibungsunterlagen zufolge auch eine logistische machbar. Die jährlich geplanten 100.000 Tonnen Abfall könnten aus Nordthüringen einfach abtransportiert und in anderen Bundesländern behandelt werden. Dort gibt es jede Menge freie Kapazitäten, vor allen in nicht ausgelasteten thermischen Anlagen. Letztlich wird eine Entscheidung der Zweckverbandes von den preislichen Vorstellungen der Bieter abhängen.
Gegen den Müll-Export hatte sich in den zurückliegenden Monaten vor allem der Landkreis Nordhausen ausgesprochen, war im ZAN aber demokratisch gescheitert. Sollte ab dem 1. Juni 2005 der Abfall aus Nordthüringen exportiert werden, dann wird es massive finanzielle Probleme mit der Deponie in Nentzelsrode geben. Faktisch würde der Landkreis Nordhausen für seine beispielhafte Abfallpolitik der zurückliegenden Jahre bestraft werden. Da helfen auch Zusagen des Landes wenig, sich an diesen Kosten zu beteiligen.
Autor: nnzGestern saßen die Verbandsräte wieder einmal in Mühlhausen zusammen und ließen sich über den Fortgang des Ausschreibungsverfahrens informieren. Das muß - so schreiben es die entsprechenden Vergabeordnungen vor - hinter verschlossenen Türen geschehen. Letztlich geht es hierbei um Investitionen in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe. Noch interessanter ist für die bietenden Unternehmen allerdings die zeitliche Sicherheit. Wer den Zuschlag erhält, der kann sich über 15 Jahre seiner Arbeit sicher sein - Müll fällt schließlich immer an. Wie lukrativ das Geschäft mit dem Nordthüringer Abfall ist, das sollen folgende Zahlen belegen. Nach nnz-Informationen wird von einem Dienstleistungsvolumen in Höhe von 150 Millionen Euro ausgegangen, 25 Millionen Euro würde eine mechanisch-biologische Anlage kosten, die thermische Verwertung des Restmülls liegt noch darüber.
Der ZAN soll mittlerweile zehn Bieter aufgefordert haben, ihre konkreten Angebote zum machen, nicht alle sollen auf die ZAN-Offerte reagiert haben. Nach deren Vorlage wird ausgewertet, zwischendurch gibt es sogenannte Aufklärungsgespräche. Bereits in dieser Phase der Verhandlungen könnte es schon zu einer Einengung der Bieterzahl kommen, muß aber nicht zwingend sein.
Neben den beiden technischen Variante der Abfallbehandlung (mechanisch-biologisch und thermisch) ist den Ausschreibungsunterlagen zufolge auch eine logistische machbar. Die jährlich geplanten 100.000 Tonnen Abfall könnten aus Nordthüringen einfach abtransportiert und in anderen Bundesländern behandelt werden. Dort gibt es jede Menge freie Kapazitäten, vor allen in nicht ausgelasteten thermischen Anlagen. Letztlich wird eine Entscheidung der Zweckverbandes von den preislichen Vorstellungen der Bieter abhängen.
Gegen den Müll-Export hatte sich in den zurückliegenden Monaten vor allem der Landkreis Nordhausen ausgesprochen, war im ZAN aber demokratisch gescheitert. Sollte ab dem 1. Juni 2005 der Abfall aus Nordthüringen exportiert werden, dann wird es massive finanzielle Probleme mit der Deponie in Nentzelsrode geben. Faktisch würde der Landkreis Nordhausen für seine beispielhafte Abfallpolitik der zurückliegenden Jahre bestraft werden. Da helfen auch Zusagen des Landes wenig, sich an diesen Kosten zu beteiligen.
