Das Leben in die Schulen holen
Montag, 29. April 2002, 10:29 Uhr
Nordhausen (nnz). Wie umgehen mit den tragischen Ereignissen in Erfurt? Wie soll aufgearbeitet werden? Wie weiter? Darüber sprach nnz mit dem Direktor des Nordhäuser Humboldt-Gymnasiums.
In der ersten Unterrichtsstunde sprachen die Lehrer mit den Schülern über die Geschehnisse vom Freitag. Betroffenheit und Trauer waren sehr deutlich zu spüren, so Ralf-Erhard Köthe zur nnz. Nach den Gesprächen in den Klassen wurde den Schülern freigestellt, diese fortzusetzen oder an einer Andacht im Nordhäuser Dom teilzunehmen. Fast alle Schüler des Gymnasiums fanden sich im Dom ein. Auf Zetteln konnten sie ihre Gefühle, Sorgen und Wünsche schreiben, diese sollen noch in dieser Woche nach Erfurt geschickt werden. Ein Zeichen sichtbarer Anteilnahme.
Wir können auch in Nordhausen nun nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, praktisch hätte diese Schreckenstat sich an jeder anderen Schule ereignen können, so Köthe nachdenklich. Der Schulleiter zieht aber auch schon erste Schlussfolgerungen. So müsse das Bemühen an den Schulen verstärkt werden, miteinander zu reden. Probleme, Sorgen, Befindlichkeiten sollen nach außen dringen können. Um diese Forderung umzusetzen, bedarf es an den Schule mehr Zeit. Diese Zeit muß uns die Politik zur Verfügung stellen, meinte Köthe mit einem Blick auf die derzeitigen Abläufe und Lehrpläne nicht nur an den Gymnasien. Wichtig sei insbesondere eine noch intensivere Zusammenarbeit mit den Schüler- und Elternvertretungen.
Auf den Druck für die Schüler angesprochen vertritt Ralf-Erhard Köthe die Auffassung, dass dieser Begriff immer sehr subjektiv geprägt sei. So habe ihn unlängst eine ehemalige Schülerin angesprochen. Nur weil sie in ihren Schuljahren am Gymnasium täglich gefordert worden sei, hätte sie jetzt ihr Examen erfolgreich absolvieren können. Das sei die eine Seite. Letztlich müsse aber Schülern und vor allem Eltern auch deutlich gemacht werden, dass ein Abitur nicht das einzig Seligmachende in dieser Welt sei.
Köthe äußerte sich auch zu den Fragen der Sicherheit an den Schulen und den jetzt laut werdenden Forderungen nach deren Erhöhung. Wenn unsere Schulen junge Menschen auf das Leben vorbereiten sollen, dann dürfen sie nicht zu Hochsicherheitstrakten umfunktioniert werden. Wir müssen vielmehr das Leben mit seinen unzähligen Facetten in die Schule hineinholen. Die Lehrer müssen bereits bei kleinen Symptomen hin- und nicht weggucken. Und: wir müssen die Eltern vielleicht stärker als bisher als Erziehungspartner der Kinder begreifen und integrieren.
Autor: nnzIn der ersten Unterrichtsstunde sprachen die Lehrer mit den Schülern über die Geschehnisse vom Freitag. Betroffenheit und Trauer waren sehr deutlich zu spüren, so Ralf-Erhard Köthe zur nnz. Nach den Gesprächen in den Klassen wurde den Schülern freigestellt, diese fortzusetzen oder an einer Andacht im Nordhäuser Dom teilzunehmen. Fast alle Schüler des Gymnasiums fanden sich im Dom ein. Auf Zetteln konnten sie ihre Gefühle, Sorgen und Wünsche schreiben, diese sollen noch in dieser Woche nach Erfurt geschickt werden. Ein Zeichen sichtbarer Anteilnahme.
Wir können auch in Nordhausen nun nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, praktisch hätte diese Schreckenstat sich an jeder anderen Schule ereignen können, so Köthe nachdenklich. Der Schulleiter zieht aber auch schon erste Schlussfolgerungen. So müsse das Bemühen an den Schulen verstärkt werden, miteinander zu reden. Probleme, Sorgen, Befindlichkeiten sollen nach außen dringen können. Um diese Forderung umzusetzen, bedarf es an den Schule mehr Zeit. Diese Zeit muß uns die Politik zur Verfügung stellen, meinte Köthe mit einem Blick auf die derzeitigen Abläufe und Lehrpläne nicht nur an den Gymnasien. Wichtig sei insbesondere eine noch intensivere Zusammenarbeit mit den Schüler- und Elternvertretungen.
Auf den Druck für die Schüler angesprochen vertritt Ralf-Erhard Köthe die Auffassung, dass dieser Begriff immer sehr subjektiv geprägt sei. So habe ihn unlängst eine ehemalige Schülerin angesprochen. Nur weil sie in ihren Schuljahren am Gymnasium täglich gefordert worden sei, hätte sie jetzt ihr Examen erfolgreich absolvieren können. Das sei die eine Seite. Letztlich müsse aber Schülern und vor allem Eltern auch deutlich gemacht werden, dass ein Abitur nicht das einzig Seligmachende in dieser Welt sei.
Köthe äußerte sich auch zu den Fragen der Sicherheit an den Schulen und den jetzt laut werdenden Forderungen nach deren Erhöhung. Wenn unsere Schulen junge Menschen auf das Leben vorbereiten sollen, dann dürfen sie nicht zu Hochsicherheitstrakten umfunktioniert werden. Wir müssen vielmehr das Leben mit seinen unzähligen Facetten in die Schule hineinholen. Die Lehrer müssen bereits bei kleinen Symptomen hin- und nicht weggucken. Und: wir müssen die Eltern vielleicht stärker als bisher als Erziehungspartner der Kinder begreifen und integrieren.
