nnz-online

nnz-intern: Trauer

Montag, 29. April 2002, 08:20 Uhr
Nordhausen (nnz). Mit einer Schweigeminute ist heute um 8 Uhr der Opfer des Erfurter Amoklaufs gedacht worden. Dazu einige persönliche Gedanken.


In den Schulen des Landkreises Nordhausen herrschen Schweigen, Trauer und Fassungslosigkeit. Ein Schleier liegt über dem Land, dem Landkreis, den Städten und Gemeinden. Die Frage nach dem „warum“ steht im Raum, sie kann aber nicht beantwortet werden, noch nicht, vielleicht auch nie. Noch sind die Menschen, vor allem aber Lehrer und Schüler gelähmt. Das Unfassbare, das Unvorstellbare muß verarbeitet werden. Individuell muß das geschehen, die Gesellschaft soll dabei Hilfeleistung geben.

Unter den Erfurter Opfern sind Lehrer, ein Polizist aber auch zwei Schüler. Einen davon kannte ich, er war der Sohn einer Kollegin, mit der ich seit fast fünf Jahren zusammenarbeite. Da bleibt es nicht ausgeschlossen, dass man die Entwicklung dieses jungen Menschen mitbegleitet. Man nimmt teil an seinen Erfolgen, an Rückschlägen, vor allem aber an der Freude der Mutter und Kollegin.

Jetzt ist alles anders geworden. Die Trauer liegt wie ein schweres Tuch über allen anderen Gefühlen. Sie wird begleitet von Ohnmächtigkeit, sie raubt alle Worte. Und wieder die Frage: Warum? Tausendfach schwebt sie im Raum, irgendwann muß der Versuch ihrer Beantwortung unternommen werden. Das wird nicht einfach, das wird komplex geschehen müssen. Da ist das Gemeinwesen gefragt, nicht nur die Politik. Das Trauma von Erfurt muß verarbeitet werden - sanft, langsam aber beständig. Die wirklich richtigen Konsequenzen müssen gezogen werden. Nur so könnte es nach dem vergangenen Freitag weitergehen und wir alle müssen daran teilhaben – nach den Stunden der Trauer.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de