Vom Kindergarten auf die Straße
Samstag, 27. April 2002, 18:08 Uhr
Nordhausen (nnz). Thüringen trauert und schweigt. In Nordhausen zog grölend die Antifa durch die Straßen. nnz hat die Demo dennoch teilweise begleitet.
An diesem Wochenende musste in Nordhausen unbedingt was los sein. Wenn schon die NPD ihren Aufmarsch zurückgezogen hatte, dann waren die Nordhäuser Straßen und Plätze wenigstens frei für die linke Szene. Erinnerungen wurden wach an das vergangenen Jahr. Wieder bildeten die schwarz-vermummten Antifaschisten ihren Block, umsäumt von roten Tüchern mit markigen Sprüchen. Wieder wurden die altbekannten Parolen skandiert. Da fielen Worte wie Steine, Bäume oder Nazi.
Nach einer Aufwärmkundgebung am ehemaligen Busbahnhof zog ein Pulk von etwas mehr als 200 Linken durch die Rolandstadt, begleitet von einem Polizeiaufgebot. Schaute man in die Gesichter der Leute, dann fühlte man sich unversehens in eine Jugendgruppe versetzt. Schwarze Kleidung, schwarze Kapuze, schwarze Sonnenbrille - schließlich will man unerkannt bleiben.
Und wenn Vertreter der Medien den Zug fotografieren wollen, dann werden die gleich mal belästigt und angegriffen, so ist das eben mit der Toleranz. Die, die sich da hinter einem schwarzen Outfit verstecken, sind eigentlich noch Kinder. Geschätztes Durchschnittsalter: 15. Der Veranstalter korrigiert dann flugs nach oben: 16 bis 17!
Nach Angaben der Polizei war der Klassenausflug gegen 17.30 Uhr beendet. Er soll friedlich verlaufen sein, keine Vorkommnisse. Die gab es doch - nämlich aus Sicht der Veranstalter. Am Bahnhof habe die Polizei jemanden festgenommen, einen aus dem rechten Spektrum natürlich.
Begleitet und unterstützt wurde die Veranstaltung von der PDS des Landkreises Nordhausen. Warum die nicht darauf einwirkte, den linken Aufmarsch an einem Tag wie diesen zurück zu pfeifen, wird wohl deren politisches Geheimnis bleiben. 24 Stunden nach dem Tag, der Thüringen verändern wird, wird in Nordhausen brüllend und grölend marschiert. Da hilft auch das eigentliche Motto und Anliegen der Demo nicht viel, es ging einfach unter. In Erfurt wurde in diesen Stunden der Ermordung von 17 Menschen gedacht.
Einer der Toten war ein Schüler dieses Gymnasiums, er wurde 15 Jahre alt. In diesem Land wehen die Fahnen auf Halbmast, in Thüringen ist Trauer angesagt, Veranstaltungen jeder Art werden abgesagt - nur nicht in Nordhausen, da wird marschiert.
Am Abend wird die Aktion in den politischen Gremien vermutlich noch ausgewertet und als Erfolg eingestuft. Die Veranstalter und die PDS werden über weitere Aktionen im Bündnis gegen Nazis beraten und vermutlich werden die Politprofis am Tisch sitzen und das Lied von der jungen Garde des Proletariats im Kopf haben. Nochmals: Vielen Dank für einen solch erlebnisreichen Tag, einen Tag nach den tragischen Ereignissen in Erfurt!
Autor: nnz
An diesem Wochenende musste in Nordhausen unbedingt was los sein. Wenn schon die NPD ihren Aufmarsch zurückgezogen hatte, dann waren die Nordhäuser Straßen und Plätze wenigstens frei für die linke Szene. Erinnerungen wurden wach an das vergangenen Jahr. Wieder bildeten die schwarz-vermummten Antifaschisten ihren Block, umsäumt von roten Tüchern mit markigen Sprüchen. Wieder wurden die altbekannten Parolen skandiert. Da fielen Worte wie Steine, Bäume oder Nazi. Nach einer Aufwärmkundgebung am ehemaligen Busbahnhof zog ein Pulk von etwas mehr als 200 Linken durch die Rolandstadt, begleitet von einem Polizeiaufgebot. Schaute man in die Gesichter der Leute, dann fühlte man sich unversehens in eine Jugendgruppe versetzt. Schwarze Kleidung, schwarze Kapuze, schwarze Sonnenbrille - schließlich will man unerkannt bleiben.
Und wenn Vertreter der Medien den Zug fotografieren wollen, dann werden die gleich mal belästigt und angegriffen, so ist das eben mit der Toleranz. Die, die sich da hinter einem schwarzen Outfit verstecken, sind eigentlich noch Kinder. Geschätztes Durchschnittsalter: 15. Der Veranstalter korrigiert dann flugs nach oben: 16 bis 17!Nach Angaben der Polizei war der Klassenausflug gegen 17.30 Uhr beendet. Er soll friedlich verlaufen sein, keine Vorkommnisse. Die gab es doch - nämlich aus Sicht der Veranstalter. Am Bahnhof habe die Polizei jemanden festgenommen, einen aus dem rechten Spektrum natürlich.
Begleitet und unterstützt wurde die Veranstaltung von der PDS des Landkreises Nordhausen. Warum die nicht darauf einwirkte, den linken Aufmarsch an einem Tag wie diesen zurück zu pfeifen, wird wohl deren politisches Geheimnis bleiben. 24 Stunden nach dem Tag, der Thüringen verändern wird, wird in Nordhausen brüllend und grölend marschiert. Da hilft auch das eigentliche Motto und Anliegen der Demo nicht viel, es ging einfach unter. In Erfurt wurde in diesen Stunden der Ermordung von 17 Menschen gedacht.
Einer der Toten war ein Schüler dieses Gymnasiums, er wurde 15 Jahre alt. In diesem Land wehen die Fahnen auf Halbmast, in Thüringen ist Trauer angesagt, Veranstaltungen jeder Art werden abgesagt - nur nicht in Nordhausen, da wird marschiert. Am Abend wird die Aktion in den politischen Gremien vermutlich noch ausgewertet und als Erfolg eingestuft. Die Veranstalter und die PDS werden über weitere Aktionen im Bündnis gegen Nazis beraten und vermutlich werden die Politprofis am Tisch sitzen und das Lied von der jungen Garde des Proletariats im Kopf haben. Nochmals: Vielen Dank für einen solch erlebnisreichen Tag, einen Tag nach den tragischen Ereignissen in Erfurt!
