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Exzellent, aber insolvent

Mittwoch, 13. Februar 2008, 16:52 Uhr
Die Pressekonferenz am Nachmittag mutete schon fast wie ein Meeting am Vorabend eines Auftritts auf der CeBIT an. Jedoch wurde schlicht und ergreifend die Zahlungsunfähigkeit der FMN communications GmbH (FMN) verkündet. Die nnz mit Einzelheiten.


Am Montag hatte die FMN-Geschäftsführung am Amtsgericht in Mühlhausen den Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Damit wurde die Reißleine gezogen, um letztlich nicht den Bestand des Unternehmens gänzlich zu gefährden. Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Frank Kreuznacht machte klar, dass es sich dabei um eine so genannte schwache Insolvenz handele. Im Normaldeutsch: Die bisherigen Geschäftsführer Petra Bremer und Wolfgang Koslowsky haben weiter das Sagen im Unternehmen, sie besitzen nach wie vor Handlungsvollmacht, der Insolvenzverwalter tritt quasi als Controller auf.

Der Grund für den jetzigen Zustand sei mangelnde Liquidität im Unternehmen. Die rühre jedoch nicht von falschen unternehmerischen Entscheidung der Chefetage her, sondern vom Wegbrechen eines Großauftrages mit einem marokkanischen Partner. Das soll im Jahr 2006 ein siebenstelliger Betrag gewesen sein. Von diesem Minus und den notwendigen Abschreibungen vorfinanzierter Geräte habe sich FMN nicht mehr erholen können.

Hinzu kämen nach erster Sichtung der Unterlagen Immobilienprobleme. Die Gebäude hatte FMN im Jahr 1998 an ein Bankenkonsortium verkauft und wieder zurückgeleast. Die damals abgeschlossenen Verträge hatten FMN zwar schnell Geld ins Haus gespült, doch die Leasingraten fraßen die Zahlungsfähigkeit. Selbst am Grab geschaufelt, würden Kabarettisten das nennen.

Zahlen wollten die Akteure der Pressekonferenz heute nicht nennen. Zwar gebe es aktuell einen Auftragsbestand von zwei Millionen Euro, doch wurden weder zum Umsatz der Jahre 2007 und 2006 Aussagen getroffen. „Beachtliche Verluste“ konstatierte Dr. Kreuznacht auf nnz-Nachfrage. Was heute mit der Pressekonferenz erreicht werden sollte, das war das Verbreiten von Optimismus. Man sei exklusiver Partner des Marktgiganten Cisco Systems, man habe einen Auftrag von der Telekom, der Auslastung über Jahre hinweg verspreche, allerdings: Das Unternehmen hat den Untergang der analogen Fernsprechtechnik verschlafen, das Unternehmen hat ein Problem: Es hat kein Geld, es ist insolvent.

Mittels einer Planinsolvenz, die eventuell auch eine Eigenverwaltung durch die jetzige Geschäftsführung implizieren könnte, soll FMN wie ein aufgepeppter Phönix aus der wirtschaftlichen Asche auferstehen. Laut vorläufigem Insolvenzverwalter habe in den zurückliegenden Jahren die Firmenleitung nicht versagt, vielmehr sei sie zu sozial gewesen, was den Umgang mit den Mitarbeitern angehe. Und – fast als Nebensatz: man habe eben zu lange am analogen Geschäft gehangen.

Drei Monate lang kann den 65 Mitarbeitern Lohn und Gehalt weiter gezahlt werden, als Insolvenzausfallgeld, mit Segen der Arbeitsagentur. Was danach kommt, das steht in den Sternen. Und so wurde, der Optimismus schien kaum noch überbietbar, gleich eine Mappe mit Produkten des Nordhäuser Unternehmens auf die Tische gelegt.

Damit war es doch schon ein wenig wie das Vermelden von Erfolgen, obwohl die Teilnahme an der diesjährigen CeBIT in Hannover kein Thema ist.
Peter-Stefan Greiner

Mehr Infos zu FMN gibt es hier: (01) und (02).
Autor: nnz

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