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Donnerstag, 07. Februar 2008, 14:26 Uhr
Eigentlich wollte Volker Vogt in diesen Tagen Urlaub machen. Doch: Der stellvertretende Schulleiter des Humboldt-Gymnasiums wurde durch eine nnz-Meldung aufgeschreckt. Heute sprachen wir mit ihm...


Während der Sitzung des Kreisausschusses hatte Landrat Joachim Claus (CDU) die Zukunft eines Schulteils des Gymnasiums in Frage gestellt. Bislang habe es aus der Kreisverwaltung hierzu kein Dementi gegeben und so macht sich bei Volker Voigt eine riesige Enttäuschung breit. Nicht nur, daß diese Aussagen nach nnz-Informationen mit den beiden Beigeordneten des Landkreises nicht abgesprochen waren, die ins Feld geführten demografischen Zahlen bezweifeln Vogt und seine KollegInnen.

Alle Jahre wieder, immer in der so genannten Anmeldezeit im Februar, konstatieren Volker Vogt und der Vorsitzende des Schulfördervereins, Tino Pförtner, eine regelrechte Kampagne gegen das Gymnasium. Beide wollen sich nicht mit der Schließung auch nur eines Schulteils (Blasiistraße) abfinden. Vogt: „Das wäre in etwa so, als wenn man vom Dienstwagen des Landrates zwei Räder abbaut. Gerade die zwei Gebäude werden von den Eltern als Vorteil gesehen, ein Zuführungsteil zum Herder-Gymnasium wollen wir auf keinen Fall sein.“

Das Humboldt-Gymnasium setzt auf Lehr-Inhalte, will Klasse statt Masse. Die Erfolge dieser inhaltlichen Bildungspolitik wurden der Schulleitung erst im November vergangenen Jahres von höchster Landesstelle attestiert. So schreibt ein Expertenteam im Entwicklungsvorhaben „Eigenverantwortliche Schule“ in seinem Bericht: „Das Staatliche Gymnasium ‚Wilhelm von Humboldt’ Nordhausen nimmt einen festen und unverzichtbaren Platz in der Bildungs- und Kulturlandschaft der Stadt Nordhausen und im Landkreis ein. Hervorhebenswert sind die ausgezeichneten Abiturergebnisse der Schule. Die Schüler sind stolz, ‚Humboldtianer’ zu sein. Sie fühlen sich wohl...“

Die Verunsicherung von Schülern, Eltern und Lehrern der Schule hat in Nordhausen bereits eine langjährige Tradition. In den Humboldt-Blättern des Jahrgangs 2001 wird die nnz zitiert. Wir berichteten am 9. Februar 2001, daß Matthias Jendricke (SPD) den Fortbestand des Humboldt-Gymnasiums in Frage stellt. Man vergleiche den Monat damals mit heute.

Tino Pförtner stellt im Gespräch mit der nnz eine zunehmende Verunsicherung bei den Eltern fest. „Unser Förderverein hat in den zurückliegenden Jahren viel in die Schule investiert. Eigentlich eine Sache des Schulträgers, aber wir haben das gern gemacht.“ Wie immer wieder versucht wurde, Kosten auf dem Rücken der Schüler zu sparen, zeigt folgendes Beispiel: Im Jahr 2001 wollte das Gymnasium „Medienschule“ werden, dazu gab es Fördermittel in Höhe von 100.000 DM. Der Landkreis habe dann versucht, den Haushalt der Schule um genau diese 100.000 DM zu kürzen. Medienschule ist das „Hum-Gym“ geworden, Kooperationen wurden mit der Fachhochschule aufgebaut, eine fruchtbare Zusammenarbeit gibt es mit dem Theater, Bildungsnetzwerke sollen weiter ausgebaut werden.

Eigentlich habe die Schulgemeinschaft in den zurückliegenden Tagen auf ein Dementi seitens des Landrates gewartet. Nun, da es ausgeblieben ist, wird man Antworten verlangen. Am 19. Februar wird der Kreistag zusammenkommen und dessen Mitglieder können sich jetzt schon auf eine große Schuldelegation einstellen.

Interessant wäre auch zu erfahren, was die politische Landschaft zu den Äußerungen des Landrates zu sagen hat. Beispielsweise, wie sich der CDU-Kreisvorstand dazu positioniert. Die Christdemokraten müssen da nicht bis zum 19. Februar warten, die kommen bereits am Montag zu einer Vorstandssitzung zusammen. Noch gilt für Volker Vogt die Aussage des für Schulen zuständigen Mitarbeiters im Landratsamt, Hans Rumpf, die der vor einer Woche zu Beginn der Festlichkeiten geäußert haben soll: Es bleibt alles so wie es ist.

Übrigens: Hans Rumpf war der einzige Vertreter des Landratsamtes, der an dieser Feierstunde teilnahm. Die politische Führungsspitze fehlte. Nicht gerade typisch für einen Schulträger. Oder doch?
Autor: nnz

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