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Goldgrube Krematorium?

Dienstag, 05. Februar 2008, 09:46 Uhr
Rund 1.000 Einäscherungen hatte es im vergangenen Jahr im Nordhäuser Krematorium gegeben. Dabei fällt natürlich auch das Zahngold der Verstorbenen in die Asche. Was passiert in Nordhausen damit?


Eigentlich haben sich die Verantwortlichen der Nordhäuser Friedhofsveraltung noch nie Gedanken darüber gemacht, was mit dem Zahngold der Verstorbenen nach dem Verbrennen passiert. 870 Grad Celsius herrschen im Ofen, quasi auf dem allerletzten Weg. Einen anderen Aggregatzustand kann das Edelmetall nicht annehmen, da der Schmelzpunkt bei rund 1.060 Grad liegt.

Also müßte das Zahngold in den Aschebehälter fallen, mal laienhaft ausgedrückt. Das aber wissen die Verantwortlichen der Nordhäuser Friedhofsverwaltung nicht, „darum haben wir uns noch nicht gekümmert“, erläutert die zuständige Sachgebietsleiterin Anne Lange der nnz. Was in vielen Kommunen eine Einnahmequelle ist, wird in Nordhausen entweder bestattet oder entsorgt. In Hof und in Nürnberg gar war das Zahngold eine zusätzliche Einnahmequelle für Mitarbeiter der dortigen Krematorien (das ZDF berichtete gestern darüber).

Anders jedoch sieht es von Amtswegen mit anderen Metallteilen aus, die über die Lebensjahre hinweg ihren Weg in einen menschlichen Körper fanden. Prothesen oder künstliche Hüftgelenke zum Beispiel werden in Nordhausen gesammelt und von einer Fachfirma abgeholt. Ein einträgliches Geschäft ist das nicht gerade, im vergangenen Jahr wurden 650 Euro unter „sonstige Einnahmen“ im städtischen Haushalt verbucht, ein Jahr davor waren es 20 Euro mehr.

Im bayerischen Hof hatten sich städtische Mitarbeiter über einen Zeitraum von drei Jahren um 50.000 Euro bereichert, für die Beschäftigten ein erquicklicher Nebenverdienst. Und das kuriose daran: Sie wurden freigesprochen. Die Tat sei zwar "unanständig", so die Urteilsbegründung des Richters Klaus Labandowsky, aber eben nicht strafbar, weil die Leiche eine "herrenlose Sache" sei.
Autor: nnz

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