JS-special: Mittelstandsbank?
Samstag, 20. April 2002, 09:09 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Einschätzung der Perspektiven des deutschen Mittelstandes ist im Grunde einheitlich. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen verfügen ganz allgemein über eine zu dünne Eigenkapitaldecke und haben zunehmend Probleme, von den Banken Darlehen zu bekommen. Die Aussichten sind trübe.
Es gibt in dieser Region ein "Netzwerk in Nordthüringen". Ihm gehören neben der IHK, der Handwerkskammer u.a. auch die Deutsche Ausgleichsbank, die Thüringer Aufbaubank und die Bürgschaftsbank Thüringen an. Die regelmäßigen Beratungstage im BIC Nordthüringen bieten den Unternehmern in der Region die Möglichkeit, sich fachkompetent beraten zu lassen und die Möglichkeiten finanzieller Förderung abzuklären. Auf die allgemeine wirtschaftliche und finanziellen Situation des Mittelstandes in Deutschland ist dieses Netzwerk natürlich keine Antwort, außer vielleicht ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber es zeigt, dass es Möglichkeiten zwischen Banken und Unternehmen gibt, den Problemen etwas Wirkungsvolles entgegen zu setzen.
Abgesehen aber von diesem kleinen Beispiel gibt eine Studie zu Besorgnis Anlass, die die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zusammen mit 20 Wirtschaftsverbänden in Auftrag gegeben hatte. Danach hat etwa jedes dritte mittelständische Unternehmen Schwierigkeiten, überhaupt einen Kredit zu bekommen. Vor allem bei der Investitionsfinanzierung seien die Bedingungen für kleinere Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu 2,5 Millionen Euro schwieriger geworden, berichtete KfW-Vorstandssprecher Hans W. Reich anlässlich der Vorstellung dieser Studie am Donnerstag in Berlin
Allerdings wüssten die Firmenchefs sehr genau, dass nicht nur die Banken oder die geplanten neuen Regeln für Firmenkredite (Basel II) für die zögerliche Vergabe verantwortlich sind, erläuterten Sprecher von Wirtschaftsverbänden.
"Die Hälfte der Unternehmen ist so selbstkritisch, dass sie als Hauptgründe für die Kreditablehnung die zu geringe Eigenkapitalausstattung anführen", sagte Arend Oetger, Vize-Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Eine stärkere Innenfinanzierung aber auch Beteiligungen erhielten damit in Zukunft "größere Bedeutung", schätzt Gerd Pieper, Vizepräsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels.
Auch die Firmen, die derzeit noch keine Probleme mit ihren Banken haben, dürften "sich nicht in Sicherheit wiegen", betont Reich. Der Wandel würde alle Unternehmen erreichen. In diesem Zusammenhang führte er weiter aus, dass eine neue Mittelstandsbank, wie sie Bundeskanzler Gerhard Schröder ins Gespräch gebracht habe, nicht gebraucht werde: "Wir sind die Mittelstandsbank", betonte der Bankmanager.
Übereinstimmung bestand bei den Gesprächsteilnehmern, dass das zentrale und zugleich schwierigste Problem bei der Ablehnung von Krediten die geringe Eigenkapitalausstattung der Unternehmen sei. Für sie bestehe die vordringlichste Aufgabe deshalb in der Stärkung ihrer Eigenkapitalquote. Wie dürftig es damit aussieht, veranschaulichten die schon genannte Arend Oetger und Gerd Pieper, aber auch Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels. So liegt die Eigenkapitalquote bei mittelständischen Einzelhandelsunternehmen im Schnitt gerade einmal bei drei Prozent. Bei Mittelständlern im Groß- und Einzelhandel erreicht sie knapp 16 Prozent. Nur Oetger gab Quoten von 20 bis 30 Prozent an.
Ganz grundsätzlich hätten sich die Unternehmen darauf einzustellen, dass sie Kreditinstitute intensiver als heute nicht nur über Bilanz und Ertragslage, sondern auch über Marktzugang und Management informieren müssten. Mit der bisher im Mittelstand sehr verbreiteten "Herr-im-Hause"-Politik schadeten sich die Unternehmer dann selbst. "Unsicherheiten und Informationslücken sind für Banken zunehmend nicht mehr tragbare Risiken", hebt Reich hervor. Und Kredite würden wegen ihrer aus Bankensicht unterdurchschnittlichen Rentabilität eher teurer.
Die Studie zeige, dass KfW-Förderkredite "generell gut angenommen" würden. Unter anderem mit dem Einstieg in die Beteiligungsfinanzierung passe das bundeseigene Institut sein Geschäft den veränderten Bedingungen am Finanzmarkt an.
Autor: nnzEs gibt in dieser Region ein "Netzwerk in Nordthüringen". Ihm gehören neben der IHK, der Handwerkskammer u.a. auch die Deutsche Ausgleichsbank, die Thüringer Aufbaubank und die Bürgschaftsbank Thüringen an. Die regelmäßigen Beratungstage im BIC Nordthüringen bieten den Unternehmern in der Region die Möglichkeit, sich fachkompetent beraten zu lassen und die Möglichkeiten finanzieller Förderung abzuklären. Auf die allgemeine wirtschaftliche und finanziellen Situation des Mittelstandes in Deutschland ist dieses Netzwerk natürlich keine Antwort, außer vielleicht ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber es zeigt, dass es Möglichkeiten zwischen Banken und Unternehmen gibt, den Problemen etwas Wirkungsvolles entgegen zu setzen.
Abgesehen aber von diesem kleinen Beispiel gibt eine Studie zu Besorgnis Anlass, die die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zusammen mit 20 Wirtschaftsverbänden in Auftrag gegeben hatte. Danach hat etwa jedes dritte mittelständische Unternehmen Schwierigkeiten, überhaupt einen Kredit zu bekommen. Vor allem bei der Investitionsfinanzierung seien die Bedingungen für kleinere Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu 2,5 Millionen Euro schwieriger geworden, berichtete KfW-Vorstandssprecher Hans W. Reich anlässlich der Vorstellung dieser Studie am Donnerstag in Berlin
Allerdings wüssten die Firmenchefs sehr genau, dass nicht nur die Banken oder die geplanten neuen Regeln für Firmenkredite (Basel II) für die zögerliche Vergabe verantwortlich sind, erläuterten Sprecher von Wirtschaftsverbänden.
"Die Hälfte der Unternehmen ist so selbstkritisch, dass sie als Hauptgründe für die Kreditablehnung die zu geringe Eigenkapitalausstattung anführen", sagte Arend Oetger, Vize-Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Eine stärkere Innenfinanzierung aber auch Beteiligungen erhielten damit in Zukunft "größere Bedeutung", schätzt Gerd Pieper, Vizepräsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels.
Auch die Firmen, die derzeit noch keine Probleme mit ihren Banken haben, dürften "sich nicht in Sicherheit wiegen", betont Reich. Der Wandel würde alle Unternehmen erreichen. In diesem Zusammenhang führte er weiter aus, dass eine neue Mittelstandsbank, wie sie Bundeskanzler Gerhard Schröder ins Gespräch gebracht habe, nicht gebraucht werde: "Wir sind die Mittelstandsbank", betonte der Bankmanager.
Übereinstimmung bestand bei den Gesprächsteilnehmern, dass das zentrale und zugleich schwierigste Problem bei der Ablehnung von Krediten die geringe Eigenkapitalausstattung der Unternehmen sei. Für sie bestehe die vordringlichste Aufgabe deshalb in der Stärkung ihrer Eigenkapitalquote. Wie dürftig es damit aussieht, veranschaulichten die schon genannte Arend Oetger und Gerd Pieper, aber auch Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels. So liegt die Eigenkapitalquote bei mittelständischen Einzelhandelsunternehmen im Schnitt gerade einmal bei drei Prozent. Bei Mittelständlern im Groß- und Einzelhandel erreicht sie knapp 16 Prozent. Nur Oetger gab Quoten von 20 bis 30 Prozent an.
Ganz grundsätzlich hätten sich die Unternehmen darauf einzustellen, dass sie Kreditinstitute intensiver als heute nicht nur über Bilanz und Ertragslage, sondern auch über Marktzugang und Management informieren müssten. Mit der bisher im Mittelstand sehr verbreiteten "Herr-im-Hause"-Politik schadeten sich die Unternehmer dann selbst. "Unsicherheiten und Informationslücken sind für Banken zunehmend nicht mehr tragbare Risiken", hebt Reich hervor. Und Kredite würden wegen ihrer aus Bankensicht unterdurchschnittlichen Rentabilität eher teurer.
Die Studie zeige, dass KfW-Förderkredite "generell gut angenommen" würden. Unter anderem mit dem Einstieg in die Beteiligungsfinanzierung passe das bundeseigene Institut sein Geschäft den veränderten Bedingungen am Finanzmarkt an.
