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Werben für Politikwechsel

Montag, 28. Januar 2008, 13:52 Uhr
Am 8. Februar macht das sozialdemokratische Kandidaten-Karussell wieder einmal halt. Im Landkreis Nordhausen können die Gondeln besetzt werden. Zwei Lager wollen vor allem eines: Die absolute Mehrheit der CDU verhindern. Allerdings mit zwei unterschiedlichen Kandidaten...


Werben für Richard (Foto: nnz) Werben für Richard (Foto: nnz) Bislang liegen die Anhänger des einstigen Shootingstars der Thüringer SPD, die Getreuen des Richard Dewes klar hinten, wenn man den Ausgang der bisherigen Duelle als Basis nimmt. Das gibt auch die SPD-Kreisvorsitzende Dagmar Becker unumwunden zu. „Das Blatt kann sich aber noch wenden“, wirft die Landtagsabgeordnete ein. Und der Nordhäuser Kreisverband soll dazu beitragen, gibt Becker die Marsch- und Erwartungsrichtung vor. In Ilfeld werden Richard Dewes und Christoph Matschie aufeinandertreffen. Bis dahin haben sie den Großteil dieses Freistaates bereits bereist, wobei die großen Kreisverbände Gotha und Erfurt noch vor ihnen liegen.

Diese Tour soll den Sozis Klarheit bringen. Klarheit vor allem über die Person, die an der Spitze des SPD-Landtagswahlkampfes steht. Für Dagmar Becker, aber auch für die erste Beigeordnete des Landkreises, Jutta Krauth (SPD) steht fest und das ist für beide das schlagendste Argument: „Nur mit Richard Dewes kann die dominierende CDU auf die Oppositionsbank geschickt werden. Christoph Matschie hat sich bereits jetzt mit seiner Rolle als kleiner Partner der CDU abgefunden. Und das kann nicht sein, das will auch unsere Basis nicht“, meint Jutta Krauth. Eine große Koalition sei nicht gut für Thüringen und schon gar nicht für die SPD.

Für die Anhänger des derzeitigen Landesvorsitzenden Matschie müsse klar sein, daß entscheidende Positionen, die er momentan vertritt und mit denen er vermutlich in den Wahlkampf ziehen wird, sich mit der CDU nicht verwirklichen lassen. Das Parteivolk werde jetzt schon geblendet, so die beiden Frauen, beispielsweise in punkto Gebietsreform. Es sei ein Trugschluß, daß sich Dewes, der Ex-Innenminister, nicht im Lande auskenne. Im Gegenteil: „Der Richard kennt sich wie kaum ein anderer in Strukturen des Freistaates aus, auch nach seinem Ausstieg aus der aktiven Politik. Vielleicht sei der Blick von außen auf das Innen nicht so verkehrt“, wirft Dagmar Becker ein.

Natürlich gibt es auch im Landkreis Nordhausen ein Dewes- und ein Matschielager. Letzteres macht die Kreisvorsitzende klar in der Kreisstadt aus. Hier werde scheinbar akzeptiert, daß die Art und Weise der innerparteilichen Kommunikation von einer einzelnen Person dominiert werde. Matschie würde immer nach Berlin in die SPD-Zentrale schauen und dort Statements nachplappern, eine demokratische Streitkultur sei bei den Thüringer Sozis schon lange anhanden gekommen. Genau die aber erhoffen sich Becker und Krauth von Richard Dewes.

Sich gegen Matschie zu positionieren sei von Dewes kein Schnellschuß gewesen. Mit einer gewissen Portion von Wut muß sich Dagmar Becker dann immer anhören, wie Dewes Machtgeilheit unterschoben wird. „Wer Richard kennt, der weiß, daß es ihm nicht um seine Person selbst geht, sondern um die Sache“, meint Becker. Und die Sache, das sind sozialdemokratische Eckpfeiler einer künftigen Landespolitik, die zuerst an den Freistaat und dann an den Bundesvorstand der eigenen Partei denke. Natürlich muß man schon jetzt als Beobachter konstatieren, daß – sollte Dewes als Sieger hervorgehen – beim „Richard“ eine kleine Portion Ego-Befriedigung auszumachen wäre.

Auch mit dem Argument, nur wenige führende Genossen in Thüringen, würden eine Kandidatur von Dewes unterstützen, will Becker aufräumen und präsentiert eine Postkarte. Auf der haben sich acht Mitglieder des Landesvorstandes, unter anderen mit Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein und dem Landrat des Unstrut-Hainich-Kreises, Harald Zanker immerhin zwei Stellvertreter von Christoph Matschie für Richard Dewes bekannt.

Egal, ob Dagmar Becker und Jutta Krauth für den 8. Februar ein gutes Gefühl für Richard Dewes beim Duell gegen Christoph Matschie haben oder nicht. Letztlich müssen die Thüringer Genossen am 24. Februar - jeder für sich allein - ein Kreuz hinter einem Namen machen. Und da sind einige Überraschungen möglich...
Autor: nnz

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