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Zwangsarbeit und Justiz

Montag, 21. Januar 2008, 17:05 Uhr
Nordhausen (nnz). Nicht immer standen die meisten Juristen auf der Seite des Rechts. In der Zeit des Nationalsozialismus unterstützten einige die Zwangsarbeit. Ein neues Buch gibt einen Einblick in die Zusammenhänge.

Vorgestellt (Foto: Wiethoff) Vorgestellt (Foto: Wiethoff)
Haußner, Wagner, Schwerdtfeger, Wagner, Rektor FHN (v.l.n.r.)

Heute nachmittag wurde das erste Buch der allgemeinen Schriftenreihe der Nordhäuser Hochschultexte vorgestellt. Es beschäftigt sich mit der Rolle der Justiz im Nationalsozialismus und insbesondere mit der Zwangsarbeit. Das Buch entstand im Rahmen einer im März 2006 durchgeführten Tagung in der KZ Gedenkstätte Dora. Die Beiträge wurden dafür überarbeitet und erweitert.

Bislang gab es kaum Literatur über die Zusammenhänge zwischen Zwangsarbeit und Justiz. Mit dem heute vorgestellten Werk soll ein erster Überblick gegeben und zu Diskussionen sowie weiterführender Forschung angeregt werden. Zahlreiche Autoren beleuchten die Zusammenarbeit der Justiz mit dem Zwangsarbeitsapparat, die Entschädigungspraxis nach dem Krieg und die justizielle Aufarbeitung der Verbrechen in Deutschland, den USA und Kanada.

Gefördert wurde die Entstehung vom Thüringer Justizministerium. Staatssekretär Michael Haußner würdigte die Arbeit der Autoren. Besonders eindrucksvoll fand er das Titelfoto, welches ein am Galgen hängendes Paragrafensymbol zeigt. Das Bild sei keine Montage sondern ein authentisches historisches Foto.

Unterstützung bot auch der Wissenschaftliche Verein Nordhausens. Dessen Vorsitzender Wolfgang Schwertfeger wies auf die Wichtigkeit solcher Publikationen hin. Der Wert werde steigen, wenn die letzten Zeitzeugen verstorben sind. Er lobte zudem den offenen Umgang Nordhausens mit seiner Geschichte. Das sei für viele Städte, egal ob im Osten oder Westen, nicht so selbstverständlich.

Jörg Wagner, Rektor der Fachhochschule, sagte, daß sich das Buch von den übrigen wissenschaftlichen Publikationen unterscheide, deswegen habe man extra eine neue, allgemeine Schriftenreihe gegründet. Die Hochschule wolle dazu beitragen, ein offenes und tolerantes Klima durch Bildung zu schaffen, damit junge Menschen den einfachen Parolen widerstehen können.

Das Buch wurde herausgegeben von Helmut Kramer, Karsten Uhl und Jens-Christian Wagner. Kramer und Wagner beteiligen sich auch mit eigenen Texten an dem Buch. Es ist unter anderem im Museumsladen der Gedenkstätte Dora zu erwerben.
Autor: wf

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