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nnz-Betrachtung: Feine Unterschiede

Mittwoch, 17. April 2002, 10:32 Uhr
Nordhausen (nnz). Neben den Meldungen über Firmen-Pleiten gibt es auch positive Wirtschaftsnachrichten. Doch kommen diese höchst selten aus dem Landkreis Nordhausen...


Anders sieht es da zum Beispiel im benachbarten Landkreis Eichsfeld aus. Vor allem in der zurückliegenden Woche „jagte“ eine Meldung die andere, in denen von Unternehmensansiedlungen oder Standorterweiterungen berichtet wurde:

1. Beispiel: Der erste Spatenstich für eine neue Betriebsstätte der TechnoGel GmbH bei Berlingerode. Vorerst sollen dort 20 Arbeitsplätze geschaffen und 3,4 Millionen Euro investiert werden.

2. Beispiel: In der vergangenen Woche wurde die Erschließung eines Industriegebietes im Norden von Leinefelde beendet. „Für die Ansiedlung von Industrieunternehmen gerade zu ideal“, meinte LEG-Geschäftsführer Reinholz. Bislang wurden dort 14 Unternehmen mit 260 Arbeitsplätzen etabliert. Neben den jetzt 39 Hektar stehen weitere 21 Hektar zur Verfügung. Bei voller Belegung prognostizieren die Wirtschaftsfachleute des Landes und des Kreises über 600 Arbeitsplätze.

3. Beispiel: Ebenfalls in Leinefelde ging vor sieben Tagen die neugegründete MS Umformtechnik GmbH in Betrieb. Neun Millionen Euro hat der Autozulieferer ins Eichsfeld "gepumpt", vorerst sind 28 Frauen und Männer in Lohn und Brot.

Stellt man in Nordhausen bei der städtischen Wirtschaftsförderung die Frage, wann sich in dieser Region das letzte Unternehmen angesiedelt hat, dann muß erst einmal intensiv nachgedacht werden. „Das ist schon lange her, das war damals die AHN Biotechnolgie GmbH“. Die ist im vergangenen Jahr aus dem BIC in Bielen ausgezogen, erweitert nun am neuen Standort ihre Produktion (siehe hierzu auch im nnz-Archiv).

Eine ähnliche Antwort erhielt die nnz-Redaktion aus dem regionalen Servicecenter der IHK in Nordhausen. Dessen Leiter, Udo Rockman, bestätigt den unterschiedlichen Ansiedlungstrend in Nordthüringen und belegt ihn mit Fakten: „Rund zwei Drittel aller Investitionen bearbeiten wir für den Landkreis Eichsfeld, das restliche Drittel teilen sich der Kyffhäuserkreis und der Landkreis Nordhausen“, so Rockmann. Für dieses Ungleichgewicht macht er unter anderem das politische Klima im Landkreis verantwortlich. Investoren hätten für die kommunalpolitische Situation an dem eventuellen Standort ein besonders feines „Näschen“. Und das derzeitige Atmosphäre innerhalb der großen beiden Verwaltungen aber auch zwischen ihnen sei nicht unbedingt unternehmensfreundlich. Gleiches gelte für den Bereich des Tourismus, meinte Rockmann, und verwies damit auf die Querelen um den regionalen Tourismusverband.

Im Eichsfeld sei die politische Landschaft nicht nur kompakter, hier würden Kommunen und der Landkreis nicht unbedingt gegeneinander arbeiten. Zum anderen hält es der regionale IHK-Chef für geradezu tödlich, dass seit Monaten das geplante Industriegebiet in der Goldenen Aue „kaputtdiskutiert“ werde. Im Gegensatz zum Landkreis Nordhausen werde im Eichsfeld geplant, erschlossen und schließlich flattern die Einladungen zur Übergabe der Industrie- oder Gewerbegebiete ins Haus.

Wobei wir wieder beim Ausgangspunkt der Betrachtung wären. Nicht unerwähnt sollte natürlich auch bleiben, dass selbst der Landkreis Eichsfeld nicht von Betriebsschließungen, Insolvenzen oder Produktionsverlagerungen verschont worden ist. Beispiele hierfür sind Fiege Bau, Siemens oder jüngst eine Polsterfirma. Doch mit den Neuansiedlungen gibt es wenigstens eine teilweise Kompensation der Arbeitsplatzverluste. In und um Nordhausen kann man lediglich auf das weitere Bestehen von angestammten Unternehmen verweisen. Bestandspflege heißt das im Verwaltungsdeutsch.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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