nnz-online

Das wird noch schlimm

Mittwoch, 16. Januar 2008, 14:29 Uhr
Die Armut im Alter, das erkennen immer mehr Politiker aller „Größenordnungen“, wird für das Land ein Problem. Finanziell vor allem für Kommunen wie den Landkreis Nordhausen.


Es sind die Landkreise mit ihren Verwaltungen, die sich um behinderte, alte und schwache Menschen kümmern. Kümmern müssen, denn so steht es im Gesetz geschrieben. Und neben den ganz „normalen“ Aufwendungen im sozialen Bereich kommt zunehmend diejenige Kundschaft hinzu, die zwar Rente bezieht, dennoch aber auf staatliche Hilfe angewiesen ist. Wer nach der politischen Wende 1990/1991 seinen Job verloren und nie wieder Fuß gefaßt hatte, wer damals 47 oder 48 Jahre alt war, der ist nun Rentner. Endlich, sagt man eigentlich, habe ich es geschafft.

Für viele Betroffene, auch im Landkreis Nordhausen, geht das Elend weiter. Wer sich von einer Arbeitslosenphase in die andere hangelte, wer ab und zu mal auf dem mal mehr, mal weniger üppigen zweiten Arbeitsmarkt unterkam, der muß nun seine Rente aufstocken lassen. Selbst die Menschen, die Jobs hatten aber schlecht bezahlt wurden, müssen im Rentenalter „Stütze“ beantragen.

Das sind erschreckende Zahlen, die natürlich auch Teil eines immer verheerenderen Verhältnisses im Kreishaushalt sind. Mussten im Jahr 2001 noch 35 Prozent des gesamten Verwaltungshaushaltes für den Bereich „Jugend und Soziales“ im Einzelplan 4 ausgegeben werden, so waren es im vergangenen Jahr schon 56 Prozent. Das waren vor sieben Jahren rund 257 Euro je Einwohner des Landkreises. Im vergangenen Jahr waren es nach nnz-Informationen 534 Euro, was einer Steigerung um 213 Prozent entspricht. Hintergrund dieses Zahlenspiels ist auch die Tatsache, daß der Landkreis in diesem Betrachtungszeitraum mehr als 6.700 Einwohner verloren hat.

Damit wird auch klar, daß der Spielraum für andere Ausgabenpositionen immer kleiner wird. Aktuell ist die Verwaltung zum Beispiel nicht in der Lage, die gesetzlich vorgeschriebene Zuführung aus dem Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt zu erwirtschaften. Und so sah sich die erste Beigeordnete Jutta Krauth (SPD) veranlaßt, eine Bedarfszuweisung beim Land Thüringen zu beantragen. Etwas mehr als drei Millionen Euro sollen von Erfurt nach Nordhausen fließen. Doch davon sind wohl rund 2,5 Millionen Euro bereits verplant. Die werden zur teilweisen Deckung des Sollfehlbetrages aus dem Jahr 2006 gebracht.

Die Spirale wird von mehreren Seiten gedreht, sie zieht viele und vieles nach unten. Es scheint, als sei die Geschwindigkeit größer geworden und es scheint, als ließe sich das alles nicht wirklich aufhalten. Zumindest im kommunalen Revier sind die Instrumentarien des Gegensteuerns eher begrenzt.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de