nnz-doku: Hilferuf aus Sollstedt
Dienstag, 15. Januar 2008, 07:48 Uhr
Hilferuf !!! – Dringendste Bitte um Unterstützung, so beginnt ein Brief, den Sollstedts Bürgermeister Jürgen Hohberg an keine geringere als Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben hat. Die nnz veröffentlicht den vollen Wortlaut in ihrer doku-Reihe.
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
als vorbehaltloser Befürworter der Einheit Deutschlands und bedingungsloser Verfechter der Demokratie als Staatsform sehe ich die Entwicklungen, die unsere Region seit 1990 genommen hat, durchaus sehr positiv. Ich bin der Ansicht, dass wir von den blühenden Landschaften, der Vision des Kanzlers der Deutschen Einheit Dr. Helmut Kohl in der Wendezeit, gar nicht so weit entfernt sind! Ich verschließe aber auch nicht den Blick davor, dass sich vieles von dem, was sich die meisten von uns seinerzeit einfacher vorgestellt haben, langwieriger und problematischer gestaltet als gedacht.
Als Bürgermeister der ersten Stunde habe ich mich von Anfang an für den zügigen Bau einer Autobahn von Göttingen nach Halle eingesetzt, damit unsere Region Anschluss an die Ballungszentren erhält und nach dem Untergang des hiesigen Kalibergbaus nicht von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt wird. Die Planungen dafür begannen bereits 1990/91 unter dem Arbeitstitel A 82 und wurde in der Folge zum Verkehrsprojekt Deutsche Einheit, VDE Nr. 13, BAB 38.
Schon nach den ersten Trassenuntersuchungen war klar erkennbar, dass der Abschnitt zwischen Breitenworbis und Bleicherode, der unsere Gemeinde direkt tangiert, der mit Abstand anspruchsvollste auf der Gesamtstrecke von 208 km sein wird. Schwierige topografische Verhältnisse, weiträumige Bereiche, unter denen der Kalibergbau umging, Erdfallgebiete und ein ausgewiesenes FFH-Gebiet waren nur einige Aspekte, die bereits bei der Planung Zwangspunkte setzten. Dies alles führte dazu, dass erst im Mai 2006 der Planfeststellungsbeschluss gefasst wurde und nach den erforderlichen öffentlichen Ausschreibungen erst im Mai 2007 mit dem Anschlag des knapp 1 km langen Höllbergtunnels der offizielle Baustart erfolgte.
Neben diesem Tunnelbauwerk stellt die Friedetalbrücke in Sollstedt mit einer Länge von ca. 500 m, einer Höhe von 24 m und bis zu 60 m tief gegründeten Brückenpfeilern eine technische Herausforderung dar. Mit großer Freude nahmen wir kürzlich zur Kenntnis, dass in nur siebenmonatiger Bauzeit am 4.12.2007 der Tunneldurchschlag in der Nordröhre, wenige Tage später in der Südröhre des Höllbergtunnels erfolgte. Die Arbeiten auf dem etwa 12 km langen Abschnitt gehen insgesamt sehr zügig voran. Der vorgesehene Fertigstellungstermin ist der 15.12.2009.
Bereits im Jahr 2006 gründete sich eine Anwohnerinitiative B 80, die es sich zum Ziel gesetzt hat, auf eine zügige Fertigstellung des letzten Teilstücks der A 38 einzuwirken. Ihre sehr moderat vorgetragenen Bitten möchte ich hier nochmals sehr deutlich unterstützen. Bürgerwille sollte aber auch ernst genommen werden, bevor es zu lautstarken Demos o.ä. kommen muss. Der gesamte überregionale Fahrzeugverkehr schleppt sich zur Zeit mitten durch unseren Ort über die B 80.
Die daraus resultierenden Belastungen nicht nur für die Anwohner, sondern für alle Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde, haben bereits unerträgliche Größenordnungen angenommen, werden sich aber noch stetig verstärken. Im Herbst 2008 wird mit der Fertigstellung des derzeit noch im Bau befindlichen Streckenabschnitts von Eisleben bis zum Autobahndreieck Halle/Süd gerechnet, womit die durchgängige Anbindung der BAB 38 an die BAB 9 vollzogen wird. Dadurch wird sich das Verkehrsaufkommen nochmals erhöhen.
Die am Ortsausgang unmittelbar an der B 80 gelegene Grundschule ist für die Schüler/innen schon jetzt nur unter großen Gefahren zu erreichen, vor allem für ältere Bürgerinnen und Bürger gerät eine Fahrbahnüberquerung zum Abenteuer. Wie bereits oben erwähnt, geht es mit den Bauarbeiten zügig voran. Wie viele direkt am Bau Beteiligte sähen auch wir gute Chancen, dass eine vorgezogene Verkehrsfreigabe durchaus realistisch sein könnte. Dazu bedarf es aber nach unserer Auffassung Nachverhandlungen mit den am Bau beteiligten Firmen, für die dies ggf. mit höheren Aufwendungen verbunden wäre. Wir sind jedoch der Ansicht, dass dies aus verschiedenen Gründen zu vertreten wäre.
So können die auf der Fahrbahn der B 80 durch das überdurchschnittliche Verkehrsaufkommen zu erwartenden Schäden minimiert und früher Maut-Einnahmen für den immensen Schwerlastverkehr erzielt werden, womit zumindest ein Teil der eventuellen Mehrkosten kompensiert werden könnten. Auch die Minimierung des CO2-Ausstoßes ist u. E. ein nicht zu vernachlässigender Aspekt, denn auf der B 80 ist die Umweltbelastung durch stop & go an allen Werktagen immens.
Aus den genannten Gründen bitten wir um Ihre intensive Einflussnahme auf einen schnelleren Baufortschritt. Es darf nichts unversucht bleiben, die Wohn- und Lebensqualität unserer Bürgerinnen und Bürger so schnell wie möglich zu verbessern und ihnen die Tag und Nacht zu ertragenden Belastungen zu nehmen. Der Bundestagsabgeordnete unseres Wahlkreises, Herr Manfred Grund (MdB-CDU), steht vollinhaltlich zu unserem Anliegen. Als sein oberstes politisches Ziel benennt er die Verbesserung der Infrastruktur, insbesondere der A 38 und der A 4. Der Weg von seinem Wohnort Heiligenstadt zu seinem Wahlkreisbüro in Nordhausen führt über Sollstedt, so dass er aus eigener Erfahrung weiß, wovon die Rede ist!
Unsere Landesregierung und der Bundesverkehrsminister sollten ebenfalls das in ihren Kräften stehende tun, um unseren berechtigten Anliegen nachzukommen.
Mit freundlichen Grüßen
J. Hohberg, Bürgermeister
Autor: nnzSehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
als vorbehaltloser Befürworter der Einheit Deutschlands und bedingungsloser Verfechter der Demokratie als Staatsform sehe ich die Entwicklungen, die unsere Region seit 1990 genommen hat, durchaus sehr positiv. Ich bin der Ansicht, dass wir von den blühenden Landschaften, der Vision des Kanzlers der Deutschen Einheit Dr. Helmut Kohl in der Wendezeit, gar nicht so weit entfernt sind! Ich verschließe aber auch nicht den Blick davor, dass sich vieles von dem, was sich die meisten von uns seinerzeit einfacher vorgestellt haben, langwieriger und problematischer gestaltet als gedacht.
Als Bürgermeister der ersten Stunde habe ich mich von Anfang an für den zügigen Bau einer Autobahn von Göttingen nach Halle eingesetzt, damit unsere Region Anschluss an die Ballungszentren erhält und nach dem Untergang des hiesigen Kalibergbaus nicht von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt wird. Die Planungen dafür begannen bereits 1990/91 unter dem Arbeitstitel A 82 und wurde in der Folge zum Verkehrsprojekt Deutsche Einheit, VDE Nr. 13, BAB 38.
Schon nach den ersten Trassenuntersuchungen war klar erkennbar, dass der Abschnitt zwischen Breitenworbis und Bleicherode, der unsere Gemeinde direkt tangiert, der mit Abstand anspruchsvollste auf der Gesamtstrecke von 208 km sein wird. Schwierige topografische Verhältnisse, weiträumige Bereiche, unter denen der Kalibergbau umging, Erdfallgebiete und ein ausgewiesenes FFH-Gebiet waren nur einige Aspekte, die bereits bei der Planung Zwangspunkte setzten. Dies alles führte dazu, dass erst im Mai 2006 der Planfeststellungsbeschluss gefasst wurde und nach den erforderlichen öffentlichen Ausschreibungen erst im Mai 2007 mit dem Anschlag des knapp 1 km langen Höllbergtunnels der offizielle Baustart erfolgte.
Neben diesem Tunnelbauwerk stellt die Friedetalbrücke in Sollstedt mit einer Länge von ca. 500 m, einer Höhe von 24 m und bis zu 60 m tief gegründeten Brückenpfeilern eine technische Herausforderung dar. Mit großer Freude nahmen wir kürzlich zur Kenntnis, dass in nur siebenmonatiger Bauzeit am 4.12.2007 der Tunneldurchschlag in der Nordröhre, wenige Tage später in der Südröhre des Höllbergtunnels erfolgte. Die Arbeiten auf dem etwa 12 km langen Abschnitt gehen insgesamt sehr zügig voran. Der vorgesehene Fertigstellungstermin ist der 15.12.2009.
Bereits im Jahr 2006 gründete sich eine Anwohnerinitiative B 80, die es sich zum Ziel gesetzt hat, auf eine zügige Fertigstellung des letzten Teilstücks der A 38 einzuwirken. Ihre sehr moderat vorgetragenen Bitten möchte ich hier nochmals sehr deutlich unterstützen. Bürgerwille sollte aber auch ernst genommen werden, bevor es zu lautstarken Demos o.ä. kommen muss. Der gesamte überregionale Fahrzeugverkehr schleppt sich zur Zeit mitten durch unseren Ort über die B 80.
Die daraus resultierenden Belastungen nicht nur für die Anwohner, sondern für alle Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde, haben bereits unerträgliche Größenordnungen angenommen, werden sich aber noch stetig verstärken. Im Herbst 2008 wird mit der Fertigstellung des derzeit noch im Bau befindlichen Streckenabschnitts von Eisleben bis zum Autobahndreieck Halle/Süd gerechnet, womit die durchgängige Anbindung der BAB 38 an die BAB 9 vollzogen wird. Dadurch wird sich das Verkehrsaufkommen nochmals erhöhen.
Die am Ortsausgang unmittelbar an der B 80 gelegene Grundschule ist für die Schüler/innen schon jetzt nur unter großen Gefahren zu erreichen, vor allem für ältere Bürgerinnen und Bürger gerät eine Fahrbahnüberquerung zum Abenteuer. Wie bereits oben erwähnt, geht es mit den Bauarbeiten zügig voran. Wie viele direkt am Bau Beteiligte sähen auch wir gute Chancen, dass eine vorgezogene Verkehrsfreigabe durchaus realistisch sein könnte. Dazu bedarf es aber nach unserer Auffassung Nachverhandlungen mit den am Bau beteiligten Firmen, für die dies ggf. mit höheren Aufwendungen verbunden wäre. Wir sind jedoch der Ansicht, dass dies aus verschiedenen Gründen zu vertreten wäre.
So können die auf der Fahrbahn der B 80 durch das überdurchschnittliche Verkehrsaufkommen zu erwartenden Schäden minimiert und früher Maut-Einnahmen für den immensen Schwerlastverkehr erzielt werden, womit zumindest ein Teil der eventuellen Mehrkosten kompensiert werden könnten. Auch die Minimierung des CO2-Ausstoßes ist u. E. ein nicht zu vernachlässigender Aspekt, denn auf der B 80 ist die Umweltbelastung durch stop & go an allen Werktagen immens.
Aus den genannten Gründen bitten wir um Ihre intensive Einflussnahme auf einen schnelleren Baufortschritt. Es darf nichts unversucht bleiben, die Wohn- und Lebensqualität unserer Bürgerinnen und Bürger so schnell wie möglich zu verbessern und ihnen die Tag und Nacht zu ertragenden Belastungen zu nehmen. Der Bundestagsabgeordnete unseres Wahlkreises, Herr Manfred Grund (MdB-CDU), steht vollinhaltlich zu unserem Anliegen. Als sein oberstes politisches Ziel benennt er die Verbesserung der Infrastruktur, insbesondere der A 38 und der A 4. Der Weg von seinem Wohnort Heiligenstadt zu seinem Wahlkreisbüro in Nordhausen führt über Sollstedt, so dass er aus eigener Erfahrung weiß, wovon die Rede ist!
Unsere Landesregierung und der Bundesverkehrsminister sollten ebenfalls das in ihren Kräften stehende tun, um unseren berechtigten Anliegen nachzukommen.
Mit freundlichen Grüßen
J. Hohberg, Bürgermeister
