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Bürokratie behindert Unternehmer

Sonntag, 14. April 2002, 09:29 Uhr
Nordhausen (nnz). Gerade attraktiv sind die meisten ostdeutschen Städte nach Ansicht der dort ansässigen Unternehmer nicht. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), mit dem sich nnz im folgenden beschäftigt.


20.000 Unternehmer wurden bundesweit zu dieser Studie befragt. "Bürger und Wirtschaft empfinden die Abgabenbelastung als nicht mehr akzeptabel", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben bei der Vorstellung der Ergebnisse am Freitag in Berlin. Zu hohe Steuern und Sozialabgaben, ein überregulierter Arbeitsmarkt sowie ein unmodernes Bildungssystem behinderten das Wachstum. "In der vergleichsweise schlechten Standortbewertung durch ostdeutsche Unternehmen kommt vor allem ein überwiegend negatives Image der Region zum Ausdruck", erläuterte Wansleben und führt diese schlechte Bewertung u.a. auf fehlende Arbeitskräfte zurück. Es bestehe dort das große Problem, Leute zu finden, die eine geeignete Ausbildung haben, um von den Unternehmen beschäftigt zu werden.

Der beste von 69 Standorten innerhalb Deutschlands ist Frankfurt/M., gefolgt von Offenbach, Aschaffenburg, Fulda und Hamburg. Zu den bewerteten Faktoren gehörten natürlich auch subjektive Faktoren wie Nähe zu Kunden und Lieferanten, Bildungsstätten, Infrastruktur, Kosten und Qualität der lokalen Behörden. In den neuen Ländern schnitt Rostock auf Platz 28 am besten ab. Die meisten übrigen Regionen im Osten Deutschlands landeten nur auf Plätzen im unteren Drittel. Berlin kam als schlechteste Metropole nur auf Platz 59, wogegen Erfurt immerhin den 44. Platz erreichte. Die rote Laterne trägt Cottbus.

Eine Ursache der Standortprobleme hier zu Lande sind laut Daimler-Chrysler-Finanzchef Manfred Gentz auch die zu hohen Erwartungen der Deutschen an die Marktwirtschaft. "Unsere Gesellschaft muss lernen, mit sozialen Härten und Ungerechtigkeiten zu leben", sagte der Manager am Donnerstagabend bei einer Diskussion zum 100-jährigen Bestehen der IHK Berlin. Er kritisierte die zu hohe soziale Absicherung. Das Sozialsystem müsse mehr Anreize für Arbeitslose schaffen, sagte Gentz. „Die soziale Marktwirtschaft hat die Leistungsanreize falsch gestellt. Besonders die Absicherung für untere Lohngruppen ist zu hoch", urteilte er.

Im Ganzen bewerteten die Unternehmen die Standortbedingungen in Deutschland als "befriedigend", sagte Wandsleben. Niedrigere Sozialbeiträge und Steuern, ein flexiblerer Arbeitsmarkt und ein modernes Bildungssystem seien jedoch dringend erforderlich. "Befriedigend reicht nicht für ein Land, das Hochlohnland ist", sagte er. Wobei er sich mit dieser Auffassung nicht ganz im Einklang mit dem Hauptgeschäftsführer des IHK Erfurt, Gerald Grusser befindet, der die Bewertung Erfurts - gleichbedeutend mit Mittel- und Nordthüringen - mit dem 44. Platz als zunächst zufriedenstellend bezeichnet. Allerdings ist auch er der Meinung, dass es jetzt darum geht, die Kritikpunkte der Unternehmer aufzugreifen und an Verbesserungen zu arbeiten. Speziell dazu wird noch ein Beitrag in nnz folgen.
Autor: nnz

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