Heimatgeflüster: Geschichten der besonderen Art (1)
Freitag, 17. November 2000, 19:19 Uhr
Nordhausen (nnz). Heimatgeflüster - Geschichten der besonderen Art. Unter diesem Motto veröffentlicht nnz jeweils zum Wochenende kleine Begebenheiten, die zwar mitten aus dem Leben, aber nicht immer ganz ernst gemeint sind. Mehrere Autoren haben sich bereit erklärt, ihre Erlebnisse der zurückliegenden Woche mit einer kleinen oder manchmal auch größeren Portion Schal(c)k (nicht Golodkowski) zu versehen.
Heute: Adele Freifrau vom Brandesbach, Beruf Hausfrau - Entschuldigung Hausdame
Meine Lieben,
ich lade Sie ein zu einer unterhaltsamen Lektüre meiner unglaublichen Erlebnisse der letzten Woche. Mein persönlich geführtes Kalendarium zeigte es an: November - triste Natur, Regen und Matsch - aber der wirtschaftliche Höhepunkt der Region - die Süd-Harz-Messe.
Drei Worte, die nur eins verheißen können - Fundgrube des Fortschritts, Ausstellung der Kreativen, Abenteuer Forschung. Diese Menschen hatten meine Anwesenheit verdient. Schnell das lange Schwarze angezogen, den Hermelin übergeworfen und den Fahrer pünktlich auf 10 Uhr bestellt und schon ging es Richtung Stadtzentrum. Keine Mittel gescheut hatten die Veranstalter dieses Events. Schon der Messeparkplatz - vom Feinsten. Für die anstrengende Tour über das Messegelände hatte man hier die Möglichkeit geschaffen, in einem Fritz'igen Supermarkt die letzten Snacks und Erfrischungen zu erstehen.
An der Kasse wurde ich huldvoll begrüßt und als bedeutende Dame dieser Stadt hineingebeten. Ich ließ es mir natürlich nicht nehmen, dem freundlichen Personal ein kleines Trinkgeld von 7,50 DM zukommen zu lassen. Übersichtlich geordnet lagen sie nun vor mir, die Hallen der Süd-Harz-Messe, überhaupt nicht zu vergleichen mit dem organisatorischen Chaos einer Expo oder Cebit. Ich begann nun meinen Rundgang. Meine Lieben, ich möchte Euch nicht langweilen mit den vielen Gesprächen, die mir meistens aufgenötigt wurden, aber lasst mich resümieren.
An Rhein und Mosel mag des Winzers Herz wohl hängen, aber der Südharz mit Helme und Zorge bringt deutlich mehr Weingüter hervor, die ihre edlen Tropfen darbieten. Einen trockenen Müller-Thurgau hier, einen kräftigen Cabernet da, als Aperitif natürlich einen Malaga und schon nach der ersten Halle ließ ich mich leicht und beschwingt zur nächsten treiben. Und wieder ein Cabernetchen hier, einen Bordeaux da; ich mag es kaum aussprechen, aber ich verlor ein wenig die Kontrolle und dann muss es mich wohl in den Südharz-Bau Bereich verschlagen haben. Diese vielen attraktiven, technisch versierten und gut gekleideten jungen Männer, ich konnte einfach nicht nein sagen. Um es kurz zu machen, ich bin jetzt in Besitz von neun Kaminen, drei Bädern, zwei Designer-Tischen und lasse mein Dach erst mit Naturziegeln im matten Schwarz und anschließend mit einer innovativen Leichtziegel decken. Auf dem Weg zum Ausgang wurde ich noch in ein Korsett gezwängt und musste an grünen Bierkästen nach oben klettern bis diese unter mir nachgaben. Die Kästen stürzten und ich auch - aber nach draußen.
Zurück zur Limousine, um huldvoll den Weg nach Hause anzutreten. Tja meine Lieben, Ihr wisst ich neige manchmal ein wenig zu Übertreibungen. Gut, der Hermelin ist halt nur Kanin und meine Limousine ist gelb und es steht Taxi drauf, dafür ist aber diese Veranstaltung am Bebel-Platz auch keine Messe. Noch ein Tee meine Lieben? Nein, na dann bis zum nächsten Mal
Ihre Adele Freifrau vom Brandesbach
Autor: nnzHeute: Adele Freifrau vom Brandesbach, Beruf Hausfrau - Entschuldigung Hausdame
Meine Lieben,
ich lade Sie ein zu einer unterhaltsamen Lektüre meiner unglaublichen Erlebnisse der letzten Woche. Mein persönlich geführtes Kalendarium zeigte es an: November - triste Natur, Regen und Matsch - aber der wirtschaftliche Höhepunkt der Region - die Süd-Harz-Messe.
Drei Worte, die nur eins verheißen können - Fundgrube des Fortschritts, Ausstellung der Kreativen, Abenteuer Forschung. Diese Menschen hatten meine Anwesenheit verdient. Schnell das lange Schwarze angezogen, den Hermelin übergeworfen und den Fahrer pünktlich auf 10 Uhr bestellt und schon ging es Richtung Stadtzentrum. Keine Mittel gescheut hatten die Veranstalter dieses Events. Schon der Messeparkplatz - vom Feinsten. Für die anstrengende Tour über das Messegelände hatte man hier die Möglichkeit geschaffen, in einem Fritz'igen Supermarkt die letzten Snacks und Erfrischungen zu erstehen.
An der Kasse wurde ich huldvoll begrüßt und als bedeutende Dame dieser Stadt hineingebeten. Ich ließ es mir natürlich nicht nehmen, dem freundlichen Personal ein kleines Trinkgeld von 7,50 DM zukommen zu lassen. Übersichtlich geordnet lagen sie nun vor mir, die Hallen der Süd-Harz-Messe, überhaupt nicht zu vergleichen mit dem organisatorischen Chaos einer Expo oder Cebit. Ich begann nun meinen Rundgang. Meine Lieben, ich möchte Euch nicht langweilen mit den vielen Gesprächen, die mir meistens aufgenötigt wurden, aber lasst mich resümieren.
An Rhein und Mosel mag des Winzers Herz wohl hängen, aber der Südharz mit Helme und Zorge bringt deutlich mehr Weingüter hervor, die ihre edlen Tropfen darbieten. Einen trockenen Müller-Thurgau hier, einen kräftigen Cabernet da, als Aperitif natürlich einen Malaga und schon nach der ersten Halle ließ ich mich leicht und beschwingt zur nächsten treiben. Und wieder ein Cabernetchen hier, einen Bordeaux da; ich mag es kaum aussprechen, aber ich verlor ein wenig die Kontrolle und dann muss es mich wohl in den Südharz-Bau Bereich verschlagen haben. Diese vielen attraktiven, technisch versierten und gut gekleideten jungen Männer, ich konnte einfach nicht nein sagen. Um es kurz zu machen, ich bin jetzt in Besitz von neun Kaminen, drei Bädern, zwei Designer-Tischen und lasse mein Dach erst mit Naturziegeln im matten Schwarz und anschließend mit einer innovativen Leichtziegel decken. Auf dem Weg zum Ausgang wurde ich noch in ein Korsett gezwängt und musste an grünen Bierkästen nach oben klettern bis diese unter mir nachgaben. Die Kästen stürzten und ich auch - aber nach draußen.
Zurück zur Limousine, um huldvoll den Weg nach Hause anzutreten. Tja meine Lieben, Ihr wisst ich neige manchmal ein wenig zu Übertreibungen. Gut, der Hermelin ist halt nur Kanin und meine Limousine ist gelb und es steht Taxi drauf, dafür ist aber diese Veranstaltung am Bebel-Platz auch keine Messe. Noch ein Tee meine Lieben? Nein, na dann bis zum nächsten Mal
Ihre Adele Freifrau vom Brandesbach
