nnz-online

Schweigen?

Donnerstag, 11. April 2002, 11:36 Uhr
Nordhausen (nnz). Vor 57 Jahren ist das damalige KZ Mittelbau Dora vor den Toren Nordhausens befreit worden. Heute gedachten ehemalige Häftlinge dieses Tages. Es waren Momente des Schweigens, der Erinnerung, der Betroffenheit und der Mahnung.


Schweigen und Mahnen Sie wissen nicht, ob sie im nächsten Jahr wieder nach Nordhausen kommen können: Die Überlebenden der „Hölle Dora“, die Zeugen einer unmenschlichen Zeit. General Bernard D' Astord sprach von den Menschen, die diese Hölle durch- und überlebten als die letzten Zeitzeugen, denen vielleicht schon morgen die Geschichte folgen wird. 30 ehemalige Häftlinge gedachten mit D' Astord den Toten des Konzentrationslager. 20.000 waren es. 20.000 mal wurden hier und in den Außenlagern, wurden auf Todesmärschen Leben ausgelöscht.

Die Minuten des Schweigens und Gedenkens sollen jedoch nicht die einzige Mahnung sein, daß sich dieses nicht wiederhole. Der alte Mann forderte die Generationen auf, nicht nur zu schweigen. Die Erfahrungen, welche die Häftlinge in Dora durchlebten, sie wiederholen sich in unserer Welt, auch 57 Jahre danach. „Noch immer gibt es Unrecht, Folter und Tod der Herrschenden gegenüber Menschen, die einfach nur eine andere Hautfarbe, Rasse oder Religion haben. Wir können und müssen Schulden gegenüber den Toten von Dora tilgen, wenn wir den Kampf für die elementarsten Menschenrechte fortführen. Wir, die Überlebenden, müssen uns auch weiterhin für eine menschliche Zukunft einsetzen“, mahnte D'Astord.

Er trug in der Nähe von Nordhausen die Nummer 20.181 an seiner Häftlingskleidung, monatelang war er nur diese Nummer, kein Mensch. Heute ist er wichtiger Zeuge. Er gibt seine Erlebnisse an junge Generationen weiter und hofft, dass daraus eine Saat der Menschenwürde, Toleranz und Achtung vor dem Anderen aufgehen würde.

Nach der Kranzniederlegung wurde in der Feuerwache der Gedenkstätte Mittelbau-Dora eine neue Fotoausstellung eingeweiht. Am Nachmittag soll das Außenlager Harzungen besucht werden. Dort werden an den Gräbern von 27 Häftlingen Blumen und Kränze niedergelegt. Dora war mehr als nur das Zentrallager bei Nordhausen. Es war die erlebte Hölle!
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de