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nnz-Forum: Sprüche klopfen

Mittwoch, 12. Dezember 2007, 08:25 Uhr
Mit dem Fall des toten Babys in Nordhausen beschäftigt sich eine Leserin der nnz im Forum...


Wie viel tote Kinder hatten wir allein in diesem Jahr? Ich weiß es nicht mehr. Es waren einfach zu viele. Nun hat es in Nordhausen auch ein totes Baby gegeben. Die Reaktion der Politik ist wie immer, wir sind bestürzt, wir haben doch ein flächendeckendes Netzwerk der medizinischen Betreuung, dass so etwas nicht geschehen dürfte. Es ist den Politikern immer noch nicht bewusst, dass es nicht ausreicht medizinische Betreuung zu geben.

Was ist mit der sozialen Schieflage geworden, dass durch die Hartz-IV Gesetze immer mehr Familien verarmen. (so hat z. B. ein Hartz-IV Empfänger durch die Inflation 125 Euro weniger in der Tasche). Ein weiterer Punkt, der mich stört ist die Tatsache, dass die Frau aus Nordhausen eineen Notruf nach Hamburg gemacht hat. Haben wir denn in Nordhausen nicht so eine Notrufzentrale oder ist sie nur an Werktagen besetzt? Fehlt es in Nordhausen an Geld oder Personal, um ein solches Nottelefon einzurichten?

Den Politikern fällt nichts besseres ein, als an die Bürger zu appellieren, sich nicht anderen gegenüber zu verschließen und in Not geratende Menschen zu helfen. Dazu kann ich nur sagen, waren und sind es nicht hochrangige Politiker, die versuchen mit ihren Reden, die Hilfebedürftigen ins soziale Abseits zu stellen. Sogar aus den Reihen der Grünen hört man diskriminierende Stimmen. So behauptet ein gewisser Metzger, die Arbeitslosen würden nur sinnlos Kalorien und Bier aufnehmen.

Die Sprücheklopfer von der CDU will ich gar nicht erst erwähnen, und vor diesem Hintergrund verlangen die Politiker vom normalen Bürger, er soll den Menschen in Not helfen. Wie ist das denn gemeint? Soll der Nachbar jetzt dem Nachbar mit Geld aushelfen, weil der Staat für die armen Bürger nichts über hat. Was tut denn der Staat für die Armen? Da gehen Menschen arbeiten und müssen Hartz- IV beantragen. Kann sich ein Politiker vorstellen, welch eine seelische Belastung das ist?

Es ist statistisch bewiesen, dass arme Menschen immer häufiger von seelischen Krankheiten befallen werden und das macht es dann den Behörden leichter von geisteskranken Müttern zu sprechen. Das ist doch ein Skandal ohne Gleichen.
Übrigens wurden schon wieder zwei tote Babys. Eins fand man in einem Waldstück nahe Reilingen und eins wurde in Schwarzheide von seiner 17 jährigen Mutter getötet. Aber auch hier werden die Parteien nichts gravierendes unternehmen, um die soziale Schieflage zu verbessern. Die „Neue Linke“ ausgeschlossen, denn sie hat sich ja den Kampf gegen soziale Armut auf die Fahne geschrieben.

Unter welchen seelischen Druck Hartz IV-Empfänger stehen, zeigt Kaiserslautern, dort hat am Dienstag ein Mann, dem das Geld nicht ausgezahlt wurde, eine Frau niedergestochen, die Frau ist zum Glück außer Lebensgefahr. Ich frage mich, ob die Politiker nachvollziehen können unter welch seelischen Druck der Mann stand. Stellen sie sich vor, sie haben Kinder und kein Geld um ihnen Essen zu kaufen.

Ein weiterer Fall von purer Arroganz ist Heinrich Alt, er ist im Vorstand der BA und zuständig für die Hartz IV-Empfänger. Auf die Frage ob 347 Euro nicht zu wenig wären, um davon zu leben, sagt er ja, aber wir haben doch Sozialkaufhäuser (An & Verkauf) oder Mittagstische (Tafeln). Das zeigt deutlich, das für Alt alle Bedürftigen, Menschen zweiter Klasse sind, sie können von dem leben, was andere nicht mehr wollen.
Petra Wenkel, Nordhausen
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Autor: nnz

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