Betrachtet: Immer größer?
Donnerstag, 29. November 2007, 16:55 Uhr
Es ist bekannt – Nordhausen befindet sich derzeit auf kommunaler Einkaufstour. Rodishain, Stempeda und Petersdorf. Geht es nach dem Willen der Rathausspitze, dann sollen die Einheitsgemeinden Werther und Hohenstein folgen. Es geht aber nicht nur nach Nordhausen...
Es ist klar und – aus Nordhäuser Sicht – auch verständlich: Als momentan größte Stadt in Nordthüringen will man größer werden, um für immer und ewig Kreisstadt zu sein. Mehr Menschen werden zusätzlich in den kommenden Jahren nicht in die Stadt ziehen, auch wenn es hier ein Theater, künftig ein zweites Einkaufszentrum und einige Verkehrskreisel gibt. Also kauft man sich mit Hilfe des Gesetzgebers Bürger dazu. 100 Euro je Bürger spendiert ja das Land an diejenigen Kommunen, die sich einverleiben lassen. Das wären zum Beispiel im Fall der Gemeinde Hohenstein knappe 300.000 Euro und bei Werther mehr als 350.000 Euro.
Doch gerade das Land Thüringen und dessen politisches Kontrollorgan, der Landtag, werden den Expansionswünschen der Rolandstadt vielleicht einen Strich durch die Rechnung machen. In den Fluren des Landtages flüstert man spätestens seit der Genehmigung der letzten Eingemeindungen, daß dies auch die letzten gewesen seien. Mehr werde man nicht zulassen. Das liegt nicht allzusehr an der Abneigung gegenüber einer SPD-dominierten Rathausspitze, das hat höhere Ursachen.
Wenn Nordhausen mit Hohenstein und Werther und vielleicht in der Goldenen Aue noch einige Häppchen dazubekommt, dann wäre das Ziel der nachhaltigen Bevölkerungszahl so um die 50.000 herum erreicht. Das hieße aber auch, man nehme dem Rest-Landkreis diese Menschen weg. 50.000 Nordhäusern würden dann nicht einmal mehr 40.000 Nicht-Nordhäuser gegenüberstehen. Der Rest-Landkreis hätte sich damit erledigt. Und genau hier wird die Landesregierung eingreifen, die ja unbedingt eine Kreisgebietsreform verhindern will. Den Restlandkreis müsse man aufteilen. Wer aber, mit Verlaub, will schon Bleicherode oder Heringen in sein Hoheitsgebiet einschließen. Das Eichsfeld wird – das steht fest wie das Amen in der Kirche – abwinken. Und der Kyffhäuserkreis? Auch dort würde das Elend nur noch größer werden.
Was bleibt also für Nordhausen. Zum Frühlingsbeginn 2008 müßten die entsprechenden Papiere im Thüringer Innenministerium längst abgegeben sein, damit ein eventuelles Gesetz zum 1.1.2009 wirksam werden kann. Schließlich soll das Superwahljahr schon in den neuen Strukturen stattfinden. Größere Städte kann die CDU in Thüringen kaum gebrauchen, auch wohl deshalb wurden die Landgemeinden in den politischen Ring geworfen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzEs ist klar und – aus Nordhäuser Sicht – auch verständlich: Als momentan größte Stadt in Nordthüringen will man größer werden, um für immer und ewig Kreisstadt zu sein. Mehr Menschen werden zusätzlich in den kommenden Jahren nicht in die Stadt ziehen, auch wenn es hier ein Theater, künftig ein zweites Einkaufszentrum und einige Verkehrskreisel gibt. Also kauft man sich mit Hilfe des Gesetzgebers Bürger dazu. 100 Euro je Bürger spendiert ja das Land an diejenigen Kommunen, die sich einverleiben lassen. Das wären zum Beispiel im Fall der Gemeinde Hohenstein knappe 300.000 Euro und bei Werther mehr als 350.000 Euro.
Doch gerade das Land Thüringen und dessen politisches Kontrollorgan, der Landtag, werden den Expansionswünschen der Rolandstadt vielleicht einen Strich durch die Rechnung machen. In den Fluren des Landtages flüstert man spätestens seit der Genehmigung der letzten Eingemeindungen, daß dies auch die letzten gewesen seien. Mehr werde man nicht zulassen. Das liegt nicht allzusehr an der Abneigung gegenüber einer SPD-dominierten Rathausspitze, das hat höhere Ursachen.
Wenn Nordhausen mit Hohenstein und Werther und vielleicht in der Goldenen Aue noch einige Häppchen dazubekommt, dann wäre das Ziel der nachhaltigen Bevölkerungszahl so um die 50.000 herum erreicht. Das hieße aber auch, man nehme dem Rest-Landkreis diese Menschen weg. 50.000 Nordhäusern würden dann nicht einmal mehr 40.000 Nicht-Nordhäuser gegenüberstehen. Der Rest-Landkreis hätte sich damit erledigt. Und genau hier wird die Landesregierung eingreifen, die ja unbedingt eine Kreisgebietsreform verhindern will. Den Restlandkreis müsse man aufteilen. Wer aber, mit Verlaub, will schon Bleicherode oder Heringen in sein Hoheitsgebiet einschließen. Das Eichsfeld wird – das steht fest wie das Amen in der Kirche – abwinken. Und der Kyffhäuserkreis? Auch dort würde das Elend nur noch größer werden.
Was bleibt also für Nordhausen. Zum Frühlingsbeginn 2008 müßten die entsprechenden Papiere im Thüringer Innenministerium längst abgegeben sein, damit ein eventuelles Gesetz zum 1.1.2009 wirksam werden kann. Schließlich soll das Superwahljahr schon in den neuen Strukturen stattfinden. Größere Städte kann die CDU in Thüringen kaum gebrauchen, auch wohl deshalb wurden die Landgemeinden in den politischen Ring geworfen.
Peter-Stefan Greiner
