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Blau-Weiß kontra Rot-Weiß

Donnerstag, 22. November 2007, 20:03 Uhr
Wenn der FSV Wacker 90 Nordhausen schon einmal gegen die Landeshauptstädter spielt, sei es auch „nur der zweite Anzug“, lohnt doch zur Erinnerung ein kleiner Rückblick auf gemeinsame Fußballschlachten. Und die serviert in der nnz Klaus Verkouter...


Die Gäste am Samstag (Foto: RWE^) Die Gäste am Samstag (Foto: RWE^) „Willkommen, DDR-Meister 1954/55!“, lautete die Überschrift im „Fußball-Echo“, dem Programmheft der BSG Motor Nordhausen West am 17. August 1955. In dem so angekündigten Freundschaftsspiel vor 8000 Zuschauern gegen den SC Turbine Erfurt, das Nordhausen mit 3:6 verlor, wirkten auf Seiten der Gäste solche „Fußballergranaten“ wie Nordhaus, Rosbigalle, Müller oder Vollrath mit. Bis zur 23. Minute hatte Vollrath mit einem Hattrick die Blumenstädter klar in Führung geschossen. Dann wuchs Nordhausen über sich hinaus. Was selbst die kühnsten Optimisten nicht für möglich gehalten haben, geschah: In der 50. Minute stand es urplötzlich 3:3. Ein umstrittener Handelfmeter führte dann zur Erfurter Führung und zog den Einheimischen den Nerv.

81 mehr oder weniger spannende Vergleiche zwischen beiden Vereinen gingen inzwischen über die Bühne. Dreimal holten sich die Nordhäuser sogar Unterstützung, zweimal Salza, einmal Sondershausen (Theater-Benefizspiel), um in Kombinationen die Erfurter herauszufordern. Neben der Vielzahl freundschaftlicher Begegnungen auf dem Rasen oder in der Halle lieferten sich beide Vereine 30-mal um Punkte und 6-mal im Pokal packende und emotionale Duelle.

Unvergessen bleiben die beiden überzeugenden Endspielerfolge im Thüringer Landespokal 1996 und 1997 auf neutralem Boden (in Sondershausen 1:0 und in Heldrungen 3:2), bei denen die favorisierten Rot-Weißen den blau-weißen Nordhäusern unterlagen und Wacker im DFB-Pokal große Bundesligisten im Albert-Kuntz-Sportpark bescherten. Das waren Zeiten!

Selbst die dreißig Punktspiele (14 gegen Turbine/Rot-Weiß Erfurt I und 16 gegen die Zweite) sahen nicht nur die Erfurter im Vorteil. Die größten Nordhäuser Erfolge in Pflichtspielen gegen die erste Garnitur der Blumenstädter gelangen 1993 im Heimspiel der NOFV-Amateuroberliga mit 2:1 und 1995 in Erfurt bei sengender Hitze mit 1:0 im Regionalligaspiel. Waren das Fußballleckerbissen gegen den Klub auf dem grünen Rasen, die immer in angenehmer Erinnerung bleiben, weil wir damals fast auf Augenhöhe spielten!

Am kommenden Sonnabend nun sind die Neunziger nicht einmal gegen die zweite Mannschaft des FC Rot-Weiß im Heimspiel die Favoriten. Wer einen Blick auf die Tabelle wirft, sieht genug: 33 Punkte von 33 möglichen hat Erfurt bei noch ausstehenden zwei Nachholspielen in der Thüringenliga gesammelt. 33 Tore erzielte die Klubreserve dabei, nur sechsmal musste man in elf Spielen Treffer hinnehmen.

Gegen Rot-Weiß II gab es in der Vergangenheit in der Bezirksliga Erfurt, in der DDR-Liga und in der Thüringenliga bei den 16 Vergleichen um Punkte acht Nordhäuser Erfolge und fünf Erfurter Siege. Dreimal trennte man sich unentschieden. Trotz der Außenseiterrolle der Südharzer stellt sich die Frage: Warum sollte nicht Wacker den designierten Oberligaaufsteiger als erste Elf ins Straucheln bringen. Mit einer Wiederholung der couragierten Leistung in Rudolstadt könnte vielleicht etwas drin sein, zumal Erfurts Erste zeitgleich in Düsseldorf anzutreten hat.

Trainer Venth und die Zuschauer (bisher 2234; nach sechs Heimspielen Spitze in der Liga) wären wohl aus dem Häuschen, selbst wenn es „nur“ die Reserve der Blumenstädter ist.
Klaus Verkouter
Autor: nnz

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