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Jetzt noch besser

Mittwoch, 21. November 2007, 11:09 Uhr
Eine „Beinah-Katastrophe“ in eine unternehmerische Glanzleistung schönzureden können eigentlich nur Politiker. Drei Kommunalpolitiker, die dazu noch im sozialen Bereich „unterwegs“ sind, lieferten heute ein Meisterstück ab...


Die nnz hatte vor einigen Tagen über Merkwürdigkeiten bei der LIFT gmbH berichtet. Heute nun, 15 Tage später, gab es dazu in den Räumen des ehemaligen LIFT-Hauptgesellschafters, dem Jugendsozialwerk (JUSOWE), eine Pressekonferenz. „Wir denken, daß es der richtige Zeitpunkt war“, so JUSOWE-Chef Andreas Weigel (Kreistagsmitglied, Stadtratsmitglied) zu Beginn seines Statements. Es war also der richtige Zeitpunkt, die Gesellschafterstrukturen bei LIFT neu zu ordnen. Das Jugendsozialwerk (bislang mit 97 Prozent der Hauptgesellschafter) gibt ein dickes Anteilspaket an den Horizont e.V. ab, dessen Chef, René Kübler (Stadtratsmitglied, Kreistagsmitglied) sich darüber ausdrücklich freute. Jetzt sieht die Struktur folgendermaßen aus: Horizont hält 70 Prozent, das Jugendsozialwerk 27 Prozent, drei Prozent bleiben nach wie vor in den Händen zweier Damen aus den Gründerzeiten von LIFT.

In der Einladung zur Pressekonferenz war vermeldet worden, daß man über Hintergründe aufklären wollte. Die liegen nun, so läßt es sich resümieren, in der bisher guten Arbeit der Lift-Geschäftsleitung, die jetzt aber noch besser werden soll. Und da machten solche Worte wie „Synergieeffekte, Effizienz, Profilschärfung“ die Runde. Statt in unterschiedlichen Gräben und Stellungen zu kämpfen, wollen Lift und Horizont nun gemeinsam handeln. Völlig neu dabei ist, daß jeder selbständig handeln kann.

Man stelle sich das so vor: Eine Institution vergibt einen sozialen Auftrag und es bewerben sich die Lift gGmbH auf der einen und deren Hauptgesellschafter (Horizont) auf der anderen Seite. Muß sich der Auftraggeber da nicht irgendwie verschaukelt vorkommen? Nach Ansicht von Hannelore Haase (Kreistagsmitglied), der Geschäftsführerin der LIFT gGmbH, „lähmt Konkurrenz das Handeln, sie verbrennt Ressourcen.“ Also doch eine Monopolstellung, wenn auch geschickt verschleiert!

Die Merkwürdigkeiten der Begründungen gehen aber noch weiter. Man wolle sich für eine künftige Kreisgebietsreform aufstellen. Zum Beispiel am Gebrauchtmöbelmarkt. So betreibe die LIFT gGmbH (natürlich erfolgreich) ein Gebrauchtmöbel- und -warenhaus in Nordhausen, Horizont wiederum eines in Heiligenstadt. Jedoch wird der Landkreis Eichsfeld wohl nur dann zum Landkreis Nordhausen gehen, wenn die Mehrheit seiner Bevölkerung dem katholischen Glauben absagt.

Der bisher „erfolgreiche Weg“ der LIFT gGmbH hinterläßt während der jetzt beginnenden Metamophose zu noch mehr Erfolg natürlich auch Spuren. Von einem Teil der derzeit 52 festen Mitarbeiter werde man sich trennen müssen, gestand Frau Haase auf Nachfrage ein. So sollen Zeitverträge nicht verlängert werden. Auch die Gehaltsstruktur soll verändert werden. Ob die der Geschäftsleitung auch, diese Antwort blieb außen vor.

Auf jeden Fall wird die Geschäftsleitung schlanker, der langjährige Prokurist Andreas Knuhr „hat die Chance genutzt, sich neuen Aufgabenfeldern zuzuwenden“, wie es heute formuliert wurde.

Ganz wichtig zu verkünden war dem Trio heute, daß die LIFT gGmbH ein eingeständiges Profil entwickeln solle, sich vordringlich um ältere Arbeitnehmer, Senioren und Frauen kümmern soll. Und wie gesagt: Es wird ab dem 1. Januar 2008 noch besser, als es eh schon war.
Autor: nnz

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