Betrachtet: Ich bleibe bei der Post!
Dienstag, 13. November 2007, 16:27 Uhr
Nordhausen (nnz). Haben Sie in diesen Tagen Mitleid mit dem Paketfahrer der Post oder der Ihnen bekannten Briefträgerin? Die Frauen und Männer sind bei Wind und Wetter unterwegs. Welcher Lohn ist für Sie gerechtfertigt? Eine Betrachtung in der nnz.
Sicher, Mindestlöhne sind ein Reizwort, für Vizekanzler Müntefering waren sie das entscheidende Steinchen in seinem Ausstiegespuzzle. Aber sind nicht Mindestlöhne auch ein Garant dafür, das ausgereichte Arbeitsleistung auch ein normales Leben ermöglichen kann? Ob 8 Euro oder 9,50 Euro, wie für die Briefträger ab dem kommenden Jahr vorgeschlagen, das ist egal. Wichtig ist, daß die Politik klare Regeln vorgibt, wie weit runter es mit Löhnen gehen kann.
Wenn die künftigen Briefdienstleister ab 2008 an den Markt stürzen, dann wollen sie die Preise drücken. Das bringen die Regeln der Marktwirtschaft so mit sich. Doch verfügen die Neuen über wirklich clevere Logistiklösungen? Kommen die täglich wirklich bis nach Haferungen oder Friedrichsthal? Da gibt es dann keinen Versorgungsauftrag mehr, da geht es um Effektivität.
Schon jetzt haben viele Großkunden, vor allem Verwaltungen ihre Probleme mit den privaten Anbietern. Im Kyffhäuserkreis mußten schon Kreistagssitzungen verschoben werden, nur weil die privat-verteilte Post mit den Einladungen zu spät beim Adressaten ankam. Ähnliches ist aus dem Landkreis Nordhausen zu berichten.
Sieht man die Fahrradkuriere in Nordhausen die Post verteilen, da fällt sofort auf: Eine Arbeitsbekleidung für Regenwetter haben nur die, die sich das privat leisten können. Regenkleidung durch den Arbeitgeber? Fehlanzeige, man will ja preiswerter sein. Auf wessen Kosten?
Und so kämpfen die entsprechenden Lobby-Gruppen in Berlin wieder einmal um die Gunst der Politiker. Diejenigen, die von der Aufgabe des Briefmonopols profitieren wollen, das sind die Giganten am bundesdeutschen Zeitungsmarkt: WAZ, Springer. Sie wollen ihre Zusteller-Armada zu Briefträgern qualifizieren. Und: sie wollen den Preis der Post drücken. Die wiederum schlägt zurück mit der Offerte einer bundesweiten kostenfreien Tageszeitung. Wer zum Teufel soll davon profitieren? Der Verbraucher nicht.
Es gibt einen Vergleich zu den Paketdienstleistern. Als die an den Markt drängten, sind da die Preise nach unten gerutscht? Ein wenig vielleicht. Aber, liebe Leserinnen und Leser, haben sie mal am Nachmittag einem UPS-Zusteller genau ins Gesicht gesehen? Der ist nach zehn und mehr Stunden fix und fertig. Oder wie erklärt man einem Kurierfahrer vom Paketdienstleister GLS die Welt, der nach einem Monat mit 1.000 Euro in der Tasche nach Haus geht? So kann man den Markt aufmischen. Das Drehen an den Personalkosten ist für viele Manager eine Herzensangelegenheit, weil am einfachsten.
Ich jedenfalls, ich werde auch weiterhin 55 Cent für einen Brief bezahlen, die fünf oder vielleicht zehn Cent mehr sind es mir wert. Und das schon deshalb, weil ich weiß, die Frauen und Männer bei der gelben Post werden für ihren Job einigermaßen menschlich entlohnt.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psgSicher, Mindestlöhne sind ein Reizwort, für Vizekanzler Müntefering waren sie das entscheidende Steinchen in seinem Ausstiegespuzzle. Aber sind nicht Mindestlöhne auch ein Garant dafür, das ausgereichte Arbeitsleistung auch ein normales Leben ermöglichen kann? Ob 8 Euro oder 9,50 Euro, wie für die Briefträger ab dem kommenden Jahr vorgeschlagen, das ist egal. Wichtig ist, daß die Politik klare Regeln vorgibt, wie weit runter es mit Löhnen gehen kann.
Wenn die künftigen Briefdienstleister ab 2008 an den Markt stürzen, dann wollen sie die Preise drücken. Das bringen die Regeln der Marktwirtschaft so mit sich. Doch verfügen die Neuen über wirklich clevere Logistiklösungen? Kommen die täglich wirklich bis nach Haferungen oder Friedrichsthal? Da gibt es dann keinen Versorgungsauftrag mehr, da geht es um Effektivität.
Schon jetzt haben viele Großkunden, vor allem Verwaltungen ihre Probleme mit den privaten Anbietern. Im Kyffhäuserkreis mußten schon Kreistagssitzungen verschoben werden, nur weil die privat-verteilte Post mit den Einladungen zu spät beim Adressaten ankam. Ähnliches ist aus dem Landkreis Nordhausen zu berichten.
Sieht man die Fahrradkuriere in Nordhausen die Post verteilen, da fällt sofort auf: Eine Arbeitsbekleidung für Regenwetter haben nur die, die sich das privat leisten können. Regenkleidung durch den Arbeitgeber? Fehlanzeige, man will ja preiswerter sein. Auf wessen Kosten?
Und so kämpfen die entsprechenden Lobby-Gruppen in Berlin wieder einmal um die Gunst der Politiker. Diejenigen, die von der Aufgabe des Briefmonopols profitieren wollen, das sind die Giganten am bundesdeutschen Zeitungsmarkt: WAZ, Springer. Sie wollen ihre Zusteller-Armada zu Briefträgern qualifizieren. Und: sie wollen den Preis der Post drücken. Die wiederum schlägt zurück mit der Offerte einer bundesweiten kostenfreien Tageszeitung. Wer zum Teufel soll davon profitieren? Der Verbraucher nicht.
Es gibt einen Vergleich zu den Paketdienstleistern. Als die an den Markt drängten, sind da die Preise nach unten gerutscht? Ein wenig vielleicht. Aber, liebe Leserinnen und Leser, haben sie mal am Nachmittag einem UPS-Zusteller genau ins Gesicht gesehen? Der ist nach zehn und mehr Stunden fix und fertig. Oder wie erklärt man einem Kurierfahrer vom Paketdienstleister GLS die Welt, der nach einem Monat mit 1.000 Euro in der Tasche nach Haus geht? So kann man den Markt aufmischen. Das Drehen an den Personalkosten ist für viele Manager eine Herzensangelegenheit, weil am einfachsten.
Ich jedenfalls, ich werde auch weiterhin 55 Cent für einen Brief bezahlen, die fünf oder vielleicht zehn Cent mehr sind es mir wert. Und das schon deshalb, weil ich weiß, die Frauen und Männer bei der gelben Post werden für ihren Job einigermaßen menschlich entlohnt.
Peter-Stefan Greiner
