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Reicht es gegen das Schlusslicht?

Donnerstag, 08. November 2007, 07:25 Uhr
Nordhausen (nnz). Wie die echte Standortbestimmung in Jena ausgefallen ist, hat die Wacker-Fußballgemeinschaft zu ihrem Leidwesen erfahren müssen. „Als Augenzeuge konnte ich die zwei Gesichter der Neunziger hautnah miterleben“. Ein kleiner Rückblick und natürlich der Blick nach vorn – auf den Samstag – in der nnz von Klaus Verkouter.


Nach verteiltem Spiel vertändelt Elle in der Rückwärtsbewegung einen leichten Ball etwa zwanzig Meter vor dem Tor, anstatt zum Torwart oder ins Aus zu spielen. Da greifen zwei Jenaer von hinten an, keiner warnt lautstark, etwa so wie Jenas Keeper Just das ganze Spiel über, luchsen ihm das Streitobjekt vom Fuß, spielen sich ab – Tor. Keine Chance für Finsterbusch.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit sehen wir zunächst das gute Gesicht Wackers. So ähnlich muss es sich Trainer Venth wohl gewünscht haben. Plötzlich wird der Ball zum schnellsten Mitspieler gemacht, der eigene Mitspieler gesucht und gefunden. Ein objektiver Jenaer Zuschauer sagt aus, was viele denken: „Es ist nur eine Frage der Zeit, wann der Ausgleich fällt.“ Ein Zweiter meint: „Die spielen jetzt richtig gut.“ Es scheint, als hätte in dieser Phase der Stadionsprecher recht, als er zu Beginn von einem bevorstehenden Spitzenspiel sprach.

Das war dann auch so bis zur 69. Minute. An der Mittellinie im Vorwärtsgang wollen zunächst Ciesla, dann Pistorius mit dem Kopf durch die Wand (mit dem Ball durch drei Gegner), sehen die freien Mitspieler nicht. Fort ist der Ball. Es folgen: steile Flanke an die rechte Strafraumkante, flacher Schuss in die linke Ecke – Tor 2 und 3. Auf Bildern der Jenaer Vereinsseite kann man sehen, dass ein Tor dem anderen wie eine Kopie gleicht. Nun lassen sich andere anstecken. Ebert verliert mehrfach den Ball bei unproduktiven Dribblings im Mittelfeld, Heise will zwei Gegner umspielen. Denkste! Ball weg, steile Flanke, ach so, das wissen Sie ja nun schon. Im Fünf-Minuten-Takt geht es bis zum 4:0, nur, dass dieser Treffer als eine Zugabe durch einen Kopfball fällt. Ob der Elfmeter bei drei Wackerleuten im Strafraum nötig war, spielt jetzt keine entscheidende Rolle mehr.

Der Traum von wenigstens einem Punkt war ausgeträumt. Haken wir das ab. Nun dürfen die hartgesottenen Fans, beim gegenwärtigen Wetter werden es eventuell weniger als zuletzt sein, auf einen neuen Anlauf gegen Weida gespannt sein. Noch stehen die Nordhäuser in der Zuschauergunst an zweiter Stelle. Oder treibt es sie gegen das bisher sieglose Schlusslicht mit der Hoffnung auf ein Schützenfest in Scharen in den Albert-Kuntz-Sportpark? Schließlich folgte im Mai 2007 unmittelbar nach der Auswärtsniederlage in Jena auch ein 3:2-Heimsieg gegen Weida vor 221 Augenpaaren. Für Weida ist jedes Spiel schon ein Endspiel, will man das rettende Ufer noch erreichen. Die Wacker-Akteure tun also gut daran, die Ostthüringer nicht zu unterschätzen.

Zum 23. Mal treffen beide Kontrahenten in ihrer Vereinsgeschichte heute zu einem Kampf um Punkte aufeinander, aber es ist erst das fünfte Spiel in der Thüringenliga. Von den elf Heimspielen, zumeist in der damaligen DDR-Liga, unterlagen die Nordhäuser erst zweimal gegen diesen einst unter dem Namen Motor bzw. Fortschritt Weida antretenden Gegner (1980 mit 0:2 und 1988 mit 3:4). Die anderen Begegnungen im Albert-Kuntz-Sportpark brachten einige recht klare Südharzer Erfolge.

Der höchste Sieg, ein 6:0, gelang fast auf den Tag vor dreißig Jahren. Während heutzutage die Wackergegner zu oft, wie wir finden, unsere Abwehr überlisten, überschrieb umgekehrt eine Tageszeitung 1977 dieses Spiel so: „Abwehrlücken kalt genutzt.“ Horst Weißhaupt glänzte durch einen lupenreinen Hattrick in der ersten Halbzeit. Bruder Jörg steuerte zwei Treffer und einen der eingewechselte junge Zepezauer zur Freude seines Trainers Udo Hoffmann und der 600 Fans zum Endstand bei. Außer diesen drei Torschützen spielten noch Kulle, Setzepfand, Jödicke, Grübner, Reppin, Koschlick (Paufler), Hollstein, Breternitz und Kästner.
Klaus Verkouter
Autor: nnz

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