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Auf der Jagd nach Blut!

Freitag, 15. März 2002, 14:09 Uhr
Nordhausen (nnz). Blutspendeaktionen haben im Landkreis Nordhausen ebenso eine langjährige Tradition, wie sie in bewährten Händen liegen - dem DRK. Jetzt wird innerhalb des Wohlfahrtsverbandes auf Landesebene massiv „gewildert“. Das wollen sich die Nordhäuser nicht bieten lassen.


Einbruch in bestehende Hoheiten Da steht in der Straße der Genossenschaften, auf einem privaten Gelände, gegenüber der Staatlichen Berufsschule, ein großer Truck, darauf die grüne Schrift „Blutspendedienst“. Am großen Eisentor hängt ein Banner mit der Aufschrift Blutspende. Das Wort ist von zwei roten Kreuzen eingefasst. Dem ahnungslosen Blutspendeinteressenten soll auf diese Weise suggeriert werden, dass das gespendete Blut hier in der Region benötigt wird. Dem ist aber nicht so.

Bereits vor einigen Tagen berichtete die nnz exklusiv über die Praktiken eines sogenannten Blutspendedienstes „Springe“. In diesem Blutspendedienst sollen nach nnz-Informationen die Landesverbände Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Bremen, Oldenburg und Thüringen untergeschlüpft sein. Der „NSTOB“ gibt sich als Blutspendedienst Thüringen aus und hat sein eigentliches Revier im Raum Erfurt. Das scheint den Blutabnehmern aber nicht mehr zu reichen. Sie dehnen ihr Revier aus, mitten rein in das traditionellen Hoheitsgebiet der Blutspendezentrale des Nordhäuser Südharz-Krankenhauses.

Die betreut seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich den Landkreis Nordhausen und den Altkreis Sonderhausen. Im Landesverband des DRK soll es einst die Absprache gegeben haben, dass die einzelnen Blutspendedienste sozusagen die getroffenen territorialen Grenzen respektieren. Nur der „NSTOB“ hält sich nicht daran, versucht das ausgewogene Verhältnis zu stören. Die DRK-Kreisvorstände in Nordhausen und Sondershausen schrieben empört einen Brief an den DRK-Landesvorstand. Antwort aus Erfurt: Wir können das nicht verhindern. Will man dort vermutlich auch nicht, denn der Landesvorstand des DRK soll Mitgesellschafter bei „Springe“ sein. Jetzt wurde der Präsident des DRK eingeschaltet, hier steht eine Antwort noch aus.

Rein rechtlich können die Nord- und Sondershäuser nichts gegen die Invasion unternehmen. Jetzt sollen Aufklärung und Appelle gefragt sein. So wird das Blut, das in unserer Region beim Blutspendedienst des Südharz-Krankenhauses gespendet wird, zum größten Teil in Krankenhäusern und Arztpraxen der Region auch eingesetzt. Das Blut, das „Springe“ abzapft, das kommt sowohl in Niedersachsen, Thüringen, Bremen oder Oldenburg als Blutkonserve zum Einsatz. Den willigen Blutspendern wie heute in der Nähe der Berufsschule wird vorgegaukelt, dass sie Menschen in ihrer unmittelbaren Nähe helfen. „Hier wird ein Geschäft mit der Gutgläubigkeit der Leute betrieben“, brachte es Sven Köhn vom Nordhäuser Blutspendedienst auf den Punkt. Ähnlich sehen es die Vertreter aus dem Kyffhäuserkreis, die heute bei einer Blutspende im Marktkauf in Nordhausen dabei waren. Das Handelsunternehmen hatte vor einiger Zeit ebenfalls eine Offerte des „NSTOB“ erhalten. Darin wurde um eine Standgenehmigung für den heutigen Tag nachgefragt. Im zweiten Anlauf sozusagen lehnte die Geschäftsleitung dieses Ansinnen ab. Gespendet werden durfte heute trotzdem im Marktkauf, bei den Mitarbeitern der Blutspendezentrale des Nordhäuser Krankenhauses. Dort kennen die Spender die „Abzapfer“, da kommt fast schon ein familiäres Verhältnis auf. Noch ausgeprägter ist diese Bindung auf den Dörfern, da wird jeder Blutspendetermin wie ein kleines Volksfest zelebriert. All das könnte durch die „Eindringlinge“ verloren gehen. Vor allem aber Vertrauen und die Bereitschaft, auch künftig einen halben Liter Lebenssaft abzugeben, unentgeltlich.

In eigener Sache: Die nnz wird an ihrer bisherigen Praxis festhalten. Nur Termine der Blutspendezentrale des Südharz-Krankenhauses werden in den nnz-Terminkalender aufgenommen, die „ausländischen“ fallen in den virtuellen Papierkorb der Festplatte.
Autor: nnz

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