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Abgesagt

Mittwoch, 17. Oktober 2007, 15:14 Uhr
Nordhausen (nnz). Lobbyarbeit ist ein Schwerpunkt jeder Unternehmensstrategie. Bislang funktionierte das bei E.ON Thüringer Energie mit Kommunen im Landkreis Nordhausen auch ganz gut. Bis heute...


Heute findet in Bleicherode, im dortigen „Gebietscentrum“ von E.ON ein so genanntes Kommunalgespräch statt. Dazu werden vom Konzern Bürgermeister, Gemeinde- und Stadträte sowie die Vorsitzenden von Verwaltungsgemeinschaften eingeladen. Das ganze wird neben den Werbevorträgen der E.ON Manager mit kulinarischem Beiwerk kredenzt.

„Die jüngsten Entscheidungen des E.ON Managements zur Preispolitik Ihres Hauses veranlassen mich nunmehr von einer Teilnahme Abstand zu nehmen“, teilt Bernd Meyer, der Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft „Hohnstein/Südharz“, in einem Fax dem Thüringer E.ON-Chef mit. Meyer schreibt weiter: „Ich bin als Leiter einer Verwaltungsgemeinschaft mit 9 Gemeinden und rund 10.000 Einwohnern für deren Wohlergehen mitverantwortlich und kann es absolut nicht mehr vertreten, an kostenträchtigen Veranstaltungen Ihres Konzerns teilzunehmen, wenn andererseits die „Einnahmebeschaffung" zum Ausgleich auch derartiger Veranstaltungen zu Lasten meiner Bürger gehen.

Die in der Presse meines Erachtens richtig von Fachleuten, auch des Thüringer Wirtschaftsministeriums, geäußerten Zweifel an der sachlichen Notwendigkeit dieser Preiserhöhungen verschärfen das Obengesagte noch mehr. Für meine rund 5.000 Haushalte bringen die angekündigten Erhöhungen eine Mehrbelastung von rund 500.000 Euro/Jahr. Diese stellt gleichzeitig einen Kaufkraftabzug aus meinem Verwaltungsbereich dar, der sich auch schädigend auf die örtliche Wirtschaft auswirken wird. Anders gerechnet, könnten durch die Summe auch rund 20 Arbeitsplätze finanziert werden.

Abgemildert wird diese neue finanzielle Belastung auch nicht durch die Zahlung von Konzessionsabgabe in Höhe von derzeit rund 130.000 Euro und Dividende aufgrund gehaltener Aktien der Gemeinden in Hohe von rund 57.000 Euro, Wobei diese Zahlungen ja auch Leistungen bzw. Kapitalgestellung der Gemeinde als Grundlage haben. Aufgrund der geringen Anteile an Ihrem Konzern, ist die Einflußnahme auf die Geschäftspolitik leider viel zu klein, um Wirkung zu zeigen“.

Bernd Meyer hofft dennoch, daß sein Handeln und seine Zeilen zu einem kleinen Nachdenken in der Schwerborner Straße in Erfurt veranlassen. Dort, in der Thüringer E.ON Zentrale wird vermutlich schon am nächsten Dreh an der Preisschraube nachgedacht.
Autor: nnz

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