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Erst Brunnen, dann Klo

Dienstag, 09. Oktober 2007, 12:41 Uhr
Nordhausen (nnz). Nach kurzer technischer Unterbrechung der archäologischen Grabung für die Tiefgarage auf der Baustelle der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft in der Nordhäuser Innenstadt im Quartier Kornmarkt / Engelsburg setzten die Archäologen jetzt ihre Arbeit fort. Was sie dort gefunden haben, das hat Ihre nnz erfahren.

Foto: I. Bergmann (Foto: psv) Foto: I. Bergmann (Foto: psv)
Ausgrabungsmitarbeiter Werner Kaiser findet Tüllenkanne und anderes Tongeschirr aus dem 13. Jahrhundert im „Pseudobrunnen

Schon vor einigen Wochen stießen sie auf einen quadratischen Brunnen von 1,80 Meter Seitenlänge, der nach Ansicht des Ausgrabungsleiters ein sogenannter Kastenbrunnen werden sollte, der jedoch nicht als solcher genutzt wurde. Zur damaligen Zeit stießen die Grabungsmitarbeiter bis auf 4 Meter Tiefe vor. Nun gehe es darum, die noch zu verbleibende 4 Meter Resttiefe zu erforschen.

„Schon in den ersten Tagen haben wir wieder viel Gebrauchsgeschirr, wie Krüge, Bomben- und Grapentöpfe aus dem 13. Jahrhundert geborgen“, meint Wolfgang Müller. Deshalb vermutet er, dass der gegrabene quadratische Brunnen nicht genug Wasser führte und als Abfallgrube genutzt wurde. Erstaunlich sei dabei, dass aus einer Fallhöhe von mindestens 6 Metern so viel Gebrauchsgeschirr der damaligen Zeit erhalten geblieben sei. Das ließe wiederum den Schluss zu, dass sich der Verfüllungsinhalt in einem plastischen Zustand befunden haben müsse, so wie es bei Schichtwasser oder auch bei menschlichen Exkrementen der Fall sei.

„Dieser ‚Pseudobrunnen’ ist bisher der tiefste Befund, den ich je erkundet habe“, sagte Müller. Insgesamt werde man bis etwa acht Meter in die Tiefe gehen. Unweit des „Pseudobrunnens“ habe man einen neuen Befund entdeckt. Auch hier könnte es sich um eine Abfallgrube oder einen zweiten gescheiterten Versuch zum Bau eines Brunnens handeln. Das werde jedoch erst in den nächsten 14 Tagen untersucht.

Die Fundstücke, die man bei den Grabungen hier in diesem Areal geborgen habe, würden dokumentiert und aufgearbeitet, um anschließend im Rahmen einer Sonderausstellung und dann später in der Dauerausstellung im ‚Tabakspeicher’ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Autor: nnz

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