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Wie weiter?

Sonntag, 23. September 2007, 10:24 Uhr
Nordhausen (nnz). Nach den Hoffnungsschimmern in Bad Blankenburg (Pokal) und gegen Schlotheim hat Wacker Nordhausen nun wieder das kriselnde Moment eingeholt. Wie soll es weitergehen mit der ersten Mannschaft?


Es ist schon bitter, wenn man mit solchen Ergebnissen wieder eine lange Heimreise antreten muß. Mit äußerst mageren vier Punkten aus fünf Spielen muss man nun schon von einem deftigen Fehlstart in die aktuelle Saison sprechen. Sicher, werden einige sagen, es sind erst fünf Spiele. Ich sage, es sind schon fünf Spiele.

Der neue Trainer wird sich kaum vorgestellt haben, dass es so schwer werden wird. Burkhard Venth wollte ein modernes System in Nordhausen einführen. Weg vom klassischen Libero, hin zur Viererkette. Solch eine Viererkette bedingt aber auch ein modernes, ein Spiel mit mehr Technik. Es führt nicht mehr allein der Kampf zum Sieg. Und genau das war es, was Wacker nach dem Absturz erfolgreich machte. Schaut man sich noch einmal die Spielberichte (vor allem der Auswärtsspiele) an, dann wurde den Nordhäuser immer das kämpferische Element attestiert, das letztlich die Waage in Richtung Sieg pendeln ließ.

Jetzt muss die Technik her, das spielerische Moment, die taktische Disziplin. Ist das aber mit der Mannschaft, insbesondere mit den Neuzugängen möglich? Die Frage müssen die Fachleute beantworten. Wer ein wenig hinter die Kulissen schaut, der weiß, dass die Einkaufsliste zu Beginn der Saison viel üppiger aussah. Es konnte einige Neuzugänge nicht realisiert werden. Neben den jungen Akteuren hätte es in der ersten Mannschaft in der Verteidigung und im Sturm eines erfahrenen Neuzugangs bedurft.

Nun ist das nicht so, dass vielleicht alle möglichen Personalien nicht bezahlbar gewesen wären. Sie wurden schlicht und ergreifend nicht nachgefragt. Noch schlimmer, ihnen wurde seitens des Präsidiums keine Aufmerksamkeit geschenkt. Das dafür zuständige Mitglied im Präsidium ließ die Zügel schleifen. Das rächt sich jetzt, auf der spielerischen Seite. Auf der kaufmännischen Seite wurden ebensolche Fehler gemacht, denkt man nur an das fatale Geschäft mit dem neuen Trikot-Sponsor und dessen Auswirkungen auf ein anderes Unternehmen.

Nicht die Spieler sind nun an Zuge, auch nicht der Trainer. Das Präsidium ist gefragt. In der Winterpause müssen Einkäufe getätigt werden. Keine Halbherzigkeit, sondern zum Beispiel ein echter Ersatz für Torsten Klaus. Ein solcher Knipser muss es schon sein, wenn man im oberen Feld der Landesliga mitspielen will.

Doch Wacker will mittelfristig mehr – will in der Oberliga spielen. Oder? Dazu muss Geld in die Kasse des Vereins. Die Wirtschaft ist gefragt. Vor allem die Unternehmen, denen es zwar wirtschaftlich gut geht, die jedoch in punkto Sponsoring kaum in Erscheinung getreten sind. Und es sind die Zuschauer gefragt, die mit dem Kauf der Eintrittskarten einen wesentlichen Anteil am Etat des Vereins haben. Erfasst man jedoch die Zuschauerzahlen der zurückliegenden Jahre, so pendeln die sich fest um die 300 ein.

Da gucken andere Vereine zwar neidisch, doch für Wacker sind 300 kein Ruhekissen. Da kann im Albert-Kuntz-Sportpark auflaufen wer will, da kann die Konstellation zwischen den beiden Mannschaften noch so spannend sein (Sondershausen mal ausgenommen), es bleibt bei rund 300 Zuschauern. Was ist zu tun? Es muss geworben werden für den Verein, es müssen intelligente Tickets kommen, die Symbiosen mit anderen Events herstellen.

Ist das alles zuviel verlangt? Vielleicht ja, vielleicht nein. Als Außenstehender kann ich den ehrenamtlichen Arbeitsaufwand der Präsidialen weder qualitativ noch quantitativ beurteilen. Vielleicht geht einfach nicht mehr? Wenn das so ist, dann muss reagiert werden. Dann muss eine Art „Geschäftsführer“ geschaffen werden. Wie auch immer. Und der muss sich um die Geschäfte kümmern, aber richtig. Und zwar genau in dem Maße, wie man sich selbst Ansprüche stellt.

Ich persönlich habe noch nicht gehört, dass Wacker Nordhausen, die Spitzenmannschaft einer Stadt, die sich gern mit dem Beinamen „Oberzentrum“ schmücken würde, die ein Einzugsgebiet von mehr als 50.000 Einwohnern hat, für ewig und alle Zeit in der Thüringen-Liga „ausruhen“ will.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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