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nnz-Forum: Wahrheiten endlich akzeptieren

Freitag, 14. September 2007, 12:03 Uhr
Nordhausen (nnz). Eine Kranzniederlegung führte in der nnz-Leserschaft zu Diskussionen. Jetzt antwortet ein nnz-Leser und vermittelt historische Hintergründe.


Herr Nagel ist meines Wissens ein am Zeitgeschehen interessierter und beteiligter Mann. Ich nehme ihm daher nicht ab, daß er die seit 1989 in unserem Landkreis wiederholt und lebhaft geführte öffentliche Diskussion um den Tod der Obergebraer CDU-Mitglieder Wilhelm und Muras im Jahr 1952 nicht verfolgt hat. Die beiden Männer wurden damals auf Betreiben höchster SED-Repräsentanten in der DDR-Regierung in einem Schauprozeß beschuldigt, ihren Arbeitskollegen, den SED-Funktionär Alfred Sobik, auf einer Betriebsfeier aus politischem Haß ermordet zu haben.

In Wahrheit war der herzkranke Sobik während einer verbalen politischen Auseinandersetzung mit den beiden Unionsfreunden plötzlich tot zusammengebrochen. Die seinerzeit vom Landgericht Mühlhausen gefällten und vollstreckten Todesurteile waren ein heute von keiner Seite bezweifelter Justiz-Doppelmord. Die 1990 erfolgte Rehabilitierung der beiden Hingerichteten konnte sie nicht wieder lebendig machen.

Solche furchtbaren Ereignisse sind für Diktaturen nicht Ungewöhnliches. Die Grundlage von Diktaturen sind immer extreme Ideologien, die fanatisch und rücksichtslos durchgesetzt werden. Jede Diktatur hat daher unmenschliches Potential. Wir CDU-Leute wollen keinesfalls die DDR mit der Nazidiktatur gleichsetzen, doch war eben die DDR von ihrer Konzeption wie auch in ihrer alltäglichen Realität eine Diktatur. Wir Christdemokraten beobachten mit Befremden, daß manche Mitbürger, die sich selbst auch Demokraten nennen, diese Wahrheiten nicht akzeptieren können.

Die Erinnerung an unsere 1952 hingerichteten Parteifreunde wird uns zu deren Todestagen alljährlich und immer wieder Anlaß und Verpflichtung sein, die schwere Schuld klar zu benennen, die der untergegangene Staat DDR mit solch furchtbaren Urteilen zur Zeit des Stalinismus wie auch später mit den Todesschüssen an seinen Grenzen auf sich geladen hat.
Dr. Manfred Schröter, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
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Autor: nnz

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