nnz-online

Chance für junge Leute

Dienstag, 04. September 2007, 10:19 Uhr
Nordhausen (js) Das Entwicklungsministerium hat am Montag den Startschuss für den neuen Freiwilligendienst „Weltwärts“ gegeben

Das Angebot richtet sich an Freiwillige zwischen 18 und 28 Jahren, die nach der Schule oder Ausbildung für 6 bis 24 Monate an Projekten in Entwicklungsländern mitarbeiten wollen. Die ersten Entsendungen sind für Anfang 2008 für einen Einsatz in Afrika, Asien, Lateinamerika oder Osteuropa geplant, sagte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) in Berlin.

Bewerben können sich Haupt- und Realschüler mit Berufsausbildung sowie Männer und Frauen mit Fachhochschul- oder allgemeiner Hochschulreife. Der Einsatz ist bei entsprechender Länge als Zivildienst anrechenbar, falls die Einsatzstelle die nötigen Kriterien erfüllten

Den Freiwilligen entstehen den Angaben zufolge keine Kosten: für Flug, Kost und Logis sowie 100 Euro Taschengeld im Monat sollen die jeweiligen Hilfsorganisationen aufkommen. Dafür erhalten diese vom Bund 580 Euro pro Teilnehmer. Große Vorkenntnisse müssen die Bewerber nicht mitbringen: ein Schulabschluss und entsprechende Sprachkenntnisse genügen. „Die Nachfrage ist wirklich enorm", sagte Wieczorek-Zeul. Insgesamt sollen den Angaben zufolge bis zu 10.000 Stellen geschaffen werden, die meisten von ihnen in Afrika. Mehr als 200 Initiativen und Kommunen wollten sich beteiligen.

Hilfswerke begrüßten die Initiative, beklagten aber Mängel. Jürgen Deile, Sprecher des „Evangelischen Forum entwicklungspolitischer Freiwilligendienst“, sieht eine „sinnvolle Investition in die Bildungsarbeit im Inland. „Wir freuen uns, wenn das Programm dazu beiträgt, entwicklungspolitisches Bewusstsein zu schaffen.“ Deile betonte, dass bei der Auswahl der Freiwilligen das Engagement der jungen Männer und Frauen hinterfragt werde. „Wir vermitteln nicht irgendwen.“ Der christliche Friedens- und Entwicklungsdienst Eirene bedauerte, dass nach der Rückkehr der Freiwilligen kein Geld für Bildungsarbeit in Deutschland vorgesehen sei.

Wieczorek-Zeul hatte den neuen Freiwilligendienst bereits im Januar angekündigt. Die Träger beginnen nun damit, Stellen für die Freiwilligen auszuschreiben. Ein Paket zur Stärkung von Freiwilligendiensten insgesamt in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft hatte das Bundeskabinett Mitte Juli verabschiedet. Der Gesetzesnovelle zufolge kann ein Freiwilligendienst höchstens 24 Monate dauern. Zudem können mehrere kürzere Freiwilligendienste hintereinander absolviert und Einsatzstellen im In- und Ausland miteinander kombiniert werden. Die Grünen forderten dennoch ein Gesamtkonzept für Freiwilligendienste statt „monatsweise neue Ankündigungen zu einzelnen Zweigen".
Autor: js

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de