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Das zweite Konzept

Donnerstag, 30. August 2007, 05:59 Uhr
Nordhausen (nnz). Die nnz berichtete in der vergangenen Woche ausführlich über das Konzept des Insolvenzverwalters der Bike System GmbH. Nun gibt es ein zweites Konzept. Die nnz stellt es vor...


Hinter dem so genannten zweiten Konzept, das dem Insolvenzverwalter Comes nach nnz-Informationen vorliegen soll, stehen Gerhard Urbanek und ein namhafter Hersteller von Markenfahrrädern aus dem süddeutschen Raum. Noch wird an den Feinheiten „gestrickt“, doch erste Konturen sind zu erkennen.

Hierzu soll am Nordhäuser Standort eine Art Überhangproduktion installiert werden, allerdings mit besseren Perspektiven für die Arbeitnehmer und den Standort allgemein. Auch bei dem Interessenten aus Süddeutschland ist die Situation ähnlich der aller Fahrradproduzenten. Die ersten sechs Monate eines jeden Jahres wird auf Teufel komm raus produziert, dann beginnt die „Saure-Gurken-Zeit“. Die aber soll in Nordhausen mit einer Ausweitung der Produktpalette überbrückt werden. Im Gespräch ist die Herstellung von Erzeugnissen der metallverarbeitenden Branche. So könnte bereits in den Jahren 2009 und 2010 ganzjährig produziert werden.

Und das ist der entscheidende Unterschied zum sehr schnell vorgelegten Konzept des vorläufigen Insolvenzverwalters. Das stellt sich nach nnz-Recherchen konkret so dar: Zum 1. November 2007 wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Ab diesem Zeitpunkt soll für die 130 Mitarbeiter eine zweimonatige Qualifizierungsmaßnahme beginnen. Anschließend erfolgt über sechs Monate die Lohnfertigung von Fahrrädern. Und hier beginnt der Wahnsinn. Es soll für die Mifa in Sangerhausen gefertigt werden. Just für das Unternehmen, das in diesem Jahr mit der Kündigung der Verträge die Krise bei Bike Systems ausgelöst hatte.

Nach dem halben Jahr des Produzierens geht es wieder auf die Schulbank, sechs Monate lang. Im Jahr 2009 wiederholt sich das Spiel – bis auf einen Unterschied. Die Qualifizierung beginnt erneut am 1. Juli, endet jedoch am 31. Oktober 2009. Dann soll endgültig Schluß in Nordhausen sein. Rein arbeitsrechtlich betrachtet: Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. November dieses Jahres erhalten die Mitarbeiter ihre Kündigung zum 31. Oktober 2009.

Und die Bike Systems GmbH würde mittels eines Insolvenzplanverfahrens wie ein unternehmerischer Phönix aus der Asche entstehen. Nur mit einem weiteren Unterschied: Das Unternehmen zahlt nur, wenn produziert wird, die Zeit der Qualifizierung wird voll durch die Agentur für Arbeit finanziert. Für die Arbeitnehmer kann es ganz dicke kommen: Sie sollen in den 26 Produktionswochen auf ein Viertel ihres Gehaltes verzichten. Jetzt schon geplante Überstunden werden nicht bezahlt.

Die Perspektive dieses Konzeptes, das der Insolvenzverwalter am Mittwoch in Nordhausen vorstellte, ist endlich. Es sind zwei Jahre – nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Da ist noch nicht einmal die Frage beantwortet was passiert, wenn die „neue“ Bike Systems GmbH irgendwann wieder Insolvenz anmeldet, weil in der Mifa Aufträge wegbrechen und Produktion von Nordhausen nach Sangerhausen verlagert wird. Dann sehen die Arbeitnehmer komplett in die „Röhre“.

Und im Übrigen: Der Lone-Star-Ableger als alleiniger Gesellschafter der alten und neuen Bike Systems GmbH genießt nicht unbedingt das Vertrauen der Arbeitnehmerschaft in Nordhausen. Auch das Ziel des jetzigen Insolvenzverwalters, künftig in der Gläubigerversammlung keine Arbeitnehmer zu haben, verstärkt das Vertrauen nicht unbedingt. In der kommenden Woche, so die Informationen der nnz, soll das „zweite Konzept“ der Erfurter Rechtsanwaltskanzlei vorgelegt werden.
Die 130 Frauen und Männer von Bike Systems in Nordhausen wollen auch in Zukunft mit Aktionen auf ihre Situation aufmerksam machen. Schon fast beschlossen ist unter anderem ein Trip nach Frankfurt am Main. Dort wollen sie Lone Star „besuchen“ und Garantien für das „erste Konzept“ einfordern.
Autor: nnz

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