Keine Hoffnung mehr
Freitag, 17. August 2007, 09:08 Uhr
Nordhausen (nnz). Der Insolvenzverwalter der Göttinger Gruppe macht den geprellten Anlegern keine Hoffnung. Über das Desaster informiert nnz.
Die 250.000 Anleger der insolventen Göttinger Gruppe gehen leer aus. Der Insolvenzverwalter sieht keine Möglichkeiten, an Geld zu kommen – es ist nichts mehr vorhanden. Den Schaden schätzt er auf gut eine Milliarde Euro.
Vor dem Amtsgericht Charlottenburg hatte zuvor die erste Gläubigerversammlung stattgefunden. Von der Pleite sind wahrscheinlich mehr als 250.000 Anleger betroffen. Das Gericht hatte im Juni das Insolvenzverfahren über die Finanzholding der Göttinger Gruppe und zwei weitere Gesellschaften des Konzerns mit Sitz in Berlin eröffnet. Kurz zuvor hatte das Amtsgericht Göttingen auch das Verfahren gegen die Securenta AG, die Hauptfirma der Gruppe, eröffnet.
Grundsätzlich können die Anleger gar nichts erwarten, denn sie sind ja Gesellschafter", sagte Rattunde. Und als Gesellschafter müssten sie für die Gruppe haften.
Wer allerdings beweisen könne, dass er falsch beraten worden sei, könne Forderungen im Insolvenzverfahren anmelden und erhalte dann auch Stimmrecht als Gläubiger.
Rattunde zufolge hatten sich seit 1986 über 250 000 Anleger mit stillen Unternehmenseinlagen an der Göttinger Gruppe beteiligt, davon rund 93 000 bei der Holdinggesellschaft und die restlichen bei der Securenta AG.. Ob und wann die Gläubiger und Anleger der Securenta AG ihre Rechte geltend machen können, sei offen, sagte Rattunde.
Der Insolvenzverwalter wies darauf hin, dass die Anleger auch noch mit Steuernachforderungen rechnen müssten. Das Steuersparmodell der Göttinger Gruppe habe vor allem auf stillen Einlagen basiert. In der Vergangenheit hätten Anleger so Verluste abschreiben können - jetzt aber sei es den Finanzämtern möglich, Steuerersparnisse zurückzufordern. In Verhandlungen mit dem zuständigen Finanzamt Göttingen bemühe er sich, zusätzliche Schäden für die Anleger nach Möglichkeit zu mildern.
Die Göttinger Gruppe versprach auf dem sogenannten grauen Kapitalmarkt hohe Renditen. Mit dem Geld der Anleger wurden die Lebensversicherung Gutingia, das Bankhaus Partin, der Berliner Fußballclub Tennis Borussia sowie Immobilien gekauft. Beteiligungen wie Tennis Borussia und das Bankhaus Partin meldeten bereits vor Jahren Insolvenz an. Ende letzten Jahres, also noch vor der Insolvenz des Konzerns, wurden auch die letzten Vermögenswerte veräußert.
An der Gläubigerversammlung für die Holding am Donnerstag nahmen nach Angaben Rattundes 44 Personen teil, die Forderungen von rund 70 Millionen Euro und einige tausend Investoren vertreten hätten.
Der Mitbegründer des Konzerns, Erwin Zacharias, wurde Mitte Juli in den Niederlanden verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert. Gegen eine Kaution in sechsstelliger Höhe wurde er inzwischen aus der Haftanstalt Göttingen entlassen, wie ein Justizsprecher am Donnerstag sagte. Der frühere Vorstandsvorsitzende der Securenta AG war wegen Steuerhinterziehung international gesucht worden.
Der für den 8. November anberaumte Prüfungstermin im Insolvenzverfahren muss laut Rattunde vertagt werden, da es bis dahin noch gar nichts zu prüfen gebe.
Er sei mindestens noch ein halbes Jahr mit den Unterlagen beschäftigt, die von dem Unternehmen offenbar zum Teil in chaotischem Zustand hinterlassen wurden.
So hatten die Mitarbeiter des Insolvenzverwalters der Securenta im Keller des Firmengebäudes säckeweise ungeöffnete Post gefunden, die bis in das Jahr 2005 datierte. Rattunde prüft jetzt auch, ob bei den Immobilienverkäufen möglicherweise Gelder verschoben wurden.
Die Insolvenz der Göttinger Gruppe gilt allein wegen der hohen Zahl der Beteiligten als einer der größten Pleitefälle in der Finanzbranche. Auch das Finanzamt Göttingen steht vor einer ungewöhnlichen Aufgabe:
Dort müssen die Beamten 250.000 Einzelfälle bearbeiten, ohne die nötigen Unterlagen vorliegen zu haben. Denn laut Rattunde lag die Göttinger Gruppe auch mit der Buchhaltung erheblich im Rückstand.
Autor: jsDie 250.000 Anleger der insolventen Göttinger Gruppe gehen leer aus. Der Insolvenzverwalter sieht keine Möglichkeiten, an Geld zu kommen – es ist nichts mehr vorhanden. Den Schaden schätzt er auf gut eine Milliarde Euro.
Vor dem Amtsgericht Charlottenburg hatte zuvor die erste Gläubigerversammlung stattgefunden. Von der Pleite sind wahrscheinlich mehr als 250.000 Anleger betroffen. Das Gericht hatte im Juni das Insolvenzverfahren über die Finanzholding der Göttinger Gruppe und zwei weitere Gesellschaften des Konzerns mit Sitz in Berlin eröffnet. Kurz zuvor hatte das Amtsgericht Göttingen auch das Verfahren gegen die Securenta AG, die Hauptfirma der Gruppe, eröffnet.
Grundsätzlich können die Anleger gar nichts erwarten, denn sie sind ja Gesellschafter", sagte Rattunde. Und als Gesellschafter müssten sie für die Gruppe haften.
Wer allerdings beweisen könne, dass er falsch beraten worden sei, könne Forderungen im Insolvenzverfahren anmelden und erhalte dann auch Stimmrecht als Gläubiger.
Rattunde zufolge hatten sich seit 1986 über 250 000 Anleger mit stillen Unternehmenseinlagen an der Göttinger Gruppe beteiligt, davon rund 93 000 bei der Holdinggesellschaft und die restlichen bei der Securenta AG.. Ob und wann die Gläubiger und Anleger der Securenta AG ihre Rechte geltend machen können, sei offen, sagte Rattunde.
Der Insolvenzverwalter wies darauf hin, dass die Anleger auch noch mit Steuernachforderungen rechnen müssten. Das Steuersparmodell der Göttinger Gruppe habe vor allem auf stillen Einlagen basiert. In der Vergangenheit hätten Anleger so Verluste abschreiben können - jetzt aber sei es den Finanzämtern möglich, Steuerersparnisse zurückzufordern. In Verhandlungen mit dem zuständigen Finanzamt Göttingen bemühe er sich, zusätzliche Schäden für die Anleger nach Möglichkeit zu mildern.
Die Göttinger Gruppe versprach auf dem sogenannten grauen Kapitalmarkt hohe Renditen. Mit dem Geld der Anleger wurden die Lebensversicherung Gutingia, das Bankhaus Partin, der Berliner Fußballclub Tennis Borussia sowie Immobilien gekauft. Beteiligungen wie Tennis Borussia und das Bankhaus Partin meldeten bereits vor Jahren Insolvenz an. Ende letzten Jahres, also noch vor der Insolvenz des Konzerns, wurden auch die letzten Vermögenswerte veräußert.
An der Gläubigerversammlung für die Holding am Donnerstag nahmen nach Angaben Rattundes 44 Personen teil, die Forderungen von rund 70 Millionen Euro und einige tausend Investoren vertreten hätten.
Der Mitbegründer des Konzerns, Erwin Zacharias, wurde Mitte Juli in den Niederlanden verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert. Gegen eine Kaution in sechsstelliger Höhe wurde er inzwischen aus der Haftanstalt Göttingen entlassen, wie ein Justizsprecher am Donnerstag sagte. Der frühere Vorstandsvorsitzende der Securenta AG war wegen Steuerhinterziehung international gesucht worden.
Der für den 8. November anberaumte Prüfungstermin im Insolvenzverfahren muss laut Rattunde vertagt werden, da es bis dahin noch gar nichts zu prüfen gebe.
Er sei mindestens noch ein halbes Jahr mit den Unterlagen beschäftigt, die von dem Unternehmen offenbar zum Teil in chaotischem Zustand hinterlassen wurden.
So hatten die Mitarbeiter des Insolvenzverwalters der Securenta im Keller des Firmengebäudes säckeweise ungeöffnete Post gefunden, die bis in das Jahr 2005 datierte. Rattunde prüft jetzt auch, ob bei den Immobilienverkäufen möglicherweise Gelder verschoben wurden.
Die Insolvenz der Göttinger Gruppe gilt allein wegen der hohen Zahl der Beteiligten als einer der größten Pleitefälle in der Finanzbranche. Auch das Finanzamt Göttingen steht vor einer ungewöhnlichen Aufgabe:
Dort müssen die Beamten 250.000 Einzelfälle bearbeiten, ohne die nötigen Unterlagen vorliegen zu haben. Denn laut Rattunde lag die Göttinger Gruppe auch mit der Buchhaltung erheblich im Rückstand.
