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Historie und Moderne

Donnerstag, 09. August 2007, 16:11 Uhr
Nordhausen (nnz). Wie werden Ressourcen sinnvoll und nachhaltig genutzt? Diese Frage war Thema der diesjährigen fünftägigen Fachexkursion der Studierenden des 4. Semesters „Flächen- und Stoffrecycling“ der Fachhochschule Nordhausen. Wo die Reise hinging, das hat natürlich die nnz erfahren.

Unterwegs (Foto: FHN) Unterwegs (Foto: FHN)
Von links Dr. Genske, dritter von links Diplom-Geologe Stuth mit Studierenden des 4. Fachsemester Flächen- und Stoffrecycling

Auf der Fläche des ehemaligen Steinkohlebergwerks Mont Cenis in Herne (Ruhrgebiet), dem ersten Besuchspunkt der Exkursion, konnten einige Aspekte dieser Frage in eindrucksvoller Weise beantwortet werden. Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung „IBA Emscherpark“ ist auf der vormals trostlosen Montanbrache quasi ein neuer Stadtteil entstanden, der in ein Glashaus gestellt wurde. Die "mikroklimatische Hülle" reduziert die jährlichen Heizkosten um ein Viertel und führt so zu beträchtlichen Energieeinsparungen, ein kleiner aber richtungweisender Beitrag zur Reduktion des CO2-Ausstosses und zur Verbesserung des Weltklimas.

Das dachgestützte Solarkraftwerk erzeugt doppelt soviel elektrische Energie wie die Gebäude verbrauchen und beschattet sie gleichzeitig, um im Sommer ein angenehmes Raumklima zu erzeugen. Darüber hinaus wurde hier zum ersten Mal das aus den benachbarten Schächten austretende klimaschädigende Grubengas in Strom und Wärme verwandelt: eine "Gelddruckmaschine", wie der Betreiber versichert. Das spektakuläre Projekt wurde bereits auf der Architektur-Biennale in Venedig und auf der Weltklimakonferenz in Kijoto ausgestellt und war Teil der Expo 2000.

Der daran anschließende Aufstieg auf den „Tetraeder“ der „Prosper-Halde“ in Bottrop erlaubte einen sensationellen Rundblick auf eine seit über 100 Jahren vom Menschen geschaffene Industrielandschaft, in der seit dem Strukturwandel in den 1980er Jahren versucht wird, im Einklang mit der endlichen Ressource „Fläche“ zu leben. Von den inzwischen zahlreichen Parkanlagen wurde der im Rahmen der Oberhausener Landesgartenschau (OLGA, 1999) angelegte „Garten Osterfeld“ besichtigt, der ebenfalls auf einer ehemaligen, stark kontaminierten Montanbrache entstand, sowie der 200 Hektar umfassende Landschaftspark „Duisburg Nord“ mit seinem stillgelegten Hüttenwerk.

Ein Erlebnis besonderer Art war die Besichtigung der an der Route der Industriekultur gelegenen, ehemaligen Zeche Zollverein, ein einzigartiges, als UNESCO Weltkulturerbe anerkanntes Zeugnis der Industrialisierung, dessen gewaltige Kokerei zu einem Solarkraftwerk mutiert. Die Begehung des Oberhausener Gasometers, des größten seiner Art in Europa, vermittelte ein beispielloses Raumerlebnis und gab als "Pantheon der Schwerindustrie" einen Eindruck von den Kathedralen des Industriezeitalters. Der Vergleich mit dem ganz realen Kirchenschiff des Kölner Doms hätte kaum eindrücklicher sein können, doch wurde dieser vorbereitet mit einem Besuch der alten Römerstadt Xanten am Niederrhein, deren 10.000 Einwohner zurzeit Kaiser Trajans tatsächlich noch im Einklang mit der Natur lebten.

Mit der Industrialisierung kam es jedoch zu einer dramatischen Zunahme der Bevölkerung, so dass der Mensch sich anschickte, mit seinen immer größer werdenden Maschinen immer größere Lagerstätten auszubeuten, die mitunter in großen, früher nie erreichbaren Tiefen aufgeschlossen wurden und werden. Der Besuch des „Rheinischen Braunkohlereviers“ rund um Bergheim mit seinen gewaltigen Schaufelradbaggern im Tagebau „Garzweiler II“ gab hiervon einen bedrohlich anmutenden Eindruck: ein vielleicht notwendiger Eingriff in die bestechend schöne Naturlandschaft zwischen Köln und Aachen in einer Zeit des Übergangs vom fossilen zum solaren Energiezeitalter. Die Wunden, die der Mensch durch die Rohstoffnutzung der Natur zufügt, sind durch Renaturierungs- und Rekultivierungsmaßnahmen wieder schließbar: sichtbar und vor allem nutzbar aber erst in den nächsten Generationen. Ein praktisches Anschauungsbeispiel aus dem Bereich Ingenieurbiologie rundete die Exkursion auf der Rückfahrt nach Nordhausen ab.

Die Revitalisierung der „Ulster“, ca. 30 km südlich von Eisenach gelegen, ist ein EU-Modellprojekt zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie des Freistaates Thüringen. Nach der Ausführung der Arbeiten im Herbst 2006 konnte nach fast einem Jahr Entwicklungszeit die durch erd- und wasserbauliche Maßnahmen initiierte Eigendynamik des Gewässers besichtigt werden.
Autor: nnz

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