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Bike Systems – der 4. Tag

Freitag, 13. Juli 2007, 15:54 Uhr
Nordhausen (nnz). Das Wetter ist nicht unbedingt auf der Seite der Bike-Systems-Mitarbeiter. Doch das hält die Frauen und Männer nicht davon ab, sich für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze einzusetzen. Die nnz war am Mittag vor Ort.


Gestern feierte die Belegschaft ihren Sieg. Dabei hing wohl alles an einem eher seidenen Faden. Nach dem Entscheid des Arbeitsgerichts Nordhausen ging es um Minuten, denn das Arbeitsgericht hatte dem Unternehmen nach einer unterbrochenen Betriebsversammlung das Hausrecht zugebilligt. Doch da die Arbeitnehmerseite zuerst vor Ort war, konnte der Betriebsrat sofort eine Sitzung durchführen und anschließend die Arbeitnehmer über den Ausgang des Verfahren unterrichten (siehe nnz von gestern).

Auch heute, am vierten Tag der „Betriebsversammlung“ ist die Stimmung unter den Frauen und Männern immer noch gut. Das soll so auch bleiben, hofft Betriebsratsvorsitzende Heidrun Kirchner im nnz-Gespräch. Natürlich möchten Kirchner und Kollegen eine Lösung, die ihnen ihre Arbeitsplätze erhält. Das allerdings – wissen die Fachleute, trotz der Aussagen von Politikern aller Couleur – wird so einfach nicht sein.

Hinderungsgründe gibt es genügend. Da ist der Markt, auf den immer mehr Hersteller aus Fernost drängen, ein Spiegelbild dessen ist der Verlauf der Mifa-Aktie, die seit ihrer Emission rund die Hälfte ihres Wertes verloren hat.

Da ist die Situation bei Bike Systems generell. Die Eigentumsverhältnisse sind verzwickt. Die Farbgebungsanlage und das Hochregal gehören dem ehemaligen Firmenchef Biria. Hingegen die Laufradfertigung sowie die vier Montagebänder sollen Eigentum von Lone Star sein. Warum also soll Lone Star mit seiner Beteiligung an der Mifa in Sangerhausen sich einen Mitbewerber so zusagen vors Werktor holen?

Ein neuer Investor müßte, so er sich auf das Wagnis einläßt, viel Geld in die Hand nehmen und viel Verhandlungsgeschick mitbringen. Geld vor allem für einzukaufendes Material, auch das wichtigste Kapital des Unternehmens, die Mitarbeiter, sind nicht zum „Nulltarif“ zu haben.

Heute erst einmal hatten sich viele Mitarbeiter von Bike Systems in die Uferstraße begeben. Sie hatten sich von der Arbeitsagentur registrieren lassen. Was ihnen jedoch immer wieder Mut macht, das sind die ganz einfachen Dinge. Besuch von Fachhochschulstudenten und eine Verpflegung von der Nordhäuser Tafel zum Beispiel. Morgen werden sie – wie bereits in der nnz angekündigt – am Nachmittag durch die Stadt fahren, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Natürlich auf Fahrrädern.
Autor: nnz

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