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Grimms und Heine

Montag, 02. Juli 2007, 12:38 Uhr
Bleicherode (nnz). Schiller-Gymnasium – dieser Name ist zugleich Verpflichtung in Bleicherode. Die Schüler erlebten jetzt gleich zwei interessante Projekte.

Grimms am Abend (Foto: FSG) Grimms am Abend (Foto: FSG)

Die Theater AG des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Bleicherode führte am Freitag (29.06.) nach langer Vorbereitungszeit ihr neuestes Stück in der Aula vor: „Grimms am Abend“ als eine Talkshow mit Figuren aus der Märchenwelt, wie Hänsel, Gretel, Schneewittchen und Aschenputtel. Trotz der späten Uhrzeit kamen viele Zuschauer und lachten mit der AG. Alles in allem war es ein gelungener Abend. Leider musste sich die Theatergruppe von ihren zwei männlichen Mitgliedern verabschieden, die erfolgreich ihr Abitur hinter sich gebracht hatten. Dafür spielte aber auch der Leiter Herr Englert einmal eine Rolle im Stück – den Prinzen.


Heine zu Besuch

Heime zu Besuch (Foto: FSG) Heime zu Besuch (Foto: FSG)

Eine Theateraufführung an der Schule, für die auch noch Eintritt gezahlt werden muss, weckt normalerweise unter Gymnasiasten der 9. bis 11. Klassen nicht eben große Begeisterung. Doch selbst höhere Erwartungen wären sicher noch übertroffen worden. Denn dem Schauspieler Günther Keilhauer, einem Mimen der Leipziger „Kulturschule 1.e.“, gelang es großartig, seine rund 150 Zuhörer mit nichts weiter als der Rezitation von Heinrich Heines „Deutschland – ein Wintermärchen“ in den Bann zu ziehen.

Die vorgetragenen Auszüge waren so gewählt worden, dass die allgemeinen geschichtlichen Kenntnisse der Schüler über Heines Zeit ausreichend waren, um dessen scharfe ironisch-satirische Kritik an den sozialen und politischen Missständen im Deutschland des 19.Jahrhunderts aufzuzeigen.

Als zu Beginn der Darbietung der einzige Darsteller die Aula durch den hinteren Eingang betrat, verstand er es bereits, durch Gestik und Mimik die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen und zu Beifall zu animieren.

Dargeboten wurde Heines Reise von Frankreich nach Deutschland führend so, als hätte sie der Rezitator selbst erlebt. Gleich dem eines Reisenden war auch das Auftreten des schon als Faust-Darsteller bekannten Schauspielers. Die vorhandene Bühne reichte ihm nicht aus; er war ständig dabei, die Aula in Länge und Breite zu durchschreiten und dabei seine durchweg gespannt lauschende Zuhörerschaft mit einzubeziehen.

Durch sein abwechslungsreiches Sprechen, manche wohldosierte Kunstpause und eine sehr interessante Betonung entstand an mancher Stelle eine Zweideutigkeit, die - ob nun von Heine so beabsichtigt oder nicht – beim reinen Lesen nie aufgefallen wäre. Ein preußischer Soldat, Barbarossa, Heines Mutter oder Wölfe wurden von Günther Keilhauer so amüsant und glaubhaft verkörpert, dass er bei den Schiller-Gymnasiasten sein Anliegen glaubhaft verwirklichen konnte: jungen Menschen zu zeigen, dass Literatur Spaß machen kann, sie zum Nachdenken und Nachfragen zu bewegen.

Die Schüler der 9. bis 11. Klassen werden sich noch einige Zeit an diesen unterhaltsamen Deutschunterricht erinnern.
F. Kellner, S. Meyer
Autor: nnz

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