Wässrige Bauernfänger
Dienstag, 26. Juni 2007, 17:19 Uhr
Nordhausen (nnz). Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, Ihr Trinkwasser testen zu lassen? Zum Beispiel von einer älteren Dame auf dem Tisch Ihrer guten Stube. Die nnz konnte in Niedersachswerfen dabei sein.
Die nnz hatte in den vergangenen Jahren bereits mehrfach über dubiose Wassertester berichtet. In diesen Tagen sind die Bataillone wieder unterwegs. In Niedersachswerfen erlebte die nnz selbst, wie da vorgegangen wird. Wie gelogen und betrogen wird. Doch der Reihe nach.
In der vergangenen Woche klingelte in der Schillerstraße das Telefon. Eine freundliche Stimme gab an, man würde die Leute nach der Qualität des Trinkwassers befragen und ob sie denn damit zufrieden wären. Familie M. gab an, mit dem Wasser, das aus ihrem Hahn kommt, zufrieden zu sein. Gestern dann erneut ein Anruf mit dem Verweis, dass am Dienstag ein Vertreter käme, um das Trinkwasser in der Schillerstraße zu testen, es gebe zudem eine Belohnung.
Eine ältere, weißhaarige Frau klingelte heute punkt 15 Uhr und erklärte der Familie M., dass das Trinkwasser auf dieser Welt und natürlich auch in Niedersachswerfen immer weniger und immer schlechter werde. Da müsse man vorsorgen, so die Vertreterin. Gegen die schlechte Qualität könne jeder etwas tun, wie der Südharz und der Rest der Welt vor der Wasserknappheit bewahrt werden könne, darüber wurde kein Vortrag gehalten.
Wohl aber wurde natürlich getestet, mit Teststreifen. Und ganz klar, das Trinkwasser in Niedersachswerfen ist schlecht, weil zu kalkhaltig, so die energische Dame mit dem Nordhäuser Auto. Sie hatte Wasser mitgebracht, das aus dem Wunderapparat stammen sollte. Und natürlich: Dieses Wasser war nicht kalkhaltig, die nnz konnte diese Probe sichern und wird sie untersuchen lassen.
Und nun wurde die Katze so langsam aber sicher aus de Wasser-Sack gelassen. Da könne ein Gerät in der Küche eingebaut werden, das für gesundes Wasser sorge. Zitat: Das harte, kalkhaltige Wasser ist natürlich auch für Verkalkung der Arterien verantwortlich und für Nierenerkrankungen, so der pseudomedizinische Rat der Frau. Auch werde der Körper durch das reine Wasser entschlackt und entgiftet, was bei dem belasteten Wasser im Südharz natürlich nicht der Fall sei. Ach ja, dann kam auch noch die Gülle als Argument. Früher, da wurde die Gülle auf dem ganzen Feld verteilt, heute kommt sie aus einem Rohr und läuft auf eine Stelle. Selbst der Regen sei ja nicht mehr das, was er vor Jahren noch war. Da sehe man an den Filmen auf den Wasserpfützen auf der Straße.
Doch genug dieses Theaters. Familie M. wollte dann doch wissen, was zu machen sei, damit der Trinkwasser-GAU in der Schillerstraße aufzuhalten sei? Eine Anlage müsste man kaufen, bestehend aus einer Pumpe und drei Filtern. Der erste Filter filtert den Dreck weg, der bei Rohrleitungsarbeiten erzeugt wird. Dann kommt ein Kohlefilter und zum Schluß ein Segmentfilter und irgendwo ist dann noch eine Membrane in der Anlage.
Was kostet denn nun der Spaß, wollte Familie M. wissen? 2.100 Euro muss man schon investieren, so die Antwort. Als die Vertreterin die verdutzten Gesichter sah, dann die Alternative: Es gibt auch schon Anlagen für 1.400 Euro! Zum Schluß noch ein technisches Schmankerl, auf die Frage, wohin denn der herausgefilterte Schmutz, der Kalk und all die Nitrate gehen würden? Die gehen direkt ins Abflussrohr der Spüle.
Da reichte es dem rüstigen Ehepaar. Frau und Herr M. gaben der Dame zu verstehen, dass das Gespräch jetzt beendet und man sauer auf das Geschäftsgebaren der Firma aus Weimar sei. Da sei in den Telefonaten von Tests und einer Belohnung die Rede gewesen, nicht aber vom Kauf eines Gerätes für 2.100 Euro, dass die Welt retten soll.
Wenn Sie, liebe nnz-Leser, wissen wollen, welche Zusammensetzung das Trinkwasser im Südharz hat, dann fragen Sie die Fachleute vom Wasserverband Nordhausen oder schauen ins Internet. Die bauen übrigen zur Zeit ein supermodernes Wasserwerk mit Filtern, die tatsächlich ihren Dienst tun. Alles andere ist schlicht und ergreifend Bauernfängerei.
Autor: nnzDie nnz hatte in den vergangenen Jahren bereits mehrfach über dubiose Wassertester berichtet. In diesen Tagen sind die Bataillone wieder unterwegs. In Niedersachswerfen erlebte die nnz selbst, wie da vorgegangen wird. Wie gelogen und betrogen wird. Doch der Reihe nach.
In der vergangenen Woche klingelte in der Schillerstraße das Telefon. Eine freundliche Stimme gab an, man würde die Leute nach der Qualität des Trinkwassers befragen und ob sie denn damit zufrieden wären. Familie M. gab an, mit dem Wasser, das aus ihrem Hahn kommt, zufrieden zu sein. Gestern dann erneut ein Anruf mit dem Verweis, dass am Dienstag ein Vertreter käme, um das Trinkwasser in der Schillerstraße zu testen, es gebe zudem eine Belohnung.
Eine ältere, weißhaarige Frau klingelte heute punkt 15 Uhr und erklärte der Familie M., dass das Trinkwasser auf dieser Welt und natürlich auch in Niedersachswerfen immer weniger und immer schlechter werde. Da müsse man vorsorgen, so die Vertreterin. Gegen die schlechte Qualität könne jeder etwas tun, wie der Südharz und der Rest der Welt vor der Wasserknappheit bewahrt werden könne, darüber wurde kein Vortrag gehalten.
Wohl aber wurde natürlich getestet, mit Teststreifen. Und ganz klar, das Trinkwasser in Niedersachswerfen ist schlecht, weil zu kalkhaltig, so die energische Dame mit dem Nordhäuser Auto. Sie hatte Wasser mitgebracht, das aus dem Wunderapparat stammen sollte. Und natürlich: Dieses Wasser war nicht kalkhaltig, die nnz konnte diese Probe sichern und wird sie untersuchen lassen.
Und nun wurde die Katze so langsam aber sicher aus de Wasser-Sack gelassen. Da könne ein Gerät in der Küche eingebaut werden, das für gesundes Wasser sorge. Zitat: Das harte, kalkhaltige Wasser ist natürlich auch für Verkalkung der Arterien verantwortlich und für Nierenerkrankungen, so der pseudomedizinische Rat der Frau. Auch werde der Körper durch das reine Wasser entschlackt und entgiftet, was bei dem belasteten Wasser im Südharz natürlich nicht der Fall sei. Ach ja, dann kam auch noch die Gülle als Argument. Früher, da wurde die Gülle auf dem ganzen Feld verteilt, heute kommt sie aus einem Rohr und läuft auf eine Stelle. Selbst der Regen sei ja nicht mehr das, was er vor Jahren noch war. Da sehe man an den Filmen auf den Wasserpfützen auf der Straße.
Doch genug dieses Theaters. Familie M. wollte dann doch wissen, was zu machen sei, damit der Trinkwasser-GAU in der Schillerstraße aufzuhalten sei? Eine Anlage müsste man kaufen, bestehend aus einer Pumpe und drei Filtern. Der erste Filter filtert den Dreck weg, der bei Rohrleitungsarbeiten erzeugt wird. Dann kommt ein Kohlefilter und zum Schluß ein Segmentfilter und irgendwo ist dann noch eine Membrane in der Anlage.
Was kostet denn nun der Spaß, wollte Familie M. wissen? 2.100 Euro muss man schon investieren, so die Antwort. Als die Vertreterin die verdutzten Gesichter sah, dann die Alternative: Es gibt auch schon Anlagen für 1.400 Euro! Zum Schluß noch ein technisches Schmankerl, auf die Frage, wohin denn der herausgefilterte Schmutz, der Kalk und all die Nitrate gehen würden? Die gehen direkt ins Abflussrohr der Spüle.
Da reichte es dem rüstigen Ehepaar. Frau und Herr M. gaben der Dame zu verstehen, dass das Gespräch jetzt beendet und man sauer auf das Geschäftsgebaren der Firma aus Weimar sei. Da sei in den Telefonaten von Tests und einer Belohnung die Rede gewesen, nicht aber vom Kauf eines Gerätes für 2.100 Euro, dass die Welt retten soll.
Wenn Sie, liebe nnz-Leser, wissen wollen, welche Zusammensetzung das Trinkwasser im Südharz hat, dann fragen Sie die Fachleute vom Wasserverband Nordhausen oder schauen ins Internet. Die bauen übrigen zur Zeit ein supermodernes Wasserwerk mit Filtern, die tatsächlich ihren Dienst tun. Alles andere ist schlicht und ergreifend Bauernfängerei.
