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Der einsame Stern

Donnerstag, 21. Juni 2007, 10:01 Uhr
Nordhausen (nnz). Finanzinvestoren kümmern sich um Zahlen, Erträge und Renditen. Traditionen scheren sie nicht. Auch nicht die in Nordhausen.


Nach der Motorenproduktion oder der Zigarettenproduktion ist jetzt auch die Fahrradproduktion in Nordhausen nur noch ein Zeugnis der Zeitgeschichte. Das war zu erwarten gewesen. Nach dem Verkauf des Fahrradwerkes Bike Systems in Nordhausen an die Mifa in Sangerhausen und damit an den Finanzinvestor „Lone Star“ ist das Unvermeidliche eingetreten. Der „einsame Stern“ hat einen Schlußstrich gezogen. Unternehmen, die nicht weiter verwertbar sind, die werden abgewickelt. Im Fall von Bike Systems heißt das: Es ist Schluß.

Zum 30. Juni wird die Produktion in Nordhausen eingestellt. Was der Gewerkschaft und dem Betriebsrat derzeit vorliegt, das ist der Entwurf eines Interessensausgleiches aus Sicht der Geschäftführung. Der Kernsatz – abgesehen von diversen juristischen Formulierungen – lautet, „ein Sozialplan ist herbeizuführen“. Unklar ist hingegen vieles: Wie verhält es sich mit den Kündigungsfristen, gibt es eine Fortzahlung der Bezüge? Für die Gewerkschaft IG Metall sieht es momentan nach einem „Tummelplatz der Unzulänglichkeiten und Merkwürdigkeiten“ aus.

Die etwa 130 Mitarbeiter an der Freiherr-vom-Stein-Straße haben nun auch die Quittung erhalten für ein Ruhigbleiben. Es ist verständlich, dass sie alle einfach nur ihren Job behalten wollten. Da gab es immer wieder Versuche, die Gehälter zu kürzen, dubiose Zeitarbeitsfirmen wurden eingeschaltet, merkwürdige Verträge wurden vorgelegt. Und immer wieder hat der Betriebsrat mitgemacht. Spätestens nach dem Dezember 2006 hätte klar sein müssen: Es gibt für den Nordhäuser Standort nur noch eine Galgenfrist. Die scheint zum Ende dieses Monats abgelaufen zu sein...
Autor: nnz

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