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Briefe aus Bad Füssing (4)

Dienstag, 19. Juni 2007, 09:53 Uhr
Nordhausen (nnz). Es ist – politisch gesehen – in Bayern eher beschaulich, weil befriedet. Was soll auch passieren in einer Gegend, in der die absolutistische Herrschaft einer Partei nahezu unangreifbar erscheint. Doch im bescheidenen Rest der Republik brodelt es. Auch deshalb richtet sich der heutige Brief an einen konkreten Adressaten.


Sehr geehrter Herr Heil,

Sie sind der Generalsekretär der Sozialdemokratischen Partei in Deutschland, auch SPD genannt. Sie sind 34 Jahre alt und haben von der Welt vielleicht schon mehr gesehen als ich. Das ist nicht tragisch, jedenfalls nicht für mich. Die tragische Figur, die schreibe ich Ihnen zu. Sie stehen da mit Ihrer Ausbildung zum Politikwissenschaftler, unter anderem an der Fernuniversität Hagen, und können die Welt nicht verstehen. Vielleicht wollen Sie die Welt nicht verstehen. Ich jedenfalls interpretiere das so, Herr Heil.

Nun steht sie plötzlich vor Ihrer Haustür, Herr Heil, die neue Partei, die sich „Die Linke“ nennt. Ich schreibe Ihnen das noch einmal auf, da Sie sich nicht an den Namen einer in Deutschland zugelassenen Partei erinnern können. Warum nennen Sie „Die Linke“ immer noch PDS? Wollen Sie das Gespenst noch schrecklicher machen? Vielleicht sollten Sie diese neue Partei Ex-SED nennen? Das wiederum können Sie nicht, mindestens die Mitglieder in den alten Bundesländern hatten mit der damaligen SED nicht viel am Hut. Sie sind also ganz schön in der Zwickmühle, Herr Heil. Und da fällt Ihnen und Ihre PR-Strategen nicht anderes ein, als weiter den bisherigen Namen PDS in den Mund zu nehmen.

Sehr geehrter Herr Heil,

ich muss Ihnen sagen, dass ich nicht unbedingt zum Fankreis der neuen Partei gehöre, doch ein wenig Anstand muß sein. Selbst als nur lokal agierender Journalist wäre es unfair, wenn ich bei Nennung der Partei weiter „PDS“ schreiben würde statt „Die Linke“. Und dann können Sie ruhig mal an die Basis Ihrer Partei kommen, die nun in der Gesamt-Republik nicht mehr links zu finden ist. Dort ist der Umgang ziemlich entkrampft zwischen SPD und „Die Linke“. In vielen Kreistagen, Stadt- und Gemeinderäten erlaubt man sich die Frechheit einer Koalition. Und selbst die Bundeshauptstadt wird rot-rot regiert. Das, lieber Herr Heil, dürfte Ihnen selbst als Mitglied des VfB Peine ja nicht entgangen sein. Auch, wenn es Ihnen schwer im politischen Magen zu liegen scheint.

Und im Übrigen: Auch die große Koalitionsschwester Ihrer Partei, die CDU, hat im Umgang mit den „neuen Linken“ kaum Probleme. Aber vermutlich sind politisch agierende Menschen an der Basis anders als in Ihrer Liga, Herr Heil. Wer liegt denn nun richtig: Eine SPD-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete aus dem Landkreis Nordhausen oder deren Generalsekretär? Wer ist den für mich nun der richtige Sozialdemokrat?

Ach, wissen Sie Herr Heil, die neue Partei, deren Geburtshelfer Ihre Partei unter Gerhard Schröder doch war, die sollten Sie sich inhaltlich „vorknöpfen“. Doch jemand, dem politischer Schaum vor dem Mund steht, der hat damit Schwierigkeiten. Da vermeldet die „Süddeutsche Zeitung“ doch heute, dass es bereits in den ersten 48 Stunden nach Gründung von „Die Linke“ über 1.500 Eintritte in die Partei gegeben hat. Sie können Ihre Statistik-Abteilung ja mal befragen, wie viele davon von der SPD kommen. Und bei dieser Gelegenheit können Sie auch mal gegenrechnen lassen, wie viele ehemalige SED-Mitglieder in der SPD eine neue politische Heimat gefunden haben.

Sehr geehrter Herr Heil,

als junger und dynamischer Parteikader wollen Sie sicherlich noch weiter nach oben auf der Karriereleiter. Das sei Ihnen von meiner Seite aus auch gegönnt. Aber: Agieren Sie hart und fair mit Ihren politischen Gegnern. Es geht im alltäglichen PR-Kampf nicht darum, schriller und lauter als Ihr Kollege Söder zu sein. Es geht darum, Ziele Ihrer Sozialdemokratischen Partei nicht aus den Augen zu lassen. Das scheint derzeit schwer genug. Wie schrieben Sie gestern auf Ihrer Homepage: "Wir wollen das Tor zum Mindestlohn aufstoßen. Dieses Ziel hat SPD-Generalsekretär Hubertus Heil für den Koalitions-Ausschuss am Montagabend vorgegeben. Zum Schutz vor Lohndumping sei die Aufnahme aller Branchen in das Entsendegesetzes sowie ein gesetzlicher Mindestlohn notwendig, erklärte er nach einer Sitzung des SPD-Präsidiums. Wir wollen da heute Abend Druck machen...“

Das Ergebnis, sehr geehrter Herr Heil, ist den politisch interessierten Menschen bekannt und es wird der Partei, deren Namen Sie nicht kennen wollen, weitere Mitglieder und Sympathisanten in die Arme spülen. So ist das nun mal mit Arroganz und Ignoranz. Glauben Sie mir, ich weiß mit 50 gelebten Ost-Jahren, wovon ich spreche.
Freundlichst – Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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