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Ullrich Fiedler: Zukunft der EGN hängt von Entscheidung des Kreistages ab

Mittwoch, 08. November 2000, 16:01 Uhr
Nordhausen (nnz). Nach der NOGEFAS soll nun auch die Entwicklungsgesellschaft des Landkreises Nordhausen (EGN) abgewickelt werden. Über Gründe, Hintergründe und die derzeitige Situation sprach nnz mit EGN-Geschäftsführer Ullrich Fiedler.
nnz: Warum steht die EGN, eine der ehemals größten Beschäftigungsgesellschaften Nordthüringens, vor dem Aus?

Fiedler: Die Gründe dafür sind in erster Linie in der Finanzierung der Gesellschaft aus dem Kreishaushalt zu suchen. Bereits im vergangenen Jahr hat die EGN von ihrem Gesellschafter, dem Landkreis Nordhausen, keinen Zuschuß mehr erhalten. In diesem Jahr kam es dann zu einer Verlustzuweisung für 1999 in Höhe von 540.000 Mark. Die ursprünglich in diesem Jahr eingestellten 450.000 Mark wurden auf 200.000 Mark gekürzt.

nnz: Wie soll es jetzt weitergehen?

Fiedler: Darüber müssen noch in diesem Jahr die verantwortlichen Gremien beraten. So wird es im November eine weitere Aufsichtsratssitzung und eine Gesellschafterversammlung geben. Letztlich muß der Kreistag im Dezember über die Zukunft der EGN einen Beschluß fassen. Bis dahin wird die EGN ein Konzept erarbeiten. Bekennt sich der Kreistag zu einem weiteren Zuschuß, dann kann die EGN weitergeführt werden, entscheiden sich die Kreistagsmitglieder dagegen, dann ist Schluß. Als weitere Alternative wäre eine Fusion mit der Service GmbH, einer 100prozentigen Tochter der EGN, möglich.

nnz: Sollte die EGN doch abgewickelt werden, was wird aus den angelaufenen AB-Maßnahmen?

Fiedler: Die Mitarbeiter in den derzeitigen ABM müssen sich keine Sorgen machen. Die begonnenen Projekte, in die etwa 150 Beschäftigte integriert sind, werden auf jeden Fall zu Ende geführt. Auch die vorbereiteten Maßnahmen für weitere 50 Frauen und Männer werden durchgezogen.

nnz: Wie sieht nach fast 10 Jahren EGN ihre persönliche Bilanz aus?

Fiedler: Die EGN hatte von Beginn an das Ziel, Menschen auf dem zweiten Arbeitsmarkt eine Chance zur Beschäftigung zu geben. In den nunmehr fast 10 Jahren konnten durch die EGN rund 5.000 Menschen in eine zwar befristete aber auch sinnvolle Beschäftigung gebracht werden. Darüber hinaus wollten wir die Ausgründung von selbständig arbeitenden Firmen forcieren. Auf der Habenseite stehen da mehr als zehn Firmen, die sich mit mehr oder weniger Erfolg am Markt behaupteten. Das ist bei diesen Firmen nicht anderes, als bei ganz "normalen" Existenzgründungen. In den ausgegründeten Firmen fanden mehr als 100 Menschen einen festen Arbeitsplatz. Übrigens ist die derzeitige Situation der EGN keine Einzelschicksal. Von den einst 43 bestehenden Beschäftigungsgesellschaften gibt es heute noch 26.

nnz: Im vergangenen Jahr gab es Ermittlungen seitens der Mühlhäuser Staatsanwaltschaft mit dem Vorwurf der Untreue. Was ist daraus geworden?

Fiedler: Der Mühlhäuser Behörde lag aus dem Landkreis Nordhausen eine entsprechende Anzeige vor. Ende 1999 wurden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft eingestellt. Der Vorwurf hatte sich nicht bestätigt.

nnz: Herr Fiedler, eine abschließende Frage: Wie geht es ihnen persönlich?

Fiedler: Gesundheitlich geht es mir gut. Ich kenne auch die kursierenden Gerüchte, doch da ist absolut nichts dran. Sie werden aber verstehen, daß die derzeitige Situation der EGN nicht die beste für's Gemüt ist. Unter den Mitarbeitern herrscht eine relative Unruhe, sie wollen wissen wie es weitergeht. Und nicht immer kann ich alle Fragen beantworten. Ein wenig schmerzt es doch, wenn eine Sache, an der man maßgeblich Anteil hatte, nun abgewickelt wird. Das ist wirklich kein gutes Gefühl, vor allem wenn die Entscheidungen andere treffen werden.
nnz: Herr Fiedler, wir danken Ihnen für dieses Gespräch
Autor: psg

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