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Wo ist der Boom?

Montag, 11. Juni 2007, 13:19 Uhr
Nordhausen (nnz). Vor allem Politiker jeglicher Spielklassen nehmen den Begriff einer „boomenden Konjunktur“ gern in den Mund. Doch überall ist der Boom nicht angekommen. Die nnz sprach dazu mit dem Geschäftsführer des größten produzierenden Unternehmens in Nordhausen, Jürgen Stäter.


Hoch oben über Nordhausen, in der siebten Etage des Verwaltungsgebäudes der Schachtbau Nordhausen GmbH, hat Jürgen Stäter einen hervorragenden Überblick über das riesige Gelände des Unternehmens. Er sieht die Veränderungen. Er spürt die Konjunktur – vor allem im Maschinenbau und den verwandten Gewerken. Diese „Konjunkturabteilung“ ist auch in Nordhausen angekommen. Doch Schachtbau, das ist mehr als Stahl- oder Maschinenbau. Das ist eben auch der Brücken- und Ingenieurbau.

Hier ist der Boom bislang ausgeblieben. Hauptauftraggeber der Nordhäuser war und ist die so genannte „öffentliche Hand“, sind der Bund und die Länder. Und da gibt es einen Vergabestau, um es vorsichtig auszudrücken. Auf der einen Seite sprudelnde Steuereinnahmen, auf der anderen Seite Milliardendefizite, leere Kassen. Und: Ein immer größer werdendes Werk von Preisregularien und Ausschreibungsbedingungen macht es den Unternehmen nicht gerade leicht mitzuhalten. Nebenbei bemerkt, sind immer noch Unternehmen am Markt zu finden, die nach jedem Auftrag heischen, nur um zu überleben. Die bieten jeden Preis an, koste es, was es wolle. In diesem Fall das Weiterhangeln.

Hier wünscht sich Jürgen Stäter schneller und härter als bisher die Wirkung der Marktmechanismen. Wer als Unternehmen derartig krank sei, dem könne nicht mehr geholfen werden. Holzmann und Co. hätten das gezeigt.

Die Schachtbau Nordhausen GmbH beteiligt sich nicht an dem Wettrennen um die tiefsten Preise. Was Jürgen Stäter jedoch fordert, ist ein Entwirren der administrativen Vorschriften. Wenn sich Schachtbau zum Beispiel innerhalb eines Bauvorhabens beteiligt, bei dem neben dem Bund auch noch mehrere Länder das Sagen haben, dann wird es schon mehr als schwierig.

„Die Nachfrage nach Leistungen von Unternehmen wie Schachtbau muss das Angebot übersteigen. Nur dann können Preise am Markt erzielt werden, die für alle auskömmlich sind“, so die Formel der Schachtbau-Chefetage. Handelt es sich bei einem Auftrag um einen privaten Auftraggeber, dann ist der Markt derzeit in Ordnung. Im öffentlichen Bereich ist es eher umgekehrt, hier buhlen zu viele um zu wenig ausgeschriebene Leistungen.

Von den Millionen aus den Maut-Erlösen, die zur Sanierung und zum Ausbau der Straßeninfrastruktur eingesetzt werden sollen, davon haben Jürgen Stäter und seine Mitarbeiter wenig bemerkt. Der Bedarf ist jedoch vorhanden. So wissen Experten wie die Nordhäuser Schachtbauer, dass sich zum Beispiel 70 Prozent aller Brückenbauwerke in Deutschland in einem instandsetzungswürdigen Zustand befinden. Viele von ihnen wurden gebaut zu einer Zeit, da sich rund um Deutschland noch Zoll- und politische Grenzen befanden. Heute ist Deutschland ein Transitland und Teil einer globalisierten Welt...
Autor: nnz

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